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HFC-Retter im SZ-Interview
Schnorrenberg: "Große Erleichterung verspürt"

Hat gut lachen: Der Brachbacher Florian Schnorrenberg führte den Halleschen FC zum Klassenerhalt in der 3. Liga.
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  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Halle. Er kam, sah und rettete den Halleschen FC vor dem Abstieg aus der3. Liga. Florian Schnorrenberg hat seine Mission erfüllt – und zwar mit Bravour. Am vorletzten Spieltag reichte dem Team des Brachbacher Fußballlehrers am Mittwochabend ein 1:1 (1:0) gegen den früheren Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern, um den Liga-Verbleib perfekt zu machen. Durch den Punktgewinn hat der Hallesche FC nunmehr 45 Zähler auf dem Konto – vier Punkte mehr als der Chemnitzer FC, der den ersten Abstiegsplatz belegt.

Schnorrenberg brachte das HFC-Team binnen kürzester Zeit auf Kurs. Als der langjährige Coach des TuS Erndtebrück am 8. Juni das Zepter beim früheren DDR-Oberligisten übernahm, standen die Sachsen-Anhaltiner auf einem Abstiegsplatz. 13 Spiele in Folge (!

ubau Halle. Er kam, sah und rettete den Halleschen FC vor dem Abstieg aus der3. Liga. Florian Schnorrenberg hat seine Mission erfüllt – und zwar mit Bravour. Am vorletzten Spieltag reichte dem Team des Brachbacher Fußballlehrers am Mittwochabend ein 1:1 (1:0) gegen den früheren Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern, um den Liga-Verbleib perfekt zu machen. Durch den Punktgewinn hat der Hallesche FC nunmehr 45 Zähler auf dem Konto – vier Punkte mehr als der Chemnitzer FC, der den ersten Abstiegsplatz belegt.

Schnorrenberg brachte das HFC-Team binnen kürzester Zeit auf Kurs. Als der langjährige Coach des TuS Erndtebrück am 8. Juni das Zepter beim früheren DDR-Oberligisten übernahm, standen die Sachsen-Anhaltiner auf einem Abstiegsplatz. 13 Spiele in Folge (!) hatte Halle zuvor unter den beiden Trainern Torsten Ziegner und Ismail Atalan nicht mehr gewonnen. Doch dann kam Schnorrenberg – und brachte dem HFC den Erfolg zurück. Die SZ sprach mit dem Brachbacher über Glücksgefühle, den Klassenerhalt sowie Verantwortung, Videos und Wäsche.

