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SZ-Gespräch mit Dr. Gebhard Buchal
Nachwuchssportler verlieren Bindungspersonen

Dr. Gebhard Buchal von der DRK-Kinderklinik Siegen erläutert im SZ-Gespräch aus medizinischer Sicht die Auswirkungen des Lockdowns auf Nachwuchssportler.
  • Dr. Gebhard Buchal von der DRK-Kinderklinik Siegen erläutert im SZ-Gespräch aus medizinischer Sicht die Auswirkungen des Lockdowns auf Nachwuchssportler.
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ubau Siegen. Die Auswirkungen des Lockdowns auf Nachwuchssportler sind nicht zu unterschätzen. Was bedeutet das für die körperliche, gesundheitliche und psychische Situation der Kinder? Die SZ sprach mit Dr. Gebhard Buchal, dem Chefarzt der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin in der Siegener DRK-Kinderklinik.„Bedingt durch den Lockdown ist es im Bereich der Kinder-und Jugendlichen zu einer massiven Einschränkung in ihren Lebenswelten gekommen. Alle bisher beschlossenen Regelungen wurden aus Perspektive der Erwachsenen gesehen“, schickt der Mediziner kritisch vorweg.

ubau Siegen. Die Auswirkungen des Lockdowns auf Nachwuchssportler sind nicht zu unterschätzen. Was bedeutet das für die körperliche, gesundheitliche und psychische Situation der Kinder? Die SZ sprach mit Dr. Gebhard Buchal, dem Chefarzt der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin in der Siegener DRK-Kinderklinik.„Bedingt durch den Lockdown ist es im Bereich der Kinder-und Jugendlichen zu einer massiven Einschränkung in ihren Lebenswelten gekommen. Alle bisher beschlossenen Regelungen wurden aus Perspektive der Erwachsenen gesehen“, schickt der Mediziner kritisch vorweg.

Lockdown sorgt für Stress in den Familien

Die Schließung von Kindertagesstätten, Kinderspielplätzen, Schulen und Sportstätten bedeutet „den Entzug wesentlicher Voraussetzungen für eine gesunde, körperliche, psychische und soziale Entwicklung“, da ist sich der Mediziner vom Wellersberg sicher.

So geht der Fußball-Nachwuchs mit dem Lockdown um

Die Umstellung der Arbeitswelten der Eltern seien primär an den Bedürfnissen der Eltern und auch an denen der Arbeitgeber ausgerichtet, jedoch nicht an denen der Kinder. „Bedingt durch die gleichzeitige Betreuung der Arbeitssituation und die der Kinder und Jugendlichen erhöht sich die Stresssituation in den Familien, sodass es entweder zu Ausuferungen in Stresssituationen oder auch zum vermehrten Rückzug von Kindern und Jugendlichen in den Bereich von Medienkonsum kommt“, erläutert Dr. Buchal.

"Traumatischer Verlust von wichtigen Bindungspersonen"

Kinder und Jugendliche erhielten in der gemeinsamen Begegnung, gerade im sportlichen Bereich, aber auch im gemeinsamen Lernen Bestätigung und entwickelten hierüber Kompetenzen, die sie andernorts nicht erfahren und aufbauen können. Dies betreffe in besonderer Weise auch Kinder ohne Geschwister. „Die antidepressive und gesundheitsfördernde Wirkung von sinngebenden Freizeitaktivitäten wie z.B. gemeinsamen Sport, die die Entwicklung von Selbstwirksamkeitsüberzeugung und Resilienz fördern, wird nicht mehr genutzt“, beklagt der Chefarzt der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin. „Die wochenlange Kontaktsperre zu gleichaltrigen Freunden und auch im Rahmen von Mannschaftssport bedeutet einen unverstandenen und gegebenenfalls auch traumatischen Verlust von wichtigen Bindungspersonen. Die häusliche Situation hat häufig nicht eine so große Auffangsituation um diese Einschränkung folgenlos zu überstehen.“
Große Probleme haben laut Buchal vor allem auch die ca. 20 Prozent alleinerziehenden Eltern, die auf die sportliche Betreuung am Nachmittag „und die damit verbundene stetige Kontaktsituation sowie das körperliche Auspowern“ angewiesen sind.

Rückzug in den häuslichen Bereich kann zu Übergewicht führen

„Darüber hinaus“, sagt Dr. Buchal, „sehen wir deutlich vergrößerte Risiken, nicht nur hinsichtlich der altersentsprechenden körperlichen und psychischen Entwicklung, sondern auch ein deutlich erhöhtes Risiko hinsichtlich der Vernachlässigung und der Gewalterfahrung.“
Die in England bereits durchgeführten Befragungen und Studien haben ergeben, dass Kinder und Jugendliche mit seelischen Gesundheitsstörungen durch den Lockdown eine deutliche Verschlechterung ihrer Gesundheit zeigen. Und zwar deshalb, weil die Stabilität in den bisherigen Netzwerken, den Schulen und die sportliche Betätigung fehlt, erläutert Dr. Buchal, der auch noch einen anderen wichtigen Aspekt hervorhebt: „Durch das Zurückziehen der Kinder in den häuslichen Bereich, und hier vornehmlich in den Bereich des Medienkonsums, beginne zudem eine Zunahme der Körpergewichts und der damit verbundenen körperlichen Erkrankungen wie Adipositas, Typ II Diabetes, Blutdruckerhöhung bereits im jungen Alter.“ Abschließend sagt der Mediziner von der DRK-Kinderklinik: „Die Bildung, Bewegung und somit eine altersentsprechende Entwicklung gehört zu den Grundrechten von Kindern und Jugendlichen, die derzeit beschränkt sind – und eine Alternative ist derzeit nicht gegeben."

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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