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Fußball-Profi Selim Gündüz ist vereinslos
Stehaufmännchen auf der Suche

Winterjacke statt Trikot: Beim Halleschen FC spielte Selim Gündüz zuletzt keine Rolle mehr.
  • Winterjacke statt Trikot: Beim Halleschen FC spielte Selim Gündüz zuletzt keine Rolle mehr.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

pm Deuz. Rund sechseinhalb Jahre ist es her, da sorgte ein in Siegen geborenes Talent in der 2. Fußball-Bundesliga für Furore. Der damals 20 Jahre junge Selim Gündüz hatte trotz zweier Kreuzbandrisse den Sprung aus der Jugend des VfL Bochum in den Profikader geschafft. Durch Kampfgeist und Leidenschaft wurde er schnell zum Publikumsliebling und spielte sich in den Fokus mehrerer Erstligisten. Bayer Leverkusen war interessiert, mit den Verantwortlichen des FC Schalke 04 gab es sogar ein Treffen. Zeitsprung: Im Frühjahr 2021 ist vom einstigen Hype um den heute 26-Jährigen nichts mehr zu spüren. Gündüz ist vereinslos und muss seinen nächsten Schritt genau abwägen, um nach schwierigen Jahren wieder positive Schlagzeilen zu schreiben.

pm Deuz. Rund sechseinhalb Jahre ist es her, da sorgte ein in Siegen geborenes Talent in der 2. Fußball-Bundesliga für Furore. Der damals 20 Jahre junge Selim Gündüz hatte trotz zweier Kreuzbandrisse den Sprung aus der Jugend des VfL Bochum in den Profikader geschafft. Durch Kampfgeist und Leidenschaft wurde er schnell zum Publikumsliebling und spielte sich in den Fokus mehrerer Erstligisten. Bayer Leverkusen war interessiert, mit den Verantwortlichen des FC Schalke 04 gab es sogar ein Treffen. Zeitsprung: Im Frühjahr 2021 ist vom einstigen Hype um den heute 26-Jährigen nichts mehr zu spüren. Gündüz ist vereinslos und muss seinen nächsten Schritt genau abwägen, um nach schwierigen Jahren wieder positive Schlagzeilen zu schreiben.

Bittere Stationen in Darmstadt und Uerdingen

Die Kurzfassung: Nach seinem Zweitliga-Debüt 2014 glänzte Gündüz in Bochum mit starken Leistungen, wurde aber auch immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Irgendwann überwogen die Rückschläge, kurz vor Ende des Sommertransferfensters 2018 verabschiedete sich der Deutsch-Türke leise von seinem Jugendverein und schloss sich Ligarivale SV Darmstadt 98 an. Dann wurde es richtig bitter. Bei seinem Debüt für die „Lilien“, ausgerechnet in Bochum, zog er sich nach wenigen Minuten seinen dritten Kreuzbandriss zu. Es war der erste und letzte Einsatz für die Hessen.

Drittligist KFC Uerdingen bot 2019/20 die Chance auf einen Neuanfang, doch nach zehn Einsätzen an den ersten elf Spieltagen und einem starken Auftritt im DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund geriet Gündüz unter Neu-Coach Daniel Steuernagel aufs Abstellgleis. Von Oktober bis Juli stand er nicht mehr im Kader, durfte zeitweise nicht einmal mit dem Team trainieren. „Erst war ich noch der gefeierte Held, der schnell verlängern sollte. Dann saß ich auf einmal auf der Tribüne. So ist das im Fußball“, sagt Gündüz rückblickend. Sein Vertrag lief aus, bei Ex-Coach Peter Neururer hielt er sich im Camp für vertragslose Profifußballer fit, ehe der Hallesche FC anklopfte.

„Ich war als Leistungsträger eingeplant“

„Ich war als Leistungsträger eingeplant“, blickt Gündüz zurück, doch es kam anders. Mit muskulären Problemen verpasste er die ersten drei Partien, bei seinem 17-minütigen Debüt am vierten Spieltag sah er binnen weniger Sekunden Gelb-Rot. Im November folgten zwei Kurzeinsätze und sein Startelfdebüt. Ausgerechnet im Duell mit Ex-Arbeitgeber Uerdingen, gegen den er in einem Interview harte Worte gefunden hatte, durfte er von Beginn an ran, wurde aber zur Pause ausgewechselt.

Danach war schon wieder Schluss, im Aufgebot des Brachbacher Trainers Florian Schnorrenberg tauchte er nicht mehr auf. Schon im Winter hatte er die Freigabe, Mitte März wurde der Vertrag endgültig aufgelöst – aus privaten Gründen, so Gündüz. „Meine familiäre Situation ist im Moment nicht einfach. Da hat es höchste Priorität, zusammenzuhalten“, erklärt der 26-Jährige, der nach Deuz zurückgekehrt ist. „Wir sind im Guten auseinander gegangen“, sagt Ex-Coach Schnorrenberg, der seinem ehemaligen Schützling wünscht, im Sommer eine neue Herausforderung angehen zu können.

Auch Ausland ist eine Option

Genau darauf liegt jetzt der Fokus des Deutsch-Türken. Gündüz pendelt dieser Tage zwischen Siegerland und Bochum, wo er mit einem Personaltrainer, der schon Julian Draxler und Sturm-Legende Raúl betreute, an seiner Fitness arbeitet. „Dafür bin ich mir auch nicht zu schade, in die Tasche zu greifen“, so Gündüz. Der physische Zustand kann für den nächsten Karriereschritt entscheidend sein, an seinen fußballerischen Fähigkeiten hegt der 26-Jährige ohnehin keine Zweifel.

„Qualität ist nicht von heute auf morgen weg. Ich bin überzeugt, dass ich jeder Mannschaft helfen kann. Ich bin fit, traue mir noch einiges zu und bin im besten Fußballalter“, zeigt sich Gündüz selbstbewusst. Für die nächste Saison wolle er alle Optionen abwägen, neben deutschen Vereinen kämen auch Erstligisten aus Österreich, der Schweiz, der Niederlande, Belgien oder der Türkei in Frage. „Das Gesamtpaket muss stimmen“, erklärt der vielseitig einsetzbare Rechtsfuß.

Kämpferherz macht Hoffnung

Seine Erfahrungen aus der Vergangenheit erachtet er für die Zukunft als besonders wertvoll. „Ich kenne beide Seiten des Fußballgeschäfts, die guten und die schlechten. Die Welt ist da sehr schnelllebig, es kann auch sehr schnell wieder aufwärts gehen“, so Gündüz. Einen Gedanken an ein Ende seiner Profi-Karriere hat er deshalb noch nicht verschwendet. „Ich komme als Spieler über den Ehrgeiz und den Willen. Das zeichnet mich aus und treibt mich weiter an“, beschreibt der Deutsch-Türke seine Stärken.

„Ein Kämpferherz hat er in sich“, weiß auch Ex-Coach Florian Schnorrenberg. Ein Kämpferherz, das durch viele Verletzungen und noch mehr Rückschläge auf die Probe gestellt wurde. Ein Kämpferherz, das ihn aber erst dahin gebracht hat, wo Selim Gündüz einmal war. Und ein Kämpferherz, das dem 26-Jährigen zum zweiten Karriere-Frühling verhelfen soll. Das Stehaufmännchen aus Deuz ist noch lange nicht umgefallen

Autor:

Pascal Mlyniec (Redakteur) aus Siegen

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