Herr Schnorrenberg, was ging in Ihnen vor, als die Partie gegen Kaiserslautern abgepfiffen wurde und der Klassenerhalt perfekt war?
Ich habe einfach nur eine große Erleichterung verspürt. Es ist eine Menge Druck abgefallen. Ich bin froh und stolz, dass wir es geschafft haben, die Klasse zu halten – und das sogar noch vor dem letzten Spieltag. Es freut mich für die Jungs, den ganzen Verein und die vielen Fans. Man darf nicht vergessen: Hier ging es auch um eine Menge Arbeitsplätze, die auf dem Spiel standen.
Wie ausgelassen war danach die Klassenerhalt-Party?
Die meisten waren zu müde zum Feiern (lacht). Ich habe mir zwei Bier gegönnt – das waren die ersten, seit ich hier in Halle bin. Gegen 2 Uhr bin ich dann ins Bett gegangen.
Welchen Stellenwert hat der Erfolg für Sie?
Persönliche Dinge schiebe ich in diesem Zusammenhang weit nach hinten. Da kann ich mir in der Sommerpause Gedanken drüber machen, wenn mal wieder etwas Ruhe eingekehrt ist. Jetzt wollen wir erst mal noch das letzte Spiel in Würzburg seriös angehen und die Saison anständig beenden.
Als Sie Ihren Job in Halle antraten, hatte der HFC 13 Spiele in Folge nicht mehr gewonnen und zwei Trainer verschlissen. Die Vorzeichen waren also alles andere als gut.
Das stimmt. Viele haben mir nach meiner Vorstellung als HFC-Trainer geschrieben: Wieso tust Du Dir das an? Zumal auch das Restprogramm es in sich hatte. Aber ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Ich wusste um das Potenzial, das in der Mannschaft steckt. Daher war ich vom ersten Moment an zuversichtlich, dass wir es schaffen werden. Dass wir es nun tatsächlich gepackt haben, macht mich natürlich glücklich.
Erklären Sie uns bitte: Welchen Stellenwert hat der Verein in der Stadt und in der Region?
Einen extrem großen. Das habe ich schon gemerkt, als ich als Gäste-Trainer einmal hier war. Der Fußball ist hier sehr wichtig und das Interesse – vor allem auch das der Medien – entsprechend groß. Der Verein hat eine Menge Tradition, es gibt eine gewachsene Fan-Kultur. Daher spürt man schon die Verantwortung, die man hier als Trainer hat. Aber das spüren natürlich auch die Spieler. In manchen Spielen hat man ihnen schon die Last angemerkt, als wir Führungen abgegeben haben und etwas zu verlieren hatten. Aber die Jungs sind immer wieder zurückgekommen.
Sieben Spiele innerhalb von nur drei Wochen: In Ihrer kurzen Amtszeit als HFC-Trainer ging es Schlag auf Schlag. Was waren die wichtigsten Maßnahmen, um das Team zurück auf den Erfolgspfad zu bringen?
Nun, in erster Linie habe ich viel mit den Spielern gesprochen und versucht, ihnen den Druck zu nehmen. Denn wer mit Angst auf den Platz geht, macht Fehler. Die reinen Trainingsinhalte haben sich angesichts des brutal engen Spielrhythmus reduziert. Wir hatten keine Einheit, die länger als eine Stunde gedauert hat. Was wir in der kurzen Zeit forciert haben, waren Standardsituationen, denn wir haben gute Schützen und groß gewachsene Spieler. Das hat sich in den Spielen auch ausgezahlt. Großen Raum hat die Analyse der eigenen und der gegnerischen Spiele eingenommen. Ich glaube, die Jungs können jetzt keine Videos mehr sehen. Und auch ich, der wirklich unheimlich viele Spiele schaut, werde mir demnächst mal eine Pause gönnen (lacht).
Was war der Schlüssel zum Erfolg?
In erster Linie war es wichtig, dass wir zeitnah Erfolgserlebnisse hatten. Zuerst der Heimsieg gegen Mannheim, die seit über zwei Jahren kein Auswärtsspiel mehr verloren hatten. Dann ist es uns in Meppen gelungen, einen Rückstand in einen Sieg zu drehen. Diese Erfolge haben der Mannschaft den Glauben an die eigene Stärke zurückgegeben. Hinzu kam, dass sich die Tabellensituation von Spieltag zu Spieltag verbessert hat – angefangen von drei Punkten Rückstand zum rettenden Ufer auf zwischenzeitlich fünf Zähler Vorsprung.
Was hat die Mannschaft besonders ausgezeichnet?
Die Jungs haben vom ersten Tag an eine beeindruckende Laufleistung und Willensstärke gezeigt, sie sind über Grenzen gegangen. Ganz wichtig war auch: Das Team hat als Einheit funktioniert, persönliche Dinge wurden ausgeblendet.
Zurück zu Ihnen: Wie geht es für Sie weiter?
Ich habe beim HFC vor etwas mehr als drei Wochen einen Vertrag bis zum 30. Juni 2021 unterschrieben – und zwar in dem Bewusstsein, dass wir es hier schaffen werden. Seit gestern bin ich auch auf Wohnungssuche...
Am Samstag steht noch der letzte Spieltag auf dem Programm. Werden Sie sich danach eine kurze „Auszeit“ vom Fußball gönnen?
Ja, natürlich. Das ist für mich genauso wichtig wie für die Spieler, die nach der intensiven Zeit ihren Körper mal komplett runterfahren sollen. Aber klar ist auch: Ich werde mit unserem Sportdirektor in permanentem Kontakt stehen. Denn das Allerwichtigste ist, eine gute Kaderplanung zu machen, gerade wenn man bedenkt, dass mit Dresden und Wehen Wiesbaden zwei finanzstarke Vereine runterkommen. Wenn die neue Saison Mitte September starten wird, so wie es derzeit geplant ist, dann werden wir Anfang August mit der Vorbereitung loslegen.
Wann geht’s für Sie zurück nach Brachbach?
Ich denke, dass ich am Sonntagabend zu meiner Familie nach Hause fahren werde. Darauf freue ich mich sehr. Denn in den letzten drei Wochen war ich nur zwölf Stunden zu Hause. Das war in der Nacht nach dem Duisburg-Spiel, als ich keine Wäsche mehr hatte... (lacht).

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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