Pro Bundesliga-Neustart
Riskant, aber vertretbar!

Soll der deutsche Profifußball zeitnah wieder mit Geisterspielen loslegen? Da gehen die Meinungen auseinander.
  • Soll der deutsche Profifußball zeitnah wieder mit Geisterspielen loslegen? Da gehen die Meinungen auseinander.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

geo Siegen. Je länger die Corona-Krise andauert, desto dünnhäutiger wird das Nervenkostüm der gestressten Mitmenschen. Verständlich, aber auch ein wahrer Nährboden für Neiddiskussionen. Kontaktsperre für alle – aber die Herren „Millionäre in Stutzen“ dürfen wieder „lostreten“! Ein platter Aufschrei.

Wenn der Fußball – und hier stellvertretend die Deutsche Fußball Liga (DFL), die Auffassung vertritt, dass „Geisterspiele“, die auch ich „doof“ finde (aber was ist derzeit nicht „doof“?) vertretbar seien, weil ein Saisonabbruch beinahe die Hälfte der 36 deutschen Proficlubs in die Insolvenz treibe, dann geht es dabei nicht um schwarz-gelbe oder blau-weiße Fußball-Trauer-Romantik. Es geht um 56 000 Arbeitnehmer, die im Lizenzfußball beschäftigt sind. Niemand käme auf die Idee, der Baubranche das Bauen zu verbieten.

Ein Streitpunkt ist der Plan, die Profi-Kicker vor und nach „Geisterspielen“ engmaschig zu testen, die Rede ist von 20 000 Tests, für deren Kosten der Fußball aufkommt. Der Aufschrei, dass die Fußballer anderen „etwas wegnehmen“, fällt rasch in sich zusammen. Zuletzt wären wöchentlich (!) 640 000 Tests möglich gewesen, durchgeführt wurden nur rund 260 000. Da ist noch viel Luft nach oben.

Geäußert wird gerne die Sorge, dass Fans sich außerhalb der Stadien zum Protestieren und Randalieren treffen könnten. Mal abgesehen davon, dass das derzeit ohnehin schon genauso verboten ist wie die Grillparty im Park, klingt die Androhung der DFL verständlich, bei solchen Übergriffen die Vereine mit Punktverlust zu bestrafen.

Das einzige nicht abzuschwächende Argument gegen den Spielbetrieb ist die individuelle Übertragungs-Gefährdung durch tatsächlichen Körperkontakt beim Spiel. Aber auch jetzt infizieren sich noch täglich Menschen - trotz Kontaktverbotes. Dazu eine allgemeine Überlegung: Jeder Tote ist ein Toter zu viel (übrigens auch bei einer normalen Grippewelle). Aber auch drei Monate nach Ausbruch der Corona-Infektionen hierzulande gelten weniger als 0,2 Prozent aller 82 Millionen Deutschen als infiziert. Der Anteil derer, die klinische Hilfe in Anspruch nehmen, liegt im Promille-Bereich. Gleichwohl wird ein ganzes Land an die Wand gefahren.

Also, es ist riskant, aber vertretbar. Das Leben an sich ist auch riskant.

Kollege Uwe Bauschert vertritt eine andere Meinung. Hier finden Sie den Beitrag "Contra Bundesliga Neustart".

Autor:

Jost-Rainer Georg (Redakteur) aus Siegen

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