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50 Jahre "Tor des Monats"
Schuhens Abschlag für die Ewigkeit

Alles im Griff: Marcel Schuhen stellte im Trikot des 1. FC Köln frühzeitig sein Talent unter Beweis. Im März 2011 zeigte er dann auch noch enorme Schusskraft.
  • Alles im Griff: Marcel Schuhen stellte im Trikot des 1. FC Köln frühzeitig sein Talent unter Beweis. Im März 2011 zeigte er dann auch noch enorme Schusskraft.
  • Foto: imago
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

pm Siegen. Manfred Manglitz war 1967 in der Bundesliga der Erste, Jens Lehmann wurde 1998 für Schalke zum Helden des Revierderbys, der Brasilianer Rogerio Ceni schaffte es in seiner Karriere 131 Mal, Oliver Kahn gelang es nur irregulär mit den Fäusten und Hans-Jörg Butt avancierte 1999/00 sogar zum (geteilten) besten Schützen des Hamburger SV: Fußball-Torhüter, die am anderen Ende des Feldes erfolgreich sind und sich selbst in die Torschützenliste eintragen, sorgen damit automatisch noch Jahre später für Gesprächsstoff. Das geht auch dem Brachbacher Marcel Schuhen so, fast auf den Tag genau zehn Jahre nachdem er im Trikot der U 19 des 1. FC Köln sein bisher einziges Tor (innerhalb der regulären Spielzeit) erzielte und dafür gleich die Medaille als Torschütze des Monats erhielt.

pm Siegen. Manfred Manglitz war 1967 in der Bundesliga der Erste, Jens Lehmann wurde 1998 für Schalke zum Helden des Revierderbys, der Brasilianer Rogerio Ceni schaffte es in seiner Karriere 131 Mal, Oliver Kahn gelang es nur irregulär mit den Fäusten und Hans-Jörg Butt avancierte 1999/00 sogar zum (geteilten) besten Schützen des Hamburger SV: Fußball-Torhüter, die am anderen Ende des Feldes erfolgreich sind und sich selbst in die Torschützenliste eintragen, sorgen damit automatisch noch Jahre später für Gesprächsstoff. Das geht auch dem Brachbacher Marcel Schuhen so, fast auf den Tag genau zehn Jahre nachdem er im Trikot der U 19 des 1. FC Köln sein bisher einziges Tor (innerhalb der regulären Spielzeit) erzielte und dafür gleich die Medaille als Torschütze des Monats erhielt.

Aus 90 Metern ins Glück

Und zwar völlig verdient! Es läuft die Schlussphase in der Partie der „Geißböcke“ gegen die SG Wattenscheid. Der „Effzeh“ führt mit 3:2, die „Ruhrpottler“ werfen alles nach vorne und bei einem Eckball in der 90. Minute stürmt auch Keeper Sven Potrikus mit. „Mein erster Gedanke war, erstmal die Ecke abzufangen und das Spiel so zu beenden“, erinnert sich Marcel Schuhen, heute in Diensten von Zweitligist SV Darmstadt 98.

Der erste Schritt gelingt problemlos. Am Fünfmeterraum pflückt Schuhen die Kugel mühelos herunter. „Dann hatte ich eigentlich vor, auf Zeit zu spielen“, erinnert sich Schuhen, „aber Zwei von uns haben sofort den Laufweg nach vorne gemacht.“ Also Feuer: Mit voller Kraft jagt der damals 18-Jährige die Kugel in die Gegenrichtung. „Ich habe gedacht, ich spiele den Ball in die Mitte, damit beide die Möglichkeit haben, den Ball zu erlaufen“, so der Schlussmann. Aber keine Chance: Das erste Mal titscht das Leder knapp vor dem Gäste-Strafraum auf, das zweite Mal knapp vor dem „Fünfer“, beim dritten Mal liegt die Kugel im Netz.

"Es war nicht meine Absicht"

„Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte. Ich habe einfach dagestanden und alle kamen angerannt, um mir zu gratulieren“, lacht Schuhen über seinen 90-Meter-Treffer zum erlösenden 4:2, um dann ehrlich anzufügen: „Es war nicht meine Absicht, den Ball direkt ins Tor zu schießen. Ich habe einfach versucht, den Ball so fest und sauber wie möglich zu treffen.“

Wie besonders so ein Treffer ist, wurde dem heute 28-Jährigen erst im Nachgang so richtig klar. Weil auch im Nachwuchs des 1. FC Köln Videoanalysen an der Tagesordnung sind, werden alle Partien gefilmt. Die Aufnahme seines Treffers wird der ARD zugespielt, wenig später gewinnt Schuhen die Wahl zum „Tor der Woche“ und schließlich zum „Tor des Monats“ im März 2011.

Bis heute hin und wieder Thema in der Kabine

Die dazugehörige Medaille ist bei seinen Eltern in Brachbach sicher verwahrt. „Ich habe noch ein paar andere schöne Erinnerungsstücke wie die Medaille für die Meisterschaft in der 2. Bundesliga mit dem ,Effzeh’ oder ein paar besondere Trikots, die ich mal getauscht habe. Zu dieser Sammlung gehört die Medaille ganz sicher dazu, denn ich habe mich damals natürlich schon sehr gefreut“, erklärt Schuhen.

Und welchen Stellenwert hat der Treffer im Zwischenfazit seiner Profi-Karriere, die ihn von Köln über Hansa Rostock und den SV Sandhausen nach Darmstadt geführt hat? „Es ist eine schöne Anekdote und wird hin und wieder auch nochmal in der Kabine thematisiert. Insgesamt gibt es aber andere Momente, die für meine Karriere wichtiger waren. Meine eigentliche Aufgabe ist es, Tore zu verhindern und da gibt es auch ein paar wichtige Paraden, an die man sich erinnert.“

Ein Tor zu erzielen ist etwas ganz anderes. Der Jubel, die Unterbrechung und den Anstoß danach, das gibt es nicht, wenn man einen wichtigen Ball hält.
- Marcel Schuhen über den Unterschied zwischen einem Treffer und einer Parade

Das Gefühl unmittelbar nach dem Treffer bleibt aber trotzdem einmalig. Schuhen: „Man kann es nicht mal mit dem Moment vergleichen, wenn man einen Elfmeter hält, denn dann muss man meistens sofort wieder fokussiert sein. Ein Tor zu erzielen ist etwas ganz anderes. Der Jubel, die Unterbrechung und den Anstoß danach, das gehört alles mit dazu und das gibt es nicht, wenn man einen wichtigen Ball hält.“
Ob Marcel Schuhen diese Gefühle noch einmal erleben wird? Fraglich. Dem Großteil seiner Torwart-Kollegen hat der Brachbacher mit diesem unfassbaren Abschlag vor zehn Jahren aber ewig etwas voraus. Ein Tor in der Karriere und gleich das „Tor des Monats“ – mehr geht nicht!

Autor:

Pascal Mlyniec (Redakteur) aus Siegen

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