SZ

Tischtennis-Profi Steffen Mengel im Interview
„Nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung“

Der aus Holzhausen stammende Tischtennis-Profi Steffen Mengel hat den Ball immer im Visier. Auch mit 31 Jahren „brennt“ er immer noch für seine Leidenschaft.
  • Der aus Holzhausen stammende Tischtennis-Profi Steffen Mengel hat den Ball immer im Visier. Auch mit 31 Jahren „brennt“ er immer noch für seine Leidenschaft.
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  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Mühlhausen/Holzhausen. Die Karriere von Tischtennis-Ass Steffen Mengel ist nicht nur gespickt mit Erfolgen, sondern auch reich an sportlichen Stationen. Seit 2018 steht der frühere deutsche Nationalspieler beim Erstligisten Post SV Mühlhausen unter Vertrag. In seiner Premierensaison bei dem Klub aus Thüringen schlug der aus Holzhausen stammende Mengel gleich gut ein. Mit seiner Bilanz von 8:6 Siegen hatte der deutsche Einzel-Meister von 2013 und Team-Vize-Weltmeister von 2014 großen Anteil an der erfolgreichen Saison der Müntzerstädter, die im Abschlussklassement der Spielzeit 2018/19 den 6. Platz belegten.
Noch nie zuvor hatte Mühlhausen am Ende einer Spielzeit mehr Punkte auf dem Konto (22:18). Auch bei ihrer Premiere in der Champions League überzeugten Mengel und Co.

ubau Mühlhausen/Holzhausen. Die Karriere von Tischtennis-Ass Steffen Mengel ist nicht nur gespickt mit Erfolgen, sondern auch reich an sportlichen Stationen. Seit 2018 steht der frühere deutsche Nationalspieler beim Erstligisten Post SV Mühlhausen unter Vertrag. In seiner Premierensaison bei dem Klub aus Thüringen schlug der aus Holzhausen stammende Mengel gleich gut ein. Mit seiner Bilanz von 8:6 Siegen hatte der deutsche Einzel-Meister von 2013 und Team-Vize-Weltmeister von 2014 großen Anteil an der erfolgreichen Saison der Müntzerstädter, die im Abschlussklassement der Spielzeit 2018/19 den 6. Platz belegten.
Noch nie zuvor hatte Mühlhausen am Ende einer Spielzeit mehr Punkte auf dem Konto (22:18). Auch bei ihrer Premiere in der Champions League überzeugten Mengel und Co. mit dem Sprung ins Viertelfinale. In der aktuellen Saison rangieren die Thüringer auf dem 6. Platz (18:14 Punkte). – Die SZ sprach mit Steffen Mengel über seinen Verein, sein Verletzungspech und seine Zukunftspläne.

