"Wunder von Darmstadt" am 4. Juni 2005
Sportfreunde Siegen schreiben Vereinsgeschichte

Spieler, Funktionäre und Fans der Sportfr. Siegen ließen ihren Emotionen am 4. Juni 2005 freien Lauf, nachdem das „Wunder von Darmstadt“ vollbracht war. Zu sehen sind hinten stehend Bernd Michel, die 2. Vorsitzenden Kurt Häbel und Klaus Bredebach, dann in rot davor (von links): Torwarttrainer Andreas Koch, Co-Trainer Gerhard Noll, Torwarttrainer Klaus-Peter Woll, 1. Vorsitzender Rolf Steinemann, 2. Vorsitzender Christoph Rothenpieler, Physiotherapeut Gregor Kilian, Marco Stark, Sascha Bäcker, Alexander Ecker, Jens Matthies, Ehrenpräsident Manfred Utsch, Sportlicher Leiter Rolf Bleck, Lars Toborg, Patrick Neumann, Markus Waldrich, Ralf Schmitt, Til Bettenstaedt und Geschäftsstellenmitarbeiter Martin Reimann. Vorne knien oder sitzen (von links): Peter Nemeth, Björn Weikl,
Adnan Masic (ganz vorn), Andreas Nauroth (dahinter), Harri Ylönen (dahinter), Tomas Daumantas, Nils Döring (verdeckt), Robert
Vujevic, Patrick Helmes, Lionel Lord, Cem Islamoglu, Mannschaftsarzt Dr. Ladislav Biro und Trainer Ralf Loose.
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  • Spieler, Funktionäre und Fans der Sportfr. Siegen ließen ihren Emotionen am 4. Juni 2005 freien Lauf, nachdem das „Wunder von Darmstadt“ vollbracht war. Zu sehen sind hinten stehend Bernd Michel, die 2. Vorsitzenden Kurt Häbel und Klaus Bredebach, dann in rot davor (von links): Torwarttrainer Andreas Koch, Co-Trainer Gerhard Noll, Torwarttrainer Klaus-Peter Woll, 1. Vorsitzender Rolf Steinemann, 2. Vorsitzender Christoph Rothenpieler, Physiotherapeut Gregor Kilian, Marco Stark, Sascha Bäcker, Alexander Ecker, Jens Matthies, Ehrenpräsident Manfred Utsch, Sportlicher Leiter Rolf Bleck, Lars Toborg, Patrick Neumann, Markus Waldrich, Ralf Schmitt, Til Bettenstaedt und Geschäftsstellenmitarbeiter Martin Reimann. Vorne knien oder sitzen (von links): Peter Nemeth, Björn Weikl,
    Adnan Masic (ganz vorn), Andreas Nauroth (dahinter), Harri Ylönen (dahinter), Tomas Daumantas, Nils Döring (verdeckt), Robert
    Vujevic, Patrick Helmes, Lionel Lord, Cem Islamoglu, Mannschaftsarzt Dr. Ladislav Biro und Trainer Ralf Loose.
  • Foto: kalle
  • hochgeladen von René Gerhardus (Redakteur)

rege Siegen. Wenn dem SZ-Sportchef beim morgendlichen Zähneputzen am Tag danach Tränen in den Augen stehen, wenn der Pfarrer der Siegener St. Josefs-Kirchengemeinde mit den Glocken an einem gewöhnlichen Samstagabend ein mehrminütiges Festgeläut erklingen lässt, wenn Fans eine Taxifahrt nach Siegen 210 Euro wert ist, wenn die Ankunft eines Sonderzuges am Siegener Bahnhof bejubelt wird, und wenn der ins Stadion am Böllenfalltor geschmuggelte Gerstensaft aus Krombach in Strömen fließt, dann muss ein ganz besonderer Tag sein. Eben jener Tag ist inzwischen 15 Jahre her – und alle Siegerländer, die sich für Fußball interessieren und im Jahr 2005 nicht mehr in den Windeln steckten, wissen es längst: Man schrieb den 4. Juni 2005, als die Sportfr. Siegen das „Wunder von Darmstadt“ vollbrachten, mit dem erstmaligen (und bisher einzigen) Aufstieg in die 2. Bundesliga Vereinsgeschichte schrieben und ihren größten Triumph neben dem Gewinn der Deutschen Amateur-Fußball-Meisterschaft im Jahr 1955 feierten. Zwei Tage lang waren die Sportfreunde-Fans außer Rand und Band, die Krönchenstadt im Ausnahmezustand.

Ausgangslage war alles andere als gut

Zu erwarten war dies vor jenem letzten Spieltag der Regionalliga Süd nicht unbedingt, denn die Ausgangslage war für die Kicker aus dem Leimbachtal alles andere als gut. Spitzenreiter Kickers Offenbach hatte vor dem Saisonfinale schon 64 Punkte gesammelt und damit drei Zähler mehr auf dem Konto als die punktgleichen Hauptverfolger FC Augsburg (61) und Sportfr. Siegen. Der Elf vom Bieberer Berg hätte somit bereits ein Unentschieden im Auswärtsspiel beim Tabellenvorletzten FSV Mainz 05 2. gereicht, um den Titelgewinn unter Dach und Fach zu bringen. Die Kickers lösten ihre Pflichtaufgabe bei dem Absteiger mit einem 1:0-Sieg. Da die Augsburger das bessere Torverhältnis hatten als die Siegerländer, am 34. Spieltag Heimrecht genossen und gegen den als Tabellenneunten angereisten SSV Jahn Regensburg vor einer lösbaren Aufgabe standen, deutete vieles darauf hin, dass der zweite Aufsteiger aus der Fuggerstadt kommen würde. Die Sportfreunde standen unterdessen mit dem Auswärtsspiel beim Tabellenfünften SV 98 Darmstadt vor der vom Papier her deutlich schwereren Herausforderung.

