SZ

Stabhochspringer nimmt langfristig 6-m-Marke ins Visier
Olympia-Traum lebt bei Torben Blech

Da war die Welt noch in Ordnung: Torben Blech jubelt im Februar 2020 nach seinem Sprung über 5,70 Meter beim Hallen-Meeting in Düsseldorf. Der Gosenbacher hofft, zumindest in der zweiten Jahreshälfte noch ein paar Wettkämpfe bestreiten zu dürfen, nur zu gerne würde er nach erfolgreichen Sprüngen weitere Jubelschreie von sich geben.
  • Da war die Welt noch in Ordnung: Torben Blech jubelt im Februar 2020 nach seinem Sprung über 5,70 Meter beim Hallen-Meeting in Düsseldorf. Der Gosenbacher hofft, zumindest in der zweiten Jahreshälfte noch ein paar Wettkämpfe bestreiten zu dürfen, nur zu gerne würde er nach erfolgreichen Sprüngen weitere Jubelschreie von sich geben.
  • Foto: Wolfgang Birkenstock
  • hochgeladen von René Gerhardus (Redakteur)

rege Gosenbach. Die „Quali“-Norm hatte er schon gemeistert, das Olympia-Ticket somit quasi in der Tasche. Damit war er zugleich der einzige Sportler aus der heimischen Region, der für die Reise nach Tokio bereits Planungssicherheit hatte. Die Betonung liegt natürlich auf dem Wort hatte, denn dann kam „Covid-19“ und der berühmte Strich durch die Rechnung – jedenfalls für dieses Jahr. Mit der lange herausgezögerten Absage durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) platzte (vorerst) auch der Olympia-Traum von Torben Blech.
Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

rege Gosenbach. Die „Quali“-Norm hatte er schon gemeistert, das Olympia-Ticket somit quasi in der Tasche. Damit war er zugleich der einzige Sportler aus der heimischen Region, der für die Reise nach Tokio bereits Planungssicherheit hatte. Die Betonung liegt natürlich auf dem Wort hatte, denn dann kam „Covid-19“ und der berühmte Strich durch die Rechnung – jedenfalls für dieses Jahr. Mit der lange herausgezögerten Absage durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) platzte (vorerst) auch der Olympia-Traum von Torben Blech.
Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Im Gegenteil: Da der 25-Jährige noch zu den Newcomern in der Stabhochsprung-Szene gehört, hat der für Bayer Leverkusen startende Gosenbacher (positiv gesehen) nun ein Jahr mehr Zeit, sich auf den Japan-Trip vorzubereiten und noch näher an die absolute Weltelite heran zu fliegen. Genau das ist auch das Ziel des Psychologie-Studenten, der am 24. Juli beim Bayer-Meeting in seiner Wahlheimat Leverkusen mit übersprungenen 5,80 Metern den „Flug nach Japan“ buchte. Welche Auswirkungen die Corona-Krise auf das sportliche Treiben des heimischen Höhenfliegers bereits hat(te) und noch haben könnte, verriet der SZ-„Sportler des Jahres 2019“ im folgenden Interview:

"Einzig richtige Entscheidung"

SZ: Es ist der Traum eines jeden Sportlers, bei den Olympischen Spielen an den Start zu gehen. Herr Blech, eigentlich hätten Sie im Juli ins Land der aufgehenden Sonne jetten und im olympischen Dorf Quartier beziehen sollen. Daraus wird nun leider nichts. Wie groß ist die Enttäuschung?
Torben Blech: „Die Enttäuschung ist natürlich da. Nachdem ich letztes Jahr die Olympia-Norm gesprungen bin, war die Vorfreude riesig. Dementsprechend groß war zunächst auch die Enttäuschung. Die Entscheidung, die Olympischen Spiele um ein Jahr zu verschieben, ist aber komplett akzeptabel. Wir Sportler stehen hinter dieser Entscheidung. Es wäre moralisch nicht vertretbar, so ein Mega-Event jetzt durchzuziehen, zumal es bis Juli nicht mehr lang hin ist. Menschenmassen im Stadion und Zusammenleben im olympischen Dorf mit Athleten aus aller Welt – das geht auch im Hinblick auf die Gesundheit der Weltbevölkerung momentan gar nicht. Auch der sportlichen Fairness halber war es die einzig richtige Entscheidung, das Event zu verschieben. Die Trainingsbedingungen in den einzelnen Ländern sind derzeit sehr unterschiedlich, und bis Juli wird es keine Wettkämpfe geben. Das sorgt nicht nur für ungleiche Bedingungen bei der Vorbereitung, es fehlt ja auch die Möglichkeit, Qualifikationswettkämpfe zu bestreiten.“

