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SZ-Interview mit Athletikcoach Johannes Sander
„Super froh, bei den Roosters zu sein!“

„Auf die Plätze, fertig...“ Johannes Sander (r.) und Roosters-Verteidiger Erik Buschmann.
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  • „Auf die Plätze, fertig...“ Johannes Sander (r.) und Roosters-Verteidiger Erik Buschmann.
  • Foto: Iserlohn Roosters
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

krup Siegen/Iserlohn. Die Iserlohn Roosters sind in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit 12 Punkten aus den ersten sechs Spielen und Tabellenplatz 2 überraschend gut aus den Startlöchern gekommen. Großen Anteil am verheißungsvollen Saisonauftakt der „Kampfhähne“, die traditionsgemäß auch im Siegerland und im Kreis Olpe zahlreiche treue Anhänger haben, hat zweifellos das Trainerteam, dem mit dem 29-jährigen Athletikcoach Johannes Sander ein waschechter Siegener angehört. Die Siegener Zeitung hat sich mit dem studierten Sport- und Trainingswissenschaftler ausführlich über seine früheren Erfahrungen im Fußball, über „coole Socken“ auf dem Eis und über die Wichtigkeit von guten Kontakten unterhalten.

krup Siegen/Iserlohn. Die Iserlohn Roosters sind in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit 12 Punkten aus den ersten sechs Spielen und Tabellenplatz 2 überraschend gut aus den Startlöchern gekommen. Großen Anteil am verheißungsvollen Saisonauftakt der „Kampfhähne“, die traditionsgemäß auch im Siegerland und im Kreis Olpe zahlreiche treue Anhänger haben, hat zweifellos das Trainerteam, dem mit dem 29-jährigen Athletikcoach Johannes Sander ein waschechter Siegener angehört. Die Siegener Zeitung hat sich mit dem studierten Sport- und Trainingswissenschaftler ausführlich über seine früheren Erfahrungen im Fußball, über „coole Socken“ auf dem Eis und über die Wichtigkeit von guten Kontakten unterhalten.

Herr Sander, in der heimischen Fußball-Szene kennt man Sie als Athletiktrainer bei den Siegener Sportfreunden und beim TSV Steinbach Haiger. Wie haben Sie den Weg zum schnellsten Mannschaftssport der Welt gefunden?
Ich bin bei der Dortmunder Firma B2B Performance beschäftigt. Die Iserlohner Roosters haben uns als Dienstleister für den Athletik-Bereich angestellt, und ich bin dort Teil eines vierköpfigen Teams mit Firmenleiter Björn Wienhold an der Spitze. Alex David ist für die Datenaufnahme und -auswertung zuständig, er kommt aus dem Handball-Bereich – dort arbeiten wir für die HSG Nordhorn-Lingen. Alex ist ein technisches Genie und hat Tausende von Templates, der Wahnsinn. Zudem arbeiten wir eng mit Tobias Schütze, dem Physiotherapeuten der Roosters, zusammen. Er ist ein echter Eishockey-Fachmann, hat auch schon bei den Eisbären Berlin gewirkt, und ist menschlich einfach ein super Typ.

Wie genau ist Ihr Aufgabenbereich am Iserlohner Seilersee definiert?
Ich bin gewissermaßen das ausführende Organ, der Mann für die Praxis, wenn man so will. Sechs Mal pro Woche arbeite ich mit den Iserlohner Eishockey-Profis, überwiegend im Gym. Dort trainieren und stabilisieren wir ganz gezielt bestimmte Körperregionen, vor allem die Hüfte und das Gesäß. Und wir versuchen, die Rückenpartie zu entlasten. Wir arbeiten sehr intensiv an der Maximalkraft, aber auch an der Explosivität und Schnellkraft. Wichtig ist es, die einfachen Sachen gut und gewissenhaft zu machen, damit Automatismen greifen können. In einer Saison wie der laufenden, in der die Mannschaft viele Spiele in kurzer Folge absolviert und nur wenig Zeit zur Regeneration hat, kommt der Belastungssteuerung eine hohe Bedeutung zu.

