Beachvolleyballerin Isabel Schneider
Nur noch "gegen die Wand spielen"

Gegen die Wand spielen - mal mit dem Fuß, mal mit der Hand - alles für die "Touches"....
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  • Gegen die Wand spielen - mal mit dem Fuß, mal mit der Hand - alles für die "Touches"....
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geo Hamburg/Ottfingen. Eigentlich sollte Isabel Schneider jetzt in der Karibik sein und im Urlaubsparadies Cancun schwitzen, baggern, pritschen und schmettern. Eigentlich sollte am Donnerstag der Startschuss fallen für die World-Tour der Beachvolleyballer. Mexiko sollte das Signal aussenden: Olympia, wir greifen an! Aber eigentlich ist nichts mehr so wie vorher.Olympia ist verschoben. Und Isabel Schneider lebt wieder in ihrer Wahlheimat Hamburg. „Wir sind Mitte des Monats aus unserem Trainingslager in Teneriffa nach Deutschland zurückgekehrt und konnten von einem Tag auf den anderen nur noch gegen die Wand spielen!“

"Nicht in ein Loch fallen"

Die Top-Beachvolleyballerin aus Ottfingen, die in Hamburg lebt, am Olympia-Stützpunkt der Hansestadt trainiert und zusammen mit Victoria Bieneck eines der deutschen Nationalteams bildet, muss sich gerade komplett neu sortieren. Getrieben von einem unsichtbaren Virus wird die World Tour derzeit in alle Ozeane weggeschwemmt. Und schlussendlich wurde auch die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio im  nach einem zuvor ziemlich unwürdigen Schauspiel vollzogen.„Damit müssen wir natürlich erst einmal fertig werden. Das war unser großes Ziel, unser Traum, auf den wir jetzt dreieinhalb Jahre jeden Tag hingearbeitet haben. Wir müssen mächtig aufpassen, dass wir jetzt nicht in ein Loch fallen.“ Die ehemalige Deutsche Meisterin und Junioren-Weltmeisterin aus der Gemeinde Wenden hat jedoch den ersten Schock über ihre von 100 auf 0 gefahrene sportliche Situation überwunden. Es geht weiter.

Zwei Major-Turniere schon abgesagt

Zwar sind aktuell nicht nur das 4-Sterne-Turnier im Badeort Cancun, sondern gleich alle Turniere bis Ende Mai „verschoben“, weitere Major-Turniere (Hamburg/Gstaad) zudem bereits abgesagt, doch Isabel Schneider glaubt selbst nicht mehr an eine halbwegs "geordnete" Saison: „Danach wäre Anfang Juni Moskau dran, aber eigentlich darf Russland wegen der internationalen Suspendierung gar keine internationalen Events mehr ausrichten. Danach käme Rom, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ausgerechnet in Italien Mitte Juni wieder Beachvolleyball gespielt wird...“

Zweimal kicken, zweimal pritschen - gegen die Wand

Rückblende: Schneider/Bieneck hatten im vergangenen Herbst ihr Trainerteam neu aufgestellt, um den vielleicht entscheidenden Impuls zu setzen, sich doch noch für Olympia zu qualifizieren, nachdem es in der vergangenen Saison alles andere als rund lief. Immerhin fließen in die Olympia-Qualifikation zwölf Turnier-Ergebnisse ein, und bis zum Meldeschluss gab es noch acht Turniere auf der World Tour zu spielen. Acht Chancen, sich gegen die nationale Konkurrenz zu positionieren.  Mit Frauen-Bundestrainerin Helke Claaßen, dem Stützpunkttrainer Fabian Tobias und natürlich mit Olympiasiegerin Kira Walkenhorst als Coach starteten Bieneck/Schneider in die finale Runde „Olympia-Traum“ – jetzt sind sie erstmal gegen die Wand gelaufen! Das war tatsächlich so, denn in Leverkusen, wo Isabel Schneider mit ihrem Freund zusammen lebt, gab es überhaupt keine Trainingsmöglichkeit mehr. Also musste geübt werden wie Generationen vorher gekickt, geworfen, gebaggert oder gepritscht hatten – einfach gegen die Wand. „Das ist durchaus sinnvoll, um die Grundkoordination zu checken: zweimal mit den Händen, dann mit den Füßen den Ball gegen die Wand – einfach besser als nichts“, erzählte uns Isabel Schneider und schickte uns zur Bestätigung gleich einmal ein Kurzvideo aufs Handy.

Sondererlaubnis am Olympiastützpunkt

Mittlerweile hat sich die Lage der „Beacherin“ aus dem Kreis Olpe rein trainings-technisch erheblich verbessert. Obwohl der Olympiastützpunkt in Hamburg offiziell geschlossen ist, dürfen die Top-Sportler mit Ausnahmegenehmigungen trainieren – allerdings auch nur unter besonderen Bedingungen: Jeweils nur zwei Spielerinnen und ein Trainer/Trainerin dürfen gleichzeitig in der (geschlossenen) Halle üben und spielen. Immerhin. Isabel Schneider: „Es ist jetzt total wichtig, die täglichen Strukturen aufrecht zu erhalten, dass man immer wieder mit einem klaren Plan und motiviert jeden Tag zum Training fährt – auch wenn die Straßen auch hier in Hamburg sehr, sehr leer geworden sind.“

"Unser großer Traum lebt weiter"

Im Moment, so die Ottfingerin, ist aber aufgrund der dramatischen Ereignisse in der Welt der eigene Sport doch sehr in den Hintergrund getreten. „Victoria und ich sind uns absolut einig, dass auch wir Vorbilder sein und Zeichen setzen müssen.“ Deshalb haben die ohnehin auf den sozialen Kanälen aktiven Beachvolleyballerinnen sich auch das ein oder andere einfallen lassen, um ihren eigenen Alltag darzustellen und Tipps und Motivation zu geben, wie man sich auch in Zeiten von Kontaktverboten die Laune und die Motivation auf ein „danach“ erhält.Doch wie sieht das „danach“ aus? Auch Isabel Schneider kann im Moment nur hoffen, dass im Sommer die weltweite Corona-Lage sich ein bisschen beruhigt, und die Beachvolleyball-World-Tour irgendwie noch einmal Fahrt aufnimmt. Isabel Schneider: „Olympia dann erst in einem Jahr – das ist ein Anker für uns, der uns sagt: Unser großer Traum lebt weiter!“

Autor:

Jost-Rainer Georg (Redakteur) aus Siegen

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