SZ: Herr Mengel, wie lebt es sich in Mühlhausen, das seit 2016 den Titel „Reformationsstadt Europas“ trägt?
Steffen Mengel: „Nun, da kann ich nicht so viel zu sagen. Außer, dass die Stadt ganz schön ist. Ich wohne und trainiere weiterhin in Düsseldorf und reise – genau wie meine Teamkollegen – zu den Spielen an. Der Österreicher Daniel Habesohn kommt aus Wien, der Tscheche Lubomir Jancarik aus Ostrau und der Rumäne Ovidiu Ionescu aus Bremen. Bei Heimspielen treffen wir uns drei Tage vorher in Mühlhausen. Vor Auswärtsspielen sind wir einen Tag vorher am jeweiligen Spielort.“
SZ: Ist es angesichts dieser Konstellation nicht schwierig, einen Teamgeist zu entwickeln?
Mengel: „Da sehe ich kein Problem. Wir kennen uns alle schon Ewigkeiten, auch von Duellen gegeneinander. Die Tischtennis-Szene ist ja nicht so groß. Außerdem haben wir durch die Champions-League-Teilnahme und die Bundesliga viele Spiele, sodass wir dann auch schon mal sieben Tage am Stück zusammen sind.“
SZ: Seit 2018 schlagen Sie für Post SV Mühlhausen auf. Was hat Sie seinerzeit zu dem Wechsel nach Thüringen bewogen?
Mengel: Davor war ich vier Jahre beim TTC Bergneustadt. Ende 2017 bekam ich dann Rückenprobleme. Die Verletzung wurde lange Zeit nicht richtig diagnostiziert, und ich wurde falsch behandelt. Am Ende musste ich im April 2018 an der Bandscheibe operiert werden. Danach bin ich lange ausgefallen. Das war eine schwierige Situation für mich, aber auch für den TTC Bergneustadt, der ja auch planen musste. Daher wurde die Zusammenarbeit beendet – und ich habe mich dann nach einem neuen Verein umgesehen. Mühlhausen hatte von Anfang an Interesse bekundet. Die Verantwortlichen dort wussten von meinen gesundheitlichen Problemen. Sie waren jedoch überzeugt davon, dass ich zurückkommen würde und haben mir in dieser schwierigen Zeit Mut gemacht. Das war Balsam für meine Seele. Das zeugte von großer Menschlichkeit und hat mich sehr bewegt.“
SZ: Was macht den Verein Post SV Mühlhausen aus?
Mengel: „In erster Linie die extrem große Vereinsliebe der Zuschauer und deren Stolz auf den Klub. Bei vielen Vereinen fühlt es sich eher nach Geschäft an. Das ist in Mühlhausen anders. Hier ist es wie eine große Gemeinschaft. Wenn unsere kleine Halle mit 450 Zuschauern ausverkauft ist, dann herrscht dort eine tolle Stimmung. Mir kommt es manchmal so vor, dass unsere Fans nach gewonnenen Spielen glücklicher sind als man selbst. Nach den Spielen ist man gefühlt mit jedem einzelnen Zuschauer in Kontakt. Das habe ich so noch nicht erlebt. Diese familiäre Atmosphäre schätze ich sehr. Es macht Spaß, in Mühlhausen zu spielen.“
SZ: Ihr Team beendete die vergangene Saison in der Tischtennis-Bundesliga auf Rang 6. Aktuell rangiert Mühlhausen erneut auf Platz 6. Ist das angesichts der finanziellen Voraussetzungen das höchste der Gefühle für den Verein oder geht noch mehr?
Mengel: „Die Liga ist extrem stark. Die Teams sind unglaublich eng beisammen. Zwar fallen Jülich und Grenzau in der Tabelle ab. Aber unser letztes Spiel in Grenzau, das wir knapp gewonnen haben, hätte beispielsweise auch leicht kippen können. Ganz oben sind Saarbrücken, Düsseldorf und Ochsenhausen vielleicht einen Tick stärker als der Rest, aber letztlich kann fast jeder jeden schlagen. Das macht die Liga sehr spannend. Unser6. Platz ist okay, obwohl ich der Meinung bin, dass wir das Potenzial haben, an die Playoff-Plätze (1 bis 4, Anm.d.Red.) anzuklopfen. Durch das anspruchsvolle Programm mit Bundesliga und Champions League haben wir sicherlich ein paar Punkte liegen gelassen. Wenn man in Orenburg in Russland gespielt hat, ist man kurz darauf nicht so frisch wie Teams, die diese Belastung nicht haben.“
SZ: Wie beurteilen Sie Ihre persönliche Bilanz in dieser Saison?
Mengel: „Ich habe mit 6:2 Siegen sehr gut angefangen und beispielsweise gegen Timo Boll nur knapp mit 2:3 Sätzen verloren. Dann habe ich mir leider den Rücken gezerrt und konnte zwei Wochen lang nicht trainieren. Als ich wieder fit war, habe ich einige Spiele unglücklich verloren, zum Beispiel gegen Topspieler wie Kristian Karlsson oder Benedikt Duda. Aktuell stehe ich bei 7:6 Siegen. Das ist in Ordnung, aber vom Gefühl her habe ich besser gespielt, als es die Bilanz aussagt. Aber Tischtennis ist ein Ergebnis-Sport (lacht). Und es stehen ja noch einige Partien aus . . .“
SZ: Mannschafts-Vizeweltmeister 2014, Mannschafts-Vizeeuropameister 2014, Deutscher Meister im Einzel 2013 und im Doppel 2015, Platz 3 bei den hochkarätig besetzten German Open 2014: Ihre Karriere ist reich an Erfolgen – aber auch an Verletzungen. Immer wieder gab es Rückschläge. Hadern Sie rückblickend mit Ihrem Verletzungspech, das eine (noch) erfolgreichere Laufbahn verhindert hat?
Mengel: „Ich probiere, mich nicht so viel damit zu beschäftigen, denn ich kann es auch nicht mehr ändern. Die Dinge, die ich ändern kann, gehe ich an, um Verletzungen vorzubeugen und weitere Prozentpunkte herauszuholen. Ich habe zum Beispiel mein Krafttraining umgestellt. Ich trainiere nun mit weniger Gewichten, achte mehr auf Schnelligkeit. Darüber hinaus mache ich viel Yoga.“
SZ: Sie sind jetzt 31 Jahre alt. Wie lange trauen Sie sich noch Tischtennis auf höchstem Niveau zu?
Mengel: „Ich will auf jeden Fall noch viele Jahre auf hohem Niveau spielen. Aber das hängt natürlich von meiner körperlichen Fitness ab. Dafür mache ich sehr viel und ich merke, dass mir das hilft. Seit einem Jahr arbeite ich auch noch mit einem Privattrainer zusammen. Meine Motivation ist immer noch hoch. Ich bin noch nicht satt. Ich habe nach wie vor Ziele, und ich verspüre große Lust, noch einige Jahre zu spielen. Ich bin jetzt 31 und kann mir gut vorstellen, noch bis ,Ende dreißig’ an der Platte zu stehen. Schauen Sie sich Timo Boll oder Bastian Steger an. Die sind beide 38 Jahre alt und spielen immer noch auf einem Top-Niveau.“
Wie lange läuft Ihr Vertrag bei Post SV Mühlhausen noch?
Mengel: „Bis zum Saisonende. Ich würde gerne weiter für Mühlhausen spielen, wenn denn die Voraussetzungen stimmen. Die ersten Gespräche mit dem Verein haben bereits stattgefunden. In den nächsten Tagen werden wir uns erneut zusammensetzen.“
SZ: Gibt es schon Pläne für die Zeit nach der Tischtennis-Karriere?
Mengel: „Stand jetzt noch nicht. Ganz ehrlich: Aktuell bin ich noch zu sehr mit dem Sport beschäftigt. Ich liebe es, Tischtennis zu spielen. Für mich ist es nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Und dieser Leidenschaft möchte ich noch möglichst lange nachgehen. Alles weitere wird sich ergeben.“

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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