"Habe noch viel Potential"

SZ: Vielleicht kommt Ihnen die Verschiebung ja auch nicht ganz ungelegen. Immerhin haben Sie nur ein Jahr mehr Zeit, noch vorhandene Defizite im technischen Bereich zu minieren und dadurch noch noch näher an die absolute Weltspitze heran zu rücken. Könnte die Verschiebung des größten Sportevents der Welt für Sie deshalb sogar ein Vorteil sein?
Blech: „Man sollte immer positiv nach vorne schauen. So habe ich jetzt ein Jahr mehr Zeit, mich zu entwickeln. Ich bin nach der Spezialisierung auf den Stabhochsprung ja immer noch im Anfangsstadium. Ich kann mich nun ein Jahr länger auf die Olympischen Spiele vorbereiten und sehe das definitiv als Vorteil, denn ich bin noch am Anfang meiner Entwicklung und habe noch viel Potential, vor allem im technischen Bereich. Ich werde mich sicherlich nicht wieder um 30 Zentimeter steigern, und ich werde auch nicht behaupten, dass ich bald 6,20 Meter oder Weltrekord springe, aber 5,90 oder 6 Meter könnten im Laufe der nächsten drei Jahre durchaus drin sein. In diesem Jahr hätte ich mir bei den Olympischen Spiele das Finale, also einen Platz unter den Top 12, zum Ziel gesetzt. Nächstes Jahr kann ich vielleicht schon mit einer anderen Zielsetzung hinfahren, vielleicht ja schon mit einer Top-6-Platzierung, wenn die Entwicklung weiter geht.“

"Notfalls auch ohne Zuschauer"

SZ: Die Wettkampfpläne für das Jahr 2020 mussten sie wie alle anderen Sportler auch komplett über den Haufen werfen. Rechnen Sie überhaupt noch damit, Wettkampfstarts absolvieren zu können? Was könnte an Höhepunkten noch kommen, und welche Ziele haben Sie sich gesetzt für den Fall, dass noch Wettbewerbe ausgetragen werden?
Blech: „Fakt ist, dass die Deutschen Meisterschaften für Juni bereits gecancelt sind. Der Deutsche Leichtathletik-Verband versucht nun, die Titelkämpfe in den August oder September zu verschieben. Ich gehe auch davon aus, dass wir Richtung August/September noch bei ein paar Meetings springen können. Immer nur zu trainieren, ist hart, denn man will sich ja mit den Besten messen. Ich lebe für den Sport, bin gut drauf und will performen. Deshalb hoffe ich, dass dieses Jahr zumindest noch ein paar Wettkämpfe stattfinden. Das steht aber in den Sternen. Notfalls wäre es mir auch egal, wenn die ohne Zuschauer stattfinden. Hauptsache ich kann noch ein paar Erfahrungen sammeln. Über die Europameisterschaften wird noch diskutiert. Die Veranstalter können sich etwas mehr Zeit lassen, weil im Gegensatz zu den Olympischen Spielen nur ein Verband betroffen ist. Die EM wäre noch einmal ein Ziel und besonderer Anreiz zum Ende der Saison. Zu meinen Zielen: Im Winter bin ich zweimal 5,70 Meter gesprungen. Draußen möchte ich die 5,80 Meter auf jeden Fall bestätigen und meine Bestleistung steigern. 5,90 Meter scheinen durchaus realistisch. Dafür gab es im Trainingslager im Dezember einige Anhaltspunkte, und vor der Corona-Krise ging es auch bei den technischen Einheiten schrittweise nach vorn.“

"Man vermisst das Anziehen der Spikes"

SZ: Neben der Wettkampfpraxis fehlt es momentan auch an vernünftigen Trainingsbedingungen? Wie halten sie sich für einen möglichen Saisonstart fit, ist Training mit dem Stab überhaupt möglich?
Blech: „Die letzten vier Wochen gab es keinerlei Zugang zu irgendwelchen Anlagen, weder zur Sporthalle noch zu den Sportplätzen. Seit der Rückkehr aus unserem Trainingslager in Südafrika, das nach fünf Tagen vorzeitig abgebrochen wurde, war die Halle zu. Lediglich in einem privaten Kraftraum konnten wir sporadisch was machen. Ansonsten bestand das Training aus Tempoläufen und Dauerläufen im Wald sowie Stabilisationstraining im Garten. Meine Trainerin hat einen Stab zu Hause. Springen war dort zwar nicht möglich, aber man konnte ihn wenigstens mal in die Hand nehmen und den Absprung simulieren. Seit der Karwoche sind die Leistungsstützpunkte wieder geöffnet. Es gelten aber strenge Regeln, die auch kontrolliert werden. So dürfen immer nur zwei Zweier-Teams in die Halle. Ich bin dann mit meiner Trainerin allein auf der einen Seite, auf der anderen Seite trainiert ein weiteres Zweier-Team. Die Freiluftanlage ist noch nicht aufgebaut. Für das Hallentraining habe ich zwei Termine pro Woche zugewiesen bekommen. In so einer Situation lernt man erst einmal zu schätzen, was die Trainingsbedingungen auf so einer Sportanlage bedeuten. Man vermisst die Anlage, das Anziehen der Spikes und das Losrennen.“

