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Schwierige Verhandlungen zwischen Sportfreunde Siegen und 1. FC Kaan-Marienborn
„Suchen nicht die erstbeste, sondern die beste Lösung“

Auf der Suche nach der besten Lösung für die Sportfreunde: Frank Weber (l.) und Roland Schöler.
  • Auf der Suche nach der besten Lösung für die Sportfreunde: Frank Weber (l.) und Roland Schöler.
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  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Siegen. Die Nachricht schlug Anfang Oktober des vergangenen Jahres ein wie eine „Bombe“: Manfred Utsch, der langjährige Mäzen, Präsident und heutige Ehrenpräsident der Sportfreunde Siegen, und Christoph Thoma, der Hauptgeldgeber des 1. FC Kaan-Marienborn, planen einen neuen Fußball-Klub im Siegerland, der das „Flaggschiff“ der Region werden soll. Die Vision der einstigen Widersacher: ein gemeinsamer Verein, gebildet aus den beiden Oberligisten Sportfreunde Siegen und 1. FC Kaan-Marienborn, der an erfolgreiche(re) Zeiten anknüpfen soll. Die Kernbotschaft der beiden heimischen Wirtschaftsgrößen: „Wir müssen unsere Kräfte bündeln. Wir wissen, dass wir nur gemeinsam zukunftsfähig sind und eine Chance auf sportlichen Erfolg haben. Es ist der einzige Weg, um wirtschaftlich zu überleben.

ubau Siegen. Die Nachricht schlug Anfang Oktober des vergangenen Jahres ein wie eine „Bombe“: Manfred Utsch, der langjährige Mäzen, Präsident und heutige Ehrenpräsident der Sportfreunde Siegen, und Christoph Thoma, der Hauptgeldgeber des 1. FC Kaan-Marienborn, planen einen neuen Fußball-Klub im Siegerland, der das „Flaggschiff“ der Region werden soll. Die Vision der einstigen Widersacher: ein gemeinsamer Verein, gebildet aus den beiden Oberligisten Sportfreunde Siegen und 1. FC Kaan-Marienborn, der an erfolgreiche(re) Zeiten anknüpfen soll. Die Kernbotschaft der beiden heimischen Wirtschaftsgrößen: „Wir müssen unsere Kräfte bündeln. Wir wissen, dass wir nur gemeinsam zukunftsfähig sind und eine Chance auf sportlichen Erfolg haben. Es ist der einzige Weg, um wirtschaftlich zu überleben.“
Die Hoffnung auf höherklassigen Fußball in der Region war (und ist) groß. Aber die anfängliche Euphorie ist ein wenig verflogen. In den Gesprächen zwischen den Verantwortlichen der Sportfreunde Siegen und des 1. FC Kaan-Marienborn konnte bislang noch kein Durchbruch erzielt werden. Wichtige Fragen sind noch offen. Droht das „Projekt“ zu scheitern? Die SZ sprach mit Roland Schöler, dem
Vorsitzenden der Sportfreunde, und seinem Stellvertreter Frank Weber.

Täuscht der Eindruck oder sind die Gespräche zwischen den Vorständen der Sportfreunde Siegen und des 1. FC Kaan-Marienborn tatsächlich ins Stocken geraten?
Roland Schöler: Dem ist so. Das letzte Gespräch hat im November stattgefunden.

Warum ist seitdem so viel Zeit ins Land gegangen?
Schöler: Es standen Forderungen im Raum, für die wir auf unserer Mitgliederversammlung keine Mehrheiten bekommen würden. Wir haben viele Zuschriften erhalten und zahlreiche Gespräche mit Mitgliedern, Sponsoren und Ältestenrat geführt, sodass wir ein ziemlich fundiertes Bild der Gemütslage der einzelnen Gruppen in unserem Verein haben. Und die müssen wir alle mitnehmen, zumindest die Allermeisten. Und so wie es sich jetzt darstellt, würde uns das nicht gelingen, und wir könnten es auch nicht guten Gewissens vertreten.

Schöler: "Wir wollen und werden unsere Identität nicht aufgeben"

Wie ist die generelle Haltung innerhalb des SFS-Vorstandes zur geplanten „Fußball-Ehe“ mit dem 1. FC Kaan-Marienborn?
Schöler: Eines vorweg: Jeder möchte hier einen starken Fußballverein mit ambitionierten sportlichen Zielen haben. Dafür braucht man finanzielle Unterstützung, das ist klar. Aber es kommt darauf an, wie hoch das Risiko ist, das man eingeht. Was gebe ich dafür auf? So wie die Karten momentan liegen, ist das Risiko viel zu hoch. Denn wir wollen und werden unsere Identität nicht aufgeben.