Hatten Sie schon als Kind oder Jugendlicher ein besonderes Faible für Eishockey, speziell für die Iserlohner?
Nein, tatsächlich nicht. Ich muss sogar bekennen, dass ich damals gar keinen Bezug zum Leistungssport hatte. Das kam erst später, bedingt durch mein Studium. Ich habe Sport und angewandte Trainingswissenschaften studiert. Da es sich dabei um ein Fernstudium handelte, habe ich sehr viel über verschiedene Praktika einbringen können. Anfangs war das allerdings sehr mühselig, weil ich mir erst einmal ein Netzwerk aufbauen musste. Hat man dann aber die ersten namhaften Praktika absolviert, hat man einen Fuß in der Tür, und dann geht vieles deutlich leichter.

Berichten Sie doch bitte mal über Ihre praktischen Erfahrungen im besten Sinne des Wortes!
Sehr viel hat mir die Lehre von EXOS gebracht. Der Mann hinter dieser Idee, Mark Verstegen, ist ein weltweit hoch geschätzter Fitness-Experte und durch seine Arbeit beim FC Bayern München auch in Deutschland gut bekannt. Sie sind in Herzogenaurauch zu Hause, dort habe ich viele Leute kennengelernt. Neben meinen Praktika bei Werder Bremen, dem FC Schalke oder Hannover 96 war ich auch vier Mal bei Red Bull Salzburg zu Gast, und dort würde ich jederzeit wieder hingehen. Die haben dort ein ganz klares Konzept, einen sehr erkennbaren Weg. Zu der damaligen Zeit war noch Marco Rose der Cheftrainer in Salzburg, der jetzt bei Borussia Mönchengladbach arbeitet – ein toller Trainer. Außerdem habe ich unter Trainer Daniel Farke beim Premier-League-Club Norwich City praktiziert. Das waren alles sehr spannende Erfahrungen. Ich habe mich nach jeder Station wieder gefragt: Wie kann man die erlernten Dinge am besten und sinnvollsten in eine Trainingsarbeit einbinden? Das allerwichtigste ist aber nach meinen Erfahrungen, dass man im positiven Sinne kommunikativ ist und gut mit Menschen umgeht. Wenn es einem gelingt, die richtigen Knöpfe zu drücken, ziehen die Sportler in aller Regel mit.

Diese Erfahrungen kamen Ihnen dann in Ihrer Zeit bei den Siegener Sportfreunden zweifellos zu Gute.
Ja, das stimmt. Eine schöne Erfahrung war die Zeit in der B-Junioren-Bundesliga unter Trainer Thorsten Seibert, auch wenn wir viel Lehrgeld zahlen mussten. Die Zeit bei den Sportfreunden hat mir viel gegeben, es bestehen noch heute freundschaftliche Kontakte. Schließlich spielen ja einige Akteure, die ich schon in der Jugend kennengelernt habe, heute noch im Seniorenbereich für den Verein. Mit dem damaligen Cheftrainer Dominik Dapprich tausche ich mich noch heute regelmäßig aus, das war eine ausgesprochen angenehme Zusammenarbeit mit ihm.

Dann kam für kurze Zeit eine weitere Tätigkeit für den Regionalligisten TSV Steinbach Haiger dazu.
Genau, das war aber nur für ein halbes Jahr. Die zeitliche Belastung war durch meine Hauptbeschäftigung, die Arbeit bei den Sportfreunden und in einem privaten Fitnessstudio einfach zu groß – phasenweise hatte ich zu dieser Zeit eine 80-Stunden-Woche. So haben der TSV Steinbach Haiger und ich unsere Zusammenarbeit im Winter 2019/20 im gegenseitigen Einverständnis wieder beendet. Der Vertrag mit den Sportfreunden lief indes ganz normal zum 30. Juni 2020 aus.

Somit war dann der Weg frei in die DEL und zu den Roosters...
Richtig. Seit Saisonbeginn arbeiten wir dort mit den Spielern, anfangs noch in Dortmund. Zu Beginn war das etwas schwierig, weil noch nicht alle Importspieler in Deutschland waren und weil der Kader noch nicht komplett war.