FC Augsburg gibt Führung aus der Hand

Der Kampf um den zweiten Aufstiegsplatz war nichts für schwache Nerven. Während die Siegener sich am altehrwürdigen Böllenfalltor zu einem 3:2-Sieg zitterten, gab der FCA vor 27 000 zunächst euphorischen, später geschockten Fans gegen die Jahner eine 1:0-Führung aus der Hand, in der Nachspielzeit kassierten die bayrischen Schwaben gar noch das 1:2.

"Siegerland! Siegerland! Siegerland!"

Als der Abpfiff im Rosenaustadion ertönte, brachen in Darmstadt die Dämme. Fast 3000 Siegerländer gerieten im Stadion am Böllenfalltor nach dem dramatischen Aufstiegskrimi von Glückshormonen überflutet schier aus dem Häuschen. Die Spieler kletterten auf den Absperrzaun und skandierten die neue, so einfache, „Nationalhymne“ der gesamten Region: „Siegerland! Siegerland! Siegerland!“ Ein Schlachtruf, der am gleichen Abend und dem darauf folgenden Sonntag noch tausendfach durch die Siegerländer Haubergsluft und die Siegener Kneipen schallen sollte.

Große Aufstiegsfeier auf dem Schlossplatz

Nicht nur am Ort des großen Triumphes im Süden Hessens ging bei den Feierlichkeiten die Post ab, auch in der Heimat nahm die Aufstiegsparty im wahrsten Sinne des Wortes Fahrt auf. „Die Siegener Innenstadt verwandelte sich in eine ,Piazza’ hupender Autos – und das ging die nächsten vier Stunden weiter so“, schilderte die SZ den Beginn der Jubelorgie rund um Henner, Frieder und Kochs Ecke. Diese fand im Leimbachstadion ihre Fortsetzung. Als der Mannschaftsbus gegen 20 Uhr vor der heimischen Arena einrollte, kletterten die Spieler durch die Dachluke auf das Busdach und hüpften und tanzten immer noch außer sich vor Freude. Rund 8000 Menschen erwiesen den „Aufstiegshelden“ noch am Abend die Ehre, noch mehr waren es am darauffolgenden Sonntag beim Autokorso von Siegen nach Krombach und zurück sowie bei der großen Aufstiegsfeier auf dem Schlossplatz, den erneut tausende von SFS-Fans im rot-weißen Freudentaumel versinken ließen. Adrenalin und Emotionen pur. „Jaaaaaaaaaa! Wir sind 2. Liga! Es ist vollbracht! Das Unfassbare, das schier Unglaubliche ist eingetreten: Sportfr. Siegen spielt in der 2. Bundesliga!“ titelte Ressortleiter Jost-Rainer Georg auf der ersten Sport-Seite der SZ vom 6. Juni 2005.

Trainer Loose der "Vater des Erfolgs"

Als „Vater des Erfolgs“ feierten die Anhänger Trainer Ralf Loose. Der ehemalige BVB-Profi hatte aus dem eigentlichen „Doppel-Absteiger“ – die sportlich zweimal in Folge abgestiegenen Sportfreunde hatten in den Spielzeiten 2002/03 und 2003/04 jeweils von Lizenzentzügen profitiert – einen Sensationsaufsteiger geformt. Großen Anteil an dem Aufstiegscoup hatte der spätere Nationalstürmer Patrick Helmes, der mit 21 Treffern die Torjägerkrone holte und sich als Torschützenkönig der Regionalliga Süd ins nationale Rampenlicht schoss. Nicht zu vergessen Torhüter Adnan Masic, der sich nicht nur als „Elfmeterkiller“ einen Namen machte, sondern mit unglaublichen Paraden dazu beitrug, dass das Magolves-Team sage und schreibe 14-mal zu Null spielte und in 34 Partien gerade einmal 29 Gegentore kassierte. Weder im Süden noch im Norden gab es in der Regionalliga-Saison 2004/05 einen Keeper, der seltener hinter sich greifen musste.
Abseits des Platzes hatten Ehrenpräsident und Mäzen Manfred Utsch sowie die Sportliche Leitung mit Rolf Bleck als Sportlichem Leiter den Weg in neue Fußball-Sphären geebnet. Seit dem 4. Juni 2005, 16.22 Uhr, war klar: In der Saison 2005/06 werden die Gegner nicht mehr SpVg Elversberg, SC Feucht und SC Pfullendorf heißen, sondern der VfL 48 Bochum, der SC Freiburg und Hansa Rostock werden werden ihre Visitenkarte im Leimbachstadion abgeben. Dem „Wunder von Darmstadt“ sei Dank! 15 Jahre ist das erst her, und doch schon so weit weg. Waren das noch Zeiten ...

Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

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