Sie spielen darauf an, dass die Sportfreunde deutlich mehr zu verlieren haben als Kaan...
Schöler: Natürlich. Der frühere Vorsitzende des 1. FC Kaan-Marienborn und mittlerweile leider verstorbene Manfred Leipold hat mal zu mir gesagt: Sportfreunde Siegen ist ein Verein, Kaan eine bezahlte erste Mannschaft. Wir sind ein Verein, der für die Region da ist. Wir haben elf Jugend- und drei Seniorenmannschaften sowie rund 50 ausgebildete Trainer und Betreuer. Wir sind stolz auf eine seit Jahrzehnten begründete Erfolgsstory im Jugendfußball. Unser Kapital ist in der Jugend gebunden. Und mein Standpunkt ist: Jugend kann man nicht kaufen. Mittlerweile profitiert auch der Seniorenfußball davon. Dieser Durchfluss war über Jahre nicht gegeben. Was ich mit allem sagen möchte: Die Sportfreunde sind kein Projekt, sondern ein Verein. Ein Verein, der gelebt wird, der Werte vermitteln möchte, der soziale Aktionen startet. Denken Sie in diesem Zusammenhang nur an das Weihnachtssingen hier im Leimbachstadion.

Schöler: "Wir wollen kein Mäzenatentum mehr"

Aber ist die Kooperation mit Kaan nicht allein schon aus finanziellen Gründen ein Muss für die Sportfreunde, um auf absehbare Zeit wieder höherklassigen Fußball zu spielen?
Schöler: Das sehe ich nicht so. Die Frage ist diesbezüglich ja immer der Zeitpunkt. Wir können heute sicherlich keinen Regionalliga-Kader finanzieren. Aber ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Mittelfristig trauen wir uns den Aufstieg in die Regionalliga durchaus selbst zu. Aber um eins ganz klar zu sagen – und da hilft uns Kaan alleine nicht weiter: Wenn wir die A- und B-Jugend in die Bundesliga führen wollen, die Frauen in die 2. Bundesliga und die Männer in die Regionalliga und höher, dann brauchen wir locker das dreifache Budget des Gesamtvereins, das wir heute haben (rund 700 000 Euro, Anm.d.Red.). Das heißt: Wir brauchen eine ganz breite Basis an Sponsoren, unabhängig von einzelnen Personen. Wir wollen kein Mäzenatentum mehr. Das ist seit langem unser Credo.
Frank Weber: Und eines muss man doch auch ganz klar sagen: Wenn wir von der 3. Liga sprechen, dann reden wir von noch ganz anderen Beträgen. Dafür sind auf Sicht etliche Millionen notwendig.

Weber: "Wir haben massiv an der Kostenschraube gedreht"

Wie ist es um die finanzielle Situation der Sportfreunde bestellt?
Weber: Wir sind finanziell auf einem guten Weg. Wir machen zwar kleine Schritte, aber die Richtung stimmt. Sicher ist: Wir gehen mit einem positiven Ergebnis in die neue Saison. Das liegt im Wesentlichen daran, dass wir auch nach der Insolvenz massiv an der Kostenschraube gedreht haben und es uns gleichzeitig gelungen ist, die Einnahmen zu erhöhen. In diesem Zusammenhang ist auch die Sportfreunde-Community ein wichtiger Faktor. Die Leute helfen überall mit.
Zugute kam dem Verein auch, dass man Corona-bedingt Kurzarbeitergeld ausgezahlt bekam...
Weber: Natürlich. Aber bitte: Das ist doch unser gutes Recht. Mit Ausnahme von einigen wenigen, sind bei uns alle Spieler sozialversichert. Wir bezahlen die Abgaben, was unsere Kosten ganz gewaltig erhöht. In einer derartigen Situation ist es daher völlig legitim, dass man so etwas beantragt. Da ist überhaupt nichts Anrüchiges dran.