Wie nehmen Sie das Umfeld in Iserlohn und die Eishockey-Profis wahr?
Das Umfeld ist sehr professionell und interessant. Natürlich fehlen auch mir die Zuschauer bei den Spielen, denn die Eissporthalle am Seilersee war ja zu „normalen“ Zeiten ein echter Hexenkessel. Speziell bei unserem 5:2-Sieg gegen die Eisbären Berlin hätte ich das Ganze zu gern mal in einem ausverkauften Stadion erlebt, denn das war ein wirklich tolles Spiel unserer Truppe – kaum zu ermessen, was da mit den begeisterungsfähigen Fans auf den Rängen abgegangen wäre! Manager Christian Hommel ist eine echt coole Socke, man kann mit ihm tolle Gespräche führen, und er gibt einem immer das Gefühl, auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Unsere Spieler sind durch die Bank super Typen, charakterstark, sehr fokussiert auf ihren Job, diszipliniert und auffallend homogen als Team – auf diese Komponente hat Christian Hommel viel Wert bei der Zusammenstellung des Kaders gelegt, und er hat da ganz offensichtlich ein gutes Händchen bewiesen.

Wie sieht Ihre Arbeitswoche bei den Roosters konkret aus?
Da ich weiterhin in Siegen wohne, fahre ich jeden Morgen mit Ausnahme des einen freien Tages in der Woche nach Iserlohn. Pro Fahrt kann man rund eine Stunde rechnen. Dann arbeiten wir zusammen, abends geht es wieder nach Hause. Die genaue Stundenzahl habe ich mir, ehrlich gesagt, noch nie notiert, weil ich den Job nicht als pragmatische Arbeit sehe. Im Gegenteil, es ist toll, mit den Jungs zusammen zu sein, sie haben eine hohe Eigenmotivation. Da muss man niemanden antreiben, wie das bei Fußballern schon mal der Fall ist. Ich bin super froh, bei den Roosters gelandet zu sein.

Und was ist für die „Kampfhähne“ in dieser sehr speziellen Saison drin, nachdem zuletzt zwei Mal die Play-off-Teilnahme verpasst wurde?
Die Play-offs sind das Traumziel. Es wird aber schwer, weil unsere Gruppe extrem ausgeglichen ist, da kann wirklich jeder jeden schlagen. So wird es sehr wichtig sein, seine Heimspiele zu gewinnen und auswärts so viele Punkte wie möglich mitzunehmen. Gerade in den Fifty-fifty-Partien wird man dann auch mal das nötige Glück brauchen, um erfolgreich zu sein. Eines kann ich aber versprechen: Wir werden definitiv alles geben!

E-Jugend-Traineramt beim TSV Siegen als „Kernauslöser“

Johannes Sander wurde 1991 in Siegen geboren und wohnt auch heute noch in der Krönchenstadt. In seiner Jugendzeit spielte er Badminton und Fußball bei der JSG Siegen, einer Jugendspielgemeinschaft, die damals aus dem 1. FC Dautenbach, der SG Siegen-Giersberg und dem TSV Siegen bestand.
Den Jugendleiter des TSV Siegen, Torsten Wolters, betrachtet Johannes Sander als maßgeblichen Initiator für sein Interesse am Trainerjob: „Als ich in der A-Jugend spielte, fragte er mich, ob ich nicht eine Jugendmannschaft beim TSV trainieren wolle – es wurde dann schließlich die E-Jugend, später die D-Jugend. Das war für mich der Kernauslöser für alles Folgende, Torsten Wolters habe ich also eine Menge zu verdanken.“
Über zahlreiche Praktika in einer Jugendfußball-Schule in München, bei Red Bull Salzburg unter dem aktuell bei Borussia Mönchengladbach tätigen Chefcoach Marco Rose, bei Werder Bremen, Schalke 04, Hannover 96 und der SpVg Unterhaching baute sich Sander ein immer größeres Netzwerk mit hilfreichen und interessanten Kontakten auf. Bis zum Sommer 2020 arbeitete er als Athletiktrainer für den Fußball-Oberligisten Sportfreunde Siegen, bis zum Winter 2019/20 parallel dazu ein halbes Jahr lang für den Südwest-Regionalligisten TSV Steinbach Haiger.
Seit 1. Juli 2020 ist Johannes Sander nun über seinen Arbeitgeber B2B als Athletiktrainer bei den Iserlohn Roosters beschäftigt, die seit 2000/01 in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) beheimatet sind.

„Auf die Plätze, fertig...“ Johannes Sander (r.) und Roosters-Verteidiger Erik Buschmann.
Johannes Sander.
Autor:

Frank Kruppa (Redakteur) aus Siegen

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