Trainer des Hallescher FC im Interview
Schnorrenberg mahnt: „Nicht so viel träumen“

Florian Schorrenberg fiebert dem Auftaktspiel in der 3. Liga entgegen.

ubau Brachbach/Halle. Wenn am Wochenende die Saison in der 3. Fußball-Liga beginnt, dann tritt auch ein Trainer aus der Region wieder ins Rampenlicht. Der Brachbacher Fußball-Lehrer Florian Schnorrenberg, der seit dem 8. Juni 2020 die sportliche Verantwortung beim Halleschen FC trägt und beim Klub aus der Saalestadt noch bis 2023 unter Vertrag steht, startet mit seinem Team am Samstag (14 Uhr) gegen den SV Meppen in die neue Spielzeit. Jenes Team also, das sportlich schon abgestiegen war und nur durch den Lizenzentzug des KFC Uerdingen dem Sturz in die Regionalliga noch entging. Interessant: Für das Spiel sind 7500 Zuschauer zugelassen, was einer Auslastung von 50 Prozent des Leuna-Chemie-Stadions entspricht. Vor dem Auftaktspiel sprach die SZ mit dem 44-jährigen HFC-Coach über realistische Ziele, seinen Ex-Klub TuS Erndtebrück und die räumliche Trennung von seiner Familie.

Herr Schnorrenberg, eine fünfwöchige, intensive Vorbereitungszeit neigt sich dem Ende entgegen. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Es war vieles gut, aber leider haben wir den ein oder anderen angeschlagenen Spieler zu viel.

In den Testspielen hat Ihr Team überzeugende Leistungen gezeigt. Vor allem mit dem 2:2 bei der Generalprobe gegen den Fast-Bundesliga-Aufsteiger Holstein Kiel ließ der HFC aufhorchen.
Das Spiel gegen Kiel war in der Tat ein echter Härtetest, da sind viele Dinge schon gut gelaufen. Aber in der Vorbereitung gibt es keine Punkte, sondern maximal Selbstvertrauen. Davon dürften meine Spieler aber einiges getankt haben.

Worauf freuen Sie sich in dieser Saison am meisten?
Auf die Rückkehr der Zuschauer. Die Emotionen auf den Rängen haben gefehlt. Die Fans machen die 3. Liga so attraktiv. Ohne Fans macht die Liga nur halb so viel Spaß. Gegen Kiel haben wir vor 2500 Zuschauern gespielt – das war schon ganz besonders. Daher sind wir froh, mit einem Heimspiel in die Saison starten zu dürfen.

In der Abschlusstabelle der vergangenen Saison rangierte der Hallesche FC auf Platz 9 unter 20 Vereinen. Was trauen Sie Ihrer Mannschaft in dieser Spielzeit zu?
Es ist noch zu früh, eine Prognose abzugeben, weil unser Kader noch nicht komplett ist. Wir wollen uns noch auf zwei, drei Positionen verstärken, doch da ist Geduld gefragt. Gelingen uns noch gute Transfers, haben wir ein sehr interessantes Team beisammen. Von den fünf Neuzugängen, die wir bislang verpflichtet haben, kann uns jeder Einzelne weiterhelfen. Ein Vorteil könnte sein, dass wir eingespielter sind als zu Beginn der letzten Saison, als wir zehn neue Spieler integrieren mussten. Viele Abläufe sind nun gefestigter. Priorität hat, dass wir uns in dieser ausgeglichenen Liga schnellstmöglich von den unteren Plätzen absetzen.

Im Umfeld des Vereins wird sogar auf die Aufstiegsplätze geschielt. Ist das realistisch?
Das hängt letztlich von der endgültigen Kaderzusammensetzung ab, aber es ist nicht unser Ansatz, vom Aufstieg zu sprechen. Es gibt andere Mannschaften, die finanziell besser aufgestellt sind als wir. Wir alle tun gut daran, uns in der Realität zu bewegen und nicht so viel zu träumen.

Welche Klubs zählen Sie zum Favoritenkreis?
1860 München, Kaiserslautern, Wehen Wiesbaden, Braunschweig, Türkgücü München traue ich viel zu, und die ein oder andere Überraschungsmannschaft wird es auch geben.

Im Sommer gab es einen Wechsel auf der Manager-Position: Ralf Heskamp ist weg, für ihn kam die Dynamo-Dresden-Legende Ralf Minge. Wie hat sich das auf Ihre Arbeit ausgewirkt?
Die Zusammenarbeit mit Ralf Heskamp war sehr professionell. Ralf Minge bringt unfassbar viel Erfahrung mit – vor allem hat er die nötige Ruhe, was Transfers angeht. Er ist speziell hier im Osten sehr angesehen und hat bei uns eine Aufbruchstimmung entfacht. Die Zusammenarbeit mit ihm macht großen Spaß, weil er so viel über Fußball weiß und schon so viel als Spieler, Trainer oder Manager erlebt hat. Da kann ich eine Menge für mich mitnehmen.

Mit dem beim SV Wehen Wiesbaden spielenden Sascha Mockenhaupt ist ein Spieler aus der heimischen Region in der 3. Liga aktiv. Wie beurteilen Sie ihn?
Sascha ist ein sehr guter Drittliga-Spieler, eine echte Persönlichkeit, die ein Team führen kann.

Bevor Sie in den Profifußball gewechselt sind, waren Sie lange Jahre als Trainer des TuS Erndtebrück tätig. Verfolgen Sie noch die Entwicklung des Vereins?
Natürlich. Mit Abteilungsleiter Dirk Beitzel stehe ich noch in Kontakt. Mit dem ein oder anderen schreibe ich noch. Ich wünsche dem Verein, dass er seine Ziele in dieser Saison erreicht.

Abschließend noch eine private Frage: Sie leben in Halle, Ihre Frau und Ihre zwei Töchter nach wie vor in Brachbach. Wie kommen Sie mit der räumlichen Trennung klar?
Das ist in der Tat eine besondere Situation und für uns alle nicht einfach. Wenn man den ganzen Tag in der Arbeit steckt, ist man abgelenkt. Aber natürlich hätte man die Familie gerne bei sich. Andererseits hat man sich fast schon daran gewöhnt, dass es so ist wie es ist. Ich freue mich jedenfalls sehr, wenn mich meine Familie demnächst in den Ferien besuchen kommt und mal längere Zeit bei mir hier in Halle ist.

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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