Schöler: "Die beste Lösung kann nur eine ganz breite regionale Basis an Unterstützern sein"

Zurück zu den Gesprächen mit Kaan: In der Öffentlichkeit entstand zuletzt der Eindruck, der SFS-Vorstand sei der „Bremser“. Was antworten Sie darauf?
Schöler: Wir sind nicht die „Bremser“. Natürlich sehnen auch wir uns nach höherklassigem Fußball. Uns bricht es doch das Herz, wenn wir hier nur vor 500 Zuschauern spielen. Aber in erster Linie geht es doch für uns als Vorstand darum, den Verein Sportfreunde Siegen in eine gesunde Zukunft zu führen. Das ist unsere Verantwortung. Jetzt ist die Frage: Wie schafft man das am besten? Alleine, mit Kaan oder getragen von einer breiten Basis? Dieses Risiko müssen wir abschätzen.
Weber: Wir suchen nicht nach der erstbesten, sondern nach besten der Lösung.
Schöler: Und die beste Lösung kann nur eine ganz breite regionale Basis an Unterstützern sein. Da gehören viele Akteure zu, beispielsweise auch die Stadt Siegen. Und wenn das gelingt, dann gibt’s hier einen Knall, dann geht es auch nach vorne. Sportfreunde Siegen steht für „Zusammen voran“. Wenn das die Maxime aller ist oder wird, dann werden wir alle wieder Großes in unserer Region und Stadt erleben – im Sport wie auch im Leben.

Drei große Knackpunkte

Was sind die größten Knackpunkte in den Verhandlungen mit Kaan?
Schöler: Der Spielort, der Vereinsname und – ganz entscheidend – ein langfristiges Finanzierungskonzept fehlt bislang. Beim Spielort würde man sicher eine Lösung finden. Aber der Name Sportfreunde muss drin bleiben. Das ist eine Marke, ein Markenwert. Den macht man nicht mal eben kaputt. Das wäre nicht klug.

Und wie sieht’s mit einem langfristigen Finanzierungskonzept aus?
Weber: Es ist bislang noch nicht eine einzige konkrete Zahl genannt worden.
Schöler: Eine langfristiges, von vielen Säulen getragenes Finanzierungskonzept ist unabdingbar. Uns schwebt eine Art Fußball-Fonds vor, getragen von möglichst vielen Unterstützern, der beispielsweise von Sparkasse, Volksbank und Stadt verwaltet wird.

Weber: "Wir wünschen uns einen Mediator"

Es konnte also in wichtigen Punkten bisher noch keine Einigung erzielt werden. Muss jetzt ein Mediator ran?
Weber: Das ist zumindest unser Wunsch – und es wäre auch klug. Wenn zwei sich nicht einigen können, sollte man einen Vermittler einschalten – damit endlich Butter bei die Fische kommt.

Gab es von Ihrer Seite schon personelle Vorschläge?
Schöler: Ich habe schon vier Vorschläge unterbreitet – aber die wurden allesamt von Käner Seite abgelehnt.

Mit welcher Begründung?
Schöler: Dass man einen Mediator nicht benötige.
Weber: Verstehen Sie bitte: Wir haben nichts gegen Kaan. Aber wenn diese Sache nach ein, zwei Jahren scheitert, dann ist unser Verein am Ende. Daher ist es unsere Verantwortung, alles kritisch zu hinterfragen.

Bis wann sollten alle Punkte geklärt sein?
Schöler: Ein konkretes Datum kann ich nicht nennen.

Aber man kann das Thema doch nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag diskutieren...
Schöler: Das stimmt. Wir wollen aber eine breitere Basis haben. Wir müssen die Menschen ja mitnehmen.

Schöler: "Zur  Mitgliederversammlung bräuchte ich derzeit nicht hinzugehen"

Womit wir bei der Mitgliederversammlung wären. Dort muss grünes Licht erteilt werden. Wie hoch schätzen Sie diese Hürde ein?
Schöler: Aktuell sehr hoch. Derzeit bräuchte ich da nicht hinzugehen.
Weber: Mit welchen Sachargumenten sollten wir die Leute denn aktuell überzeugen?
Schöler: Wenn ich das Gefühl hätte, bei einem Konzept gingen auch unsere größeren Sponsoren mit, dann würde ich auch mit voller Leidenschaft vor die Versammlung treten und versuchen, die Mitglieder zu überzeugen. Aber so weit sind wir noch nicht.
Weber: Wenn man die Überzeugung hat, die beste Lösung gefunden zu haben, dann glaube ich schon, dass uns das die Mitglieder auch abnehmen würden. Aber erstmal sind noch dicke Bretter zu bohren.

Zum Schluss Hand aufs Herz: Wird es zu einer Kooperation mit Kaan und einem neuen, gemeinsamen Verein kommen?
Schöler: Diese Frage kann ich momentan nicht beantworten. Wir haben die Verantwortung, unseren Verein in eine sichere Zukunft zu führen, ohne unsere Identität zu verlieren – in welcher Form auch immer.

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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