Horst Gaumann feierte 90. Geburtstag
Sportlicher Ehrgeiz ließ "keine Zeit zur Heirat"

Eine eindrucksvolle Zeitstudie: Horst Gaumann (mit Lorbeerkranz) und sein Vater (vorne rechts) im festlichen Zug durch Niederschelden zur Ehre des Meisters im Deutschen Zehnkampf Ende Juli 1958.
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  • Eine eindrucksvolle Zeitstudie: Horst Gaumann (mit Lorbeerkranz) und sein Vater (vorne rechts) im festlichen Zug durch Niederschelden zur Ehre des Meisters im Deutschen Zehnkampf Ende Juli 1958.
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krup Niederschelderhütte. Mit Horst Gaumann feierte dieser Tage ein herausragender Sportler des Siegerlandes seinen 90. Geburtstag. Er wurde in den 1950er Jahren im Trikot des TV Niederschelden gleich vier Mal Deutscher Meister im Deutschen Zwölfkampf bzw. Zehnkampf. Dies war eine Kombination aus turnerischen und leichtathletischen Übungen, die ein sehr komplexes Training und eine äußerst vielseitige sportliche Begabung erforderte. „Das war in der Tat eine äußerst anspruchsvolle Kombination, die sehr viel Trainingsfleiß erfordert hat – da hatte man ja für andere Dinge keine Zeit, auch nicht fürs Heiraten“, bestätigte der gebürtige Eiserfelder im Gespräch mit der Siegener Zeitung schmunzelnd.

"Ein überragender Leichtathlet"

„Horst war vor allem ein überragender Leichtathlet“, erinnert sich sein langjähriger Sportkamerad Werner Narres (83), der aus Niederschelderhütte stammt und jetzt in Gosenbach lebt. Im Turnen war Narres sogar noch etwas stärker, doch in den leichtathletischen Disziplinen sicherte sich Gaumann in den 1950er Jahren seine herausragende Stellung. „Das hat er jeden Tag trainiert, mit vorbildlichem Kampfgeist und Leistungswillen“, so Narres.
Was manchem Sportler scheinbar leicht in den Schoß fiel, musste sich Horst Gaumann zäh und unverdrossen erarbeiten – und genau dies tat er auch. Dafür waren seine Erfolge umso nachhaltiger. So errang er 1955, 1956, 1957 und 1958 vier Mal in Folge den Titel des Deutschen Meisters im Deutschen Zwölfkampf bzw. Zehnkampf. Dieser bestand aus neun Geräteübungen und drei leichtathletischen Disziplinen und setzte sich wie folgt zusammen: Reckturnen, Barren, Längspferd (jeweils Kür und Pflicht), Bodenturnen (Kür), Ringe hängend, Ringe schwingend (beides Pflicht), 100-m-Lauf, Weitsprung und Kugelstoßen. Es gab auch eine „7:5-Kombination“, später wurde ein Zehnkampf mit jeweils fünf Disziplinen daraus: Ringe, Barren, Reck, Sprung und Bodenturnen sowie 100-m-Lauf, Kugelstoß, Weitsprung, Hochsprung und Schleuderballwurf.

Schleuderball flog hin und her...

Gerade für die letztgenannte leichtathletische Disziplin war ein Trainingspartner von großem Vorteil – den Schleuderball nach jedem Wurf zurückzuholen, hätte wohl mehr als nur die berühmten „Siebenmeilenstiefel“ erfordert und hätte auf Dauer auch ziemlich genervt. „Ich habe mit Horst zusammen Schleuderballwurf auf dem Rosengarten-Sportplatz trainiert, habe ihm die Bälle immer zurückgeworfen – so kam ich mit der Zeit auch auf die stattliche Weite von 60 Metern“, schmunzelt Werner Narres ob dieser „Win-win-Situation“ in den späten 50er Jahren.
„Horst und mich verbindet seit vielen Jahren eine wertvolle Freundschaft, mit ihm konnte ich stets durch dick und dünn gehen. Immer, wenn man Horst um Hilfe gebeten hat, war er sofort zur Stelle. So hat er mich zum Beispiel, als ich selbst noch kein Auto hatte, zu Wettkämpfen gefahren“, erläutert Werner Narres, der Gaumann dafür in späteren Jahren auch schon mal in den Urlaub an der Mosel mitnahm. „Werner und ich haben sehr gut zusammengearbeitet“, bestätigt der Jubilar.

Titel von 1958 wog besonders schwer

Horst Gaumanns Meistertitel von 1958 wog besonders schwer, da dieser Zehnkampf im Rahmen des Deutschen Turnfestes in München stattfand – und der Meister im Deutschen Zehnkampf somit zugleich Turnfest-Sieger wurde. „Größer als Deutscher Meister zu sein, heißt Deutscher Turnfestsieger zu sein“, merkte dazu der damalige Vorsitzende des Siegerland-Turngaus, Wilhelm Hohlsiepe, an und unterstrich damit den immensen Stellenwert von nationalen Turnfesten. „Ich wollte dort unbedingt gewinnen, denn die Teilnahme an Deutschen Turnfesten waren für mich immer sehr wichtig“, streicht Gaumann die Bedeutung heraus.
Ein Jahr nach seinem größten sportlichen Triumph wurde der Athlet vom TV Niederschelden vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss in einer Feierstunde in Bonn mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet – ein weiterer Höhepunkt in seinem Leben.
Sportlich betrachtet war Jürgen Uhr der „Nachfolger“ von Horst Gaumann. Dieser schätzte vor allem gute Mehrkämpfer mit einer starken Affinität zur Leichtathletik, und ein solcher war der Neunkirchener, der daher entsprechendes Ansehen bei Horst Gaumann genoss. Jürgen Uhr stammt aus Salchendorf, trat dann dem TV Niederschelden bei und war Trainingsschüler von Gaumann, vor allem im Mehrkampf. Jürgen Uhr wäre 1963 in Essen um ein Haar der nächste Siegerländer Turnfestsieger geworden, verpasste aber den Triumph im Zehnkampf nur ganz knapp.

Eckhardt: "Ein absolutes Vorbild"

„Horst Gaumann war für uns jüngere Turner auf Grund seiner Einstellung ein absolutes Vorbild und ein sehr respektierter Mann, zu dem man aufschaute“, erinnert sich Horst-Walter Eckhardt (70), prägendes Vorstandsmitglied der Siegerländer Kunstturn-Vereinigung (SKV), an persönliche Begegnungen mit dem Jubilar, der in seinem nun 91. Lebensjahr leider gesundheitliche Probleme hat. „Ich bin aber froh, dass ich mich noch bewegen kann. Mir tut zwar alles weh, aber ich weiß ja genau, woher die Schmerzen kommen, von der vielen sportlichen Betätigung. Aber in diesem Sinne geht es eben immer weiter“, so der Jubilar.

Eine eindrucksvolle Zeitstudie: Horst Gaumann (mit Lorbeerkranz) und sein Vater (vorne rechts) im festlichen Zug durch Niederschelden zur Ehre des Meisters im Deutschen Zehnkampf Ende Juli 1958.
Ein schneidiger Bursche: Horst Gaumann bei seinem Triumph als Deutscher Zwölfkampf-Meister 1955 in Karlsruhe.
Autor:

Frank Kruppa (Redakteur) aus Siegen

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