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SZ-Umfrage unter heimischen Fanclubs
Teil-Rückkehr der Fans ins Stadion: "Schwieriger Spagat"

Die heimischen Fanclub-Vertreter sehen die Teil-Rückkehr der Fußball-Anhänger in die Bundesliga-Stadien differenziert. Dauerkarten sind ein komplexes Problem.
  • Die heimischen Fanclub-Vertreter sehen die Teil-Rückkehr der Fußball-Anhänger in die Bundesliga-Stadien differenziert. Dauerkarten sind ein komplexes Problem.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Siegen/Herdorf/Bad Berleburg/Olpe. Es ist das Thema, das die Fußball-Fans in ganz Deutschland beschäftigt: Wann dürfen sie wieder ins Stadion? Und vor allem: Wer darf in die Arenen? Denn obwohl die Politik zuletzt die Hoffnung auf eine Rückkehr der Zuschauer nährte, ist eine Vollauslastung der Stadien utopisch, damit der Mindestabstand eingehalten werden kann. Das wirft vor allem die Frage auf, wie die Lösung für die Dauerkarten aussieht? Die Ticket-Vergabe für die angestrebte Wiederzulassung der Fans in der neuen Saison erweist sich in der Corona-Krise als komplexes Problem.  Wer letztlich in den Genuss des seit Mitte März wegen der Coronavirus-Pandemie untersagten Stadionerlebnisses kommt, entscheiden die Vereine.

ubau Siegen/Herdorf/Bad Berleburg/Olpe. Es ist das Thema, das die Fußball-Fans in ganz Deutschland beschäftigt: Wann dürfen sie wieder ins Stadion? Und vor allem: Wer darf in die Arenen? Denn obwohl die Politik zuletzt die Hoffnung auf eine Rückkehr der Zuschauer nährte, ist eine Vollauslastung der Stadien utopisch, damit der Mindestabstand eingehalten werden kann. Das wirft vor allem die Frage auf, wie die Lösung für die Dauerkarten aussieht? Die Ticket-Vergabe für die angestrebte Wiederzulassung der Fans in der neuen Saison erweist sich in der Corona-Krise als komplexes Problem.  Wer letztlich in den Genuss des seit Mitte März wegen der Coronavirus-Pandemie untersagten Stadionerlebnisses kommt, entscheiden die Vereine. Sie müssen zuvor ihr individuelles Konzept von den Behörden vor Ort absegnen lassen. Über allem steht: Die aktuelle Infektionsdynamik muss berücksichtigt werden.
Fakt ist: Die Anhänger müssen sich weiter auf Einschränkungen einstellen. So wird es keine Stehplätze geben, und Alkohol ist im Stadion verboten. Zudem rät die Deutsche Fußball-Liga (DFL) von der Öffnung der Tageskassen ab. Eintrittskarten sollten zunächst nur online verkauft werden. Die SZ hörte sich bei Vertretern verschiedener Fanclubs in der Region um, wie sie zur geplanten Teil-Rückkehr in die Fußball-Stadien stehen.

1) Was halten Sie von der angestrebten Teil-Rückkehr der Fans in die Stadien und wie stehen die Mitglieder Ihres Fanclub dazu?
2) Welche Regelungen für Dauerkarten halten Sie für sinnvoll?
3) Halten Sie die geplanten Hygieneregeln für umsetzbar und welche Auswirkungen hat das auf die Atmosphäre im Stadion?

Ansgar Thiemann (1. Vorsitzender Borussenfestung Siegerland, Fanclub Borussia Mönchengladbach):
1) Ich persönlich halte von der geplanten Rückkehr nicht sonderlich viel. Aber ich gehe davon aus, dass viele unserer Mitglieder schon wieder gerne ins Stadion fahren möchten und daher eine Teil-Öffnung präferieren.
2) Das ist eine schwierige Frage. Ich halte die geplante Regelung von Borussia Mönchengladbach, Dauerkarten erst ab der Rückrunde anzubieten, für eine salomonische Lösung. Denn dadurch hat man Zeit gewonnen. Diese Entscheidung kann ich gut nachvollziehen und auch guten Gewissens gegenüber unseren Mitgliedern vertreten.
3) Ich halte die Umsetzung der Hygieneregeln für schwierig und habe ehrlich gesagt Bauchschmerzen dabei. Stimmungstechnisch wäre eine Teil-Rückkehr der Fans schon mal ein großer Fortschritt gegenüber den Geisterspielen. Auch 10 000 Zuschauer können in einer großen Schüssel ganz schön Krach machen.

Erich Roth (Schatzmeister Schalke-Fanclub Oberes Johannland):
1) Ich halte nichts davon, weil ich glaube, dass Corona verstärkt zurückkommen wird. Wie unsere Mitglieder darüber denken, kann ich nicht sagen, da wir uns schon länger nicht mehr getroffen haben. Ich gehe stark davon aus, dass wir dieses Jahr keine Fahrten mehr zu Spielen machen werden, weil wir auch nicht genügend Tickets für alle haben. Zudem soll es ja auch keine Stehplätze mehr geben, aber gerade die Jungen wollen doch in die Kurve.
2) Bei Schalke werden in der Regel rund 45 000 Dauerkarten verkauft. Wie will man das sinnvoll regeln, wenn deutlich weniger ins Stadion dürfen? Ich habe auch keine Lösung parat. Mir sind da zu viele Unbekannte drin. Zudem gehe ich davon aus, dass die Infektionszahlen nach der Urlaubszeit wieder ansteigen werden. Außerdem möchte ich mir nicht den Ärger bei der Verteilung der Karten an unsere Fanclub-Mitglieder einhandeln, wenn man sagen muss: Du darfst gegen Bayern ins Stadion, und du darfst gegen Dortmund ins Stadion.
3) Ich kann mir schon vorstellen, dass die Hygienregeln umzusetzen sind. Die andere Sache ist aber, ob sich alle daran halten. Und wie wollen sie das alles kontrollieren?

Dennis Prade (2. Vorsitzender Blau-Weiße Kobolde Siegerland, Schalke-Fanclub):
1) Ich persönlich habe da eine klare Meinung: entweder alle oder keiner! Wie das Meinungsbild bei unseren Mitgliedern aussieht, kann ich nicht genau beurteilen, da das Fanclub-Leben seit März mehr oder weniger brach liegt. Kürzlich mussten wir auch unser Sommerfest absagen.
2) Da halte ich es wie bei Frage 1: Entweder sollen alle ins Stadion oder keiner. Ich hielte es für eine faire Regelung, Spiel für Spiel abzurechnen. Dann hätte man als Fan Planungssicherheit und auch finanzielle Sicherheit. Denn so viele Trikots oder andere Fanartikel als Gutscheine kann man ja gar nicht haben … (lacht)
3) Umzusetzen sind die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen, aber das ist alles nicht befriedigend. Zum echten Stadionerlebnis gehört die Wurst und das Bier ebenso dazu wie der Plausch und das Fachsimpeln mit den Bekannten. Wenn das alles wegfällt, dann fehlt einem etwas. Und richtige Stimmung herrscht nur dann, wenn auch alle Fans im Stadion sind.

Dirk Krämer (1. Vorsitzender Fürst-Johann-Moritz 1992, Bayern-Fanclub):
1) Wir sind im Fanclub geteilter Meinung. Einerseits sind wir froh, dass zumindest einige Fans wieder ins Stadion zurückkehren dürfen, denn der Fußball steht und fällt mit den Fans. Auf der anderen Seite gehen wir davon aus, dass es eine zweite Welle geben wird. Daher halten wir die Rückkehr der Fans zum jetzigen Zeitpunkt für sehr gefährlich – gerade auch vor dem Hintergrund der Urlaubszeit, und wenn viele Menschen aus dem Ausland zurückkehren.
2) Da haben wir eine ganz klare Position: Da die Nachfrage nach Dauerkarten die mögliche Stadionkapazität deutlich übersteigt, bleibt in unseren Augen gerechterweise nur das Losverfahren.
3) Generell umsetzbar sind die Hygieneregeln schon, aber ob sie eingehalten ist das Andere. Auch das zu kontrollieren, halte ich für nicht möglich. Hinsichtlich der Stimmung im Stadion finde ich eine Teil-Rückkehr nicht gut. Selbst wenn in München 20 000 Zuschauer im Stadion sind, macht das keinen Spaß.

Hans Kipping (1. Vorsitzender Red Wings Herdorf, Bayern-Fanclub):
1) Natürlich wollen unsere Mitglieder gerne alle wieder ins Stadion. Aber es gibt bei uns verschiedene Meinungen zu dem Thema. Ich persönlich begrüße die Teil-Rückkehr der Fans. Das ist schon mal eine deutliche Verbesserung gegenüber den Geisterspielen – auch für die Spieler. Das ist ein ganz anderer Rahmen. Im Stadion selbst sehe ich keine Probleme. Da kann man den Abstand relativ problemlos einhalten, wenn 20 000 oder 25 000 Zuschauer bei uns in München drin sind. Größere Bedenken habe ich hinsichtlich der An- und Abfahrt zum Stadion sowie beim Einlass.
2) Bei den Dauerkarten kommt für mich nur das Losverfahren in Frage. Etwas anderes wird gar nicht möglich sein. Ich hoffe und gehe auch davon aus, dass es so gemanagt wird, dass alle Dauerkarteninhaber zumindest einige Spiele sehen können.
3) Ich denke, dass das Hygienekonzept umsetzbar ist und die Regeln auch weitestgehend eingehalten werden. Was die Atmosphäre im Stadion anbelangt: Einerseits bin ich froh, dass wir von den Geisterspielen wegkommen. Andererseits wird die Stimmung sicher nicht so sein wie sie normalerweise ist – allein schon deshalb, weil man einen Mundschutz tragen muss. Das ist schon beklemmend.

Marco Steiner (1. Vorsitzender Benfeböcke, Fanclub 1. FC Köln):
1) Ich begrüße es, dass – trotz Corona – wieder Fans ins Stadion dürfen, wenngleich bei der angestrebten Teil-Rückkehr alles gut durchdacht sein muss. Bei den Geisterspielen hat man gemerkt, dass Fußball ohne Fans nur die Hälfte wert ist.
2) Für die Vereine ist es schwierig, den Spagat zu schaffen. Klar ist, dass Dauerkartenbesitzer bevorzugt behandelt werden müssen. Sinnvoll wäre es, die Preise anzupassen und anstatt alle 17 Heimspiele weniger Partien anzubieten – beispielsweise in einem Rhythmus, dass der eine Dauerkarteninhaber das erste, dritte, fünfte Heimspiel sehen kann, der andere das zweite, vierte, sechste Heimspiel und so weiter. Dann könnte man gegebenenfalls sogar auch wieder Tageskarten anbieten.
3) Ich halte die Hygieneregeln für umsetzbar. Ich sehe bei einem Stadionbesuch keinen Unterschied zu einem Einkauf in der City Galerie in Siegen. Man ist ja auch im Stadion nicht mit allen Besuchern in Kontakt. Ich setze da auch auf die Eigenverantwortung der Fans, dass sie sich vernünftig verhalten. Wichtig ist aber, dass die Tickets personalisiert werden, um im Infektionsfall eine Rückverfolgung zu gewährleisten. Zur Atmosphäre in den Arenen: Zunächst einmal sind doch alle froh, dass sie überhaupt wieder Fußball im Stadion sehen können, da nimmt man auch in Kauf, dass es keine Stehplätze gibt – auch wenn darunter die Stimmung leidet.

Niklas Schmitt (1. Vorsitzender BVB-Fanclub Netpherland):
1) Ich habe mich in der letzten Zeit bei unseren Mitgliedern umgehört. Bei uns wird die Teil-Rückkehr kritisch gesehen, wenn nur 12 000 bis 20 000 Zuschauer statt der sonst üblichen 80 000 ins Stadion dürfen. Hinzu kommt: Man kann keine gemeinsame Fanclub-Fahrt mehr machen. Im Stadion kann man mit den Kumpels kein Bierchen mehr trinken, nicht mehr nebeneinander stehen und sich unterhalten – da geht schon ein großer Reiz verloren.
2) Eines vorweg: Die perfekte Lösung gibt es nicht – zumal das bei Borussia Dortmund angesichts von über 50 000 verkauften Dauerkarten besonders schwierig ist. Ich persönlich habe aber eine klare Meinung. Für mich gibt es nur die Option: entweder alle oder keiner – auch wenn das für manche nicht nachvollziehbar ist. Von einer Lösung, wie sie beispielsweise in Köln diskutiert wird, dass Fans, die auf eine Rückerstattung verzichtet haben, nun bevorzugt behandelt werden sollen, halte ich gar nichts, da sozial Schwächere benachteiligt würden.
3) Die Hygienevorschriften sind für alle Vereine mit einem größeren Fassungsvermögen des Stadions besser umzusetzen, auch wenn es die Klubs vor große Herausforderungen stellt. Die Atmosphäre, wie wir sie kennen, geht aber verloren. Denn Bier und Stehplätze gehören gerade bei uns im Westen einfach zum Stadionbesuch dazu. Hinzu kommt: Die Ultra-Bewegungen sträuben sich gegen die angedachten Lösungen. Und diese Gruppen sind für einen Großteil der Stimmung verantwortlich.

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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