Suche nach dem nötigen Kleingeld

SZ: Der ehemalige Weltrekordler und Olympiasieger von 2012, Renaud Lavillenie, muss auch während der Corona-Pandemie nicht auf seinen Sport verzichten. Der Franzose hat in seinem Garten eine Stabhochsprung-Anlage stehen, die er regelmäßig nutzt und auf der er jetzt 5,61 Meter übersprungen hat. Wäre das nicht auch eine tolle Sache für Sie?
Blech: „Ich sage mal so: Eine Anlage im Garten ist was Schönes. Ich würde irgendwo bei meinen Verwandten sicher auch einen Platz dafür finden. Ich werde aber vermutlich keinen finden, der mir die Anlage bezahlt, und ich selbst kann sie nicht finanzieren. Wenn jemand das nötige Kleingeld über hat, darf er sich gerne bei mir melden. Weltweit gibt es meines Wissens nach nur drei Athleten, die über eine eigene Anlage verfügen und somit etwas besser trainieren konnten.“

Challenges können auch nerven...

SZ: Zudem hat Lavillenie mit der „internationalen Home-Challenge“ einen eigenen Wettbewerb ins Leben gerufen. Haben Sie schon davon gehört bzw. nehmen Sie vielleicht sogar teil?
Blech: „Es gibt momentan viele Challenges bei Instagram und auf anderen digitalen Plattformen – mal mit Klopapierrollen, die jongliert werden müssen, mal mit Sit-Ups, um sich gegenseitig zu pushen. Da machen wir Sportler schon mit. Es geht einem mit der Zeit aber auch etwas auf die Nerven, jeden Tag irgendwas zu posten. Bei der Challenge von Lavillenie wollten sich wohl die Athleten, die eine Stabhochsprunganlage im Garten haben, pushen. Dazu zählt auch der US-Amerikaner Sam Kendricks, ich aber wie gesagt nicht.“

Durch Corona-Pause "nichts verlernt"

SZ: Fühlen Sie sich trotz der alles andere als optimalen Trainingsbedingungen bereit zu neuen Höhenflügen?
Blech: „Auf jeden Fall. Ich habe bei den Winterwettkämpfen vor der Krise gezeigt, dass ich in einer guten Form bin. Auch physisch fühle ich mich fit. Vergangene Woche habe ich bei den ersten Einheiten in der Halle gemerkt, dass ich in der vierwöchigen Pause nichts verlernt habe. Mental habe ich auch Bock zu springen. Ich warte sehnsüchtig darauf, dass die Wettkämpfe los gehen und dass ich zeigen kann, was ich drauf habe und den Sport, den ich liebe, betreiben zu können statt nur zu Hause zu hängen.“

Ohne Meetings kaum Einnahmen

SZ: Neben den sportlichen Duellen fehlt sicher auch der ein oder andere Euro, der durch Wettkampferfolge oder Meetings in die Tasche gekommen wäre. Haben Sie große finanzielle Einbußen zu beklagen oder kommen Sie trotz der Krise gut über die Runden?
Blech: „Gut über die Runden kommen, würde ich das nicht nennen. Das Geld, was ich verdiene, kommt über Meetings und Wettkampferfolge rein. Von der Sporthilfe bekomme ich als Bundeskaderathlet 700 Euro. Die Sporthilfe hat uns auch zugesichert, dass es trotz der Krise dabei bleibt. Der Betrag lag letztes Jahr noch bei 300 Euro. Ich bin froh, dass er nun etwas höher ist. Das Geld reicht zumindest für Wohnung und Verpflegung, auf die Seite legen kann ich aber nichts. Das Geld, das man bei Meetings bekommt, ist Geld, das man für sich braucht, jetzt aber nicht hat. Das ist eine bescheidene Situation, denn leider habe ich auch keine persönlichen Sponsoren. Es ist halt nicht so leicht an Sponsoren zu kommen, erst recht nicht jetzt, wo es keine Wettkämpfe gibt."

Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen