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HYROX Worldchampionships der Elite
Tobias Lautwein erkämpft Bronze

Neben 8 x 1000 Meter Laufen stehen zwischendrin acht harte Workouts auf dem Programm. Hier quält sich Tobias Lautwein bei den „Sandbag-Lunges“, Ausfallschritte über 100 Meter mit einem 30 Kilogramm Sandsack.
  • Neben 8 x 1000 Meter Laufen stehen zwischendrin acht harte Workouts auf dem Programm. Hier quält sich Tobias Lautwein bei den „Sandbag-Lunges“, Ausfallschritte über 100 Meter mit einem 30 Kilogramm Sandsack.
  • Foto: Michael Trautmann/HYROX
  • hochgeladen von René Gerhardus (Redakteur)

fst Hamburg/Altenhof. Nach einer Stunde und drei Minuten war er fertig. Fix und fertig. Am Ende seiner Kräfte nach 16 quälenden Disziplinen. Seine Lunge brannte, die Muskeln schmerzten, die Knie waren weich und seine Hände zitterten. Einen Tropfen Restenergie hatte der Multisportler Tobias Lautwein dann aber doch noch irgendwo in seinem geschundenen Körper gefunden, um am späten Abend in der alten Lagerhalle in der Hamburger Hafencity die Arme nach oben zu recken und mit einem großen Freudenschrei die Ziellinie zu überqueren. Der 34-Jährige Ausdauerathlet aus Altenhof hatte es geschafft und bei den inoffiziellen HYROX Worldchampionships der Elite überraschend die Bronzemedaille sowie ein Preisgeld von 1250 US-Dollar gewonnen.
"Ich bin absolut überwältigt und total happy.

fst Hamburg/Altenhof. Nach einer Stunde und drei Minuten war er fertig. Fix und fertig. Am Ende seiner Kräfte nach 16 quälenden Disziplinen. Seine Lunge brannte, die Muskeln schmerzten, die Knie waren weich und seine Hände zitterten. Einen Tropfen Restenergie hatte der Multisportler Tobias Lautwein dann aber doch noch irgendwo in seinem geschundenen Körper gefunden, um am späten Abend in der alten Lagerhalle in der Hamburger Hafencity die Arme nach oben zu recken und mit einem großen Freudenschrei die Ziellinie zu überqueren. Der 34-Jährige Ausdauerathlet aus Altenhof hatte es geschafft und bei den inoffiziellen HYROX Worldchampionships der Elite überraschend die Bronzemedaille sowie ein Preisgeld von 1250 US-Dollar gewonnen.

"Ich bin absolut überwältigt und total happy."

„Ich bin absolut überwältigt und total happy. Ich wollte unter die besten Fünf, jetzt bin ich Dritter, besser hätte es nicht laufen können“, freut sich Tobias Lautwein. Bei der kraftraubenden Fitness-Challenge, die Kraft, Kraftausdauer und Laufvermögen miteinander kombiniert, musste er sich am Ende nur dem besten Deutschen, Lukas Storath (2./1:02:38 Std.), und dem siegreichen US-Amerikaner Hunter Mcintyre (1:00:05 Std.) geschlagen geben.

Ausdauersportler im "Nebenberuf"

Der Leistungssportler Lautwein hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon viele sportliche Herausforderungen bestanden: In Kindertagen als Leichtathlet und dann als Fußballer beim VfL Kirchen, anschließend 15 Jahre lang als erfolgreicher Radfahrer des RSC Betzdorf (davon sieben Jahre als A-Klasse-Fahrer), danach als Duathlet im Team des TVE Netphen (2016 und 2017 Deutscher Amateur-Meister) sowie als Langstreckenläufer der SG Wenden und zuletzt als erfolgreicher Extrem-Hindernisläufer im „Obstacle Course Racing“ (OCR). Ob als Fußballer, Radfahrer, Läufer – immer wieder konnte er sich auf seine „Pferdelunge“ verlassen. Radsport, Duathlon, Extrem-Hindernis-Rennen, all das ist kein Kindergarten, aber diese HYROX Worldchampionships, die haben den zweifachen Familienvater und Grundschullehrer, der seinen Ausdauersport im „Nebenberuf“ betreibt, aber immer wieder gegen Profis bestehen muss, endgültig an seine körperlichen Grenzen gebracht. Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste, sportlicher Berater bei HYROX in Deutschland, der sich vor zwei Jahren der Fitness-Challenge stellte, wird mit den Worten zitiert: „Im Vergleich zu HYROX ist alles andere Pussy-Sport.“
Eigentlich sollten die HYROX Worldchampionships riesengroß ausgetragen werden, auch mit den vielen Agegroupern, den Freizeit- und Altersklassensportlern wie beim Ironman auf Hawaii. Doch da machte Corona den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. So durfte in einer alten Lagerhalle in Hamburg nur ein Elite-Rennen der weltbesten sechs Männer und Frauen über die Bühne gehen. Tobias Lautwein war als aktueller Weltranglistenzweiter nominiert. „Ich habe mir einen Ast gefreut, als die Einladung kam.“
Akribisch hatte er sich auf die große Herausforderung vorbereitet, mit Kraftausdauer-Training, Dauerläufen und ein mal pro Woche mit einer kompletten HYROX-Competition bei einer Bekannten im Garten. Über mehrere Tage war er vor dem Wettkampf zusammen mit den anderen Teilnehmern in einem Hamburger Hotel in Quarantäne. „Die Corona-Sicherheitsbestimmungen wurden strikt eingehalten. Wir wurden jeden Tag getestet.“

Ausstrahlung bei Sport1 am 9. Januar

Am 12. Dezember fiel dann der Startschuss zu den HYROX Worldchampionships. „Weil das ganze Spektakel von einer TV-Produktion begleitet wurde und die Ausstrahlung erst am 1. Januar 2021 erfolgte, durfte das Ergebnis nicht früher an die Öffentlichkeit“, erklärte Lautwein am Neujahrsabend im Gespräch (Anm.: Ausstrahlung bei Sport1 am 9. Januar, 14 Uhr).
Acht Mal aufs Laufband und 1000 Meter herunterstrampeln, da war Lautwein, „the skinny guy“ wie ihn der Moderator immer wieder ankündigte, noch in seinem Element. Beim Schlittenschieben mit einem Gesamtgewicht von 215 Kilogramm war dann aber unbändige Beinkraft gefragt. „Bei solchen Disziplinen kann ich mit dem einfach nicht mithalten“, kennt das 77-Kilo-Leichtgewicht Lautwein seine körperlichen Grenzen gegenüber dem übermächtigen Favoriten Hunter Mcintyre. Der Amerikaner, ein muskelbepackter 96 Kilo schwerer Vollprofi, der auch die 10 Kilometer noch in einer 32er-Zeit (!) rennt, schiebt die Last auf dem stumpfen Teppichboden beinahe wie einen Kinderwagen. Rudermaschine, Ski-Ergometer, 32 Kilo in jeder Hand über eine Strecke von 200 Metern schleppen – Tobias Lautwein quälte sich von Disziplin zu Disziplin.

"Das Ding hat meine Oberschenkel dann total zerstört"

Die vorletzte Disziplin, Ausfallschritte über eine Distanz von 100 Metern mit einem 30-kg-Sandsack auf den Schultern, „das Ding hat meine Oberschenkel dann total zerstört.“ Mit letzter Kraft hat er am Ende den neun Kilo schweren Wallball 100 Mal an das Kontaktbrett in drei Metern Höhe geknallt und ist wenig später als Dritter über die Ziellinie gelaufen. Tobias Lautwein hat es geschafft: Er ist einer der drei besten HYROX-Athleten der Welt.

Autor:

Frank Steinseifer (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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