Stabhochspringer im Höhenflug
Torben Blech knackt Olympia-Norm

Hoch und immer höher: Der Gosenbacher Torben Blech hat im Trikot von Bayer Leverkusen die Norm für die Olympischen Spiele 2020 geknackt und ist damit endgültig in die Weltspitze vorgedrungen.
  • Hoch und immer höher: Der Gosenbacher Torben Blech hat im Trikot von Bayer Leverkusen die Norm für die Olympischen Spiele 2020 geknackt und ist damit endgültig in die Weltspitze vorgedrungen.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

pm Leverkusen. Vor einem Jahr, ziemlich genau um diese Zeit, war Torben Blech noch Zehnkämpfer. Der gebürtige Siegener, der im Stadtteil Gosenbach aufwuchs, hatte eine längere Trainings- und Wettkampfpause hinter sich. Immer wieder war er seit seinem Wechsel zu Bayer Leverkusen vom Verletzungspech verfolgt, von Dezember 2017 bis April 2018 war aufgrund von Hüftproblemen gar kein Training möglich. Als die Schmerzen weniger wurden, stieg er zunächst wieder in sein gewohntes Mehrkampf-Pensum ein – bis er im Stabhochsprung 5,40 m überquerte.
Ein Jahr später: Blech gewann am Mittwochabend die Bayer Classics, ein Leichtathletik-Meeting in Leverkusen, mit neuer persönlicher Bestleistung von 5,80 m und knackte dabei die Norm für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Ein weiterer Meilenstein eines blitzartigen Höhenflugs, bei dem laut „leichtathletik.de“ trotzdem „immer noch deutlich Luft nach oben“ ist. Im Interview mit der Siegener Zeitung spricht Torben Blech über die Entscheidung, Spezialspringer zu werden, die jüngsten Erfolge und die großen Wettkämpfe, die in naher Zukunft anstehen.

"Wie in einem schönen Film"

Siegener Zeitung: Der Sieg bei den Bayer Classics ist der jüngste in einer ganzen Reihe von Erfolgen. Könnte das Jahr 2019 für Sie besser laufen?
Torben Blech: „Es läuft ziemlich bescheiden (lacht). Nein im Ernst: Es läuft besser, als ich es mir vor einem halben Jahr hätte erträumen können. Das ist alles wie in einem schönen Film. Ich bin gerne zuhause und auf meiner Heimanlage zu gewinnen, wo ich viele Leute kannte, war etwas ganz Besonderes.“
SZ: So ein Sieg ist toll, die geschaffte Olympia-Norm aber wahrscheinlich der noch größere Erfolg.
Blech: „Absolut. Schon als die WM-Norm geknackt war, habe ich gedacht: ,Was ist denn hier los?’ Jetzt ist mit 5,80 m sogar die Olympia-Norm geschafft, ich bin wirklich sprachlos.“
SZ: Dabei war das eigentliche Ziel in diesem Jahr die Universiade …
Blech: „Genau, da habe ich mit der Silbermedaille auch einen schönen Erfolg gefeiert. Das Niveau war echt Weltklasse und ich habe selbst gut abgeliefert. Das war auch eine schöne Veranstaltung, wo ich viele neue Leute und neue Freunde kennengelernt habe. Es war auch wichtig, Erfahrungen zu sammeln, was den Ablauf großer Wettkämpfe angeht. Den einen Tag die Qualifikation zu springen, zwei Tage später dann das Finale – daran muss man sich gewöhnen. Dazu kam dann auch noch der Austragungsort mit dem Stadion San Paolo in Neapel, einem riesen Teil.“

"Auf jeden Fall" eine Medaille

SZ: Ein guter Vorgeschmack für die Deutschen Meisterschaften am 3. und 4. August im Olympiastadion in Berlin. Gibt es da ein anderes Ziel als die Goldmedaille?
Blech: „Ich will nicht sagen, dass ich mit allem was geht Gold gewinnen muss. In der Vergangenheit habe ich mir oft eindeutige Ziele gesetzt, was Weiten, Höhen und Platzierungen angeht. Aus Enttäuschungen habe ich mittlerweile gelernt, dass es besser ist, nicht zu verbissen an die Sache heranzugehen. Ich will in jeden Wettkampf gehen und einfach technisch sauber springen – dann kommt die Höhe von allein. Wenn ich mit einer guten Leistung Dritter werde, dann bin ich auch zufrieden. Eine Medaille sollte es aber schon auf jeden Fall werden.“
SZ: Deutsche Meisterschaften haben ja auch immer eine besondere Atmosphäre.
Blech: „So ist es. In den vergangenen Jahren waren meistens 10 000 bis 15 000 Zuschauer da, in diesem Jahr in Berlin könnte ich mir vorstellen, dass es sogar 20 000 bis 25 000 werden könnten. Da geht es auch darum, die Atmosphäre aufzusaugen und Erfahrungen zu sammeln.“

Ziel: Final-Wettkampf der WM

SZ: Die könnten auch für die WM in Doha Ende September bis Anfang Oktober wichtig sein. Haben Sie sich dafür schon Ziele gesetzt?Blech: „Jetzt im Vorfeld würde ich sagen, dass ich es einfach genießen und Spaß haben will. Es ist eine Ehre, für Deutschland dabei sein zu dürfen, das gilt auch für die Team-Europameisterschaften, die vorher noch in dem Stadion in Polen stattfinden, wo ich damals schon an der U-23-EM teilgenommen habe. Natürlich wäre es bei der WM aber schön, ins Finale zu kommen. Dafür muss man wahrscheinlich 5,70 oder 5,75 m anbieten, was absolut möglich ist, wenn ich meinen Rhythmus finde.“
SZ: In der nationalen Bestenliste liegen Sie in diesem Jahr auf dem geteilten 1. Platz, international waren nur zehn Springer besser. War die Entscheidung für den Stabhochsprung die beste, die Sie treffen konnten?
Blech: „Definitiv – und wer etwas anderes sagt, der muss gegen eine Wand gelaufen sein (lacht). Ich habe schon im Winter gesagt, dass das absolut richtig war. Ich habe den Spaß am Sport wiedergefunden und bin außerdem endlich verletzungsfrei. Ich habe nichts am Rücken, nichts am Knie, nichts an der Hüfte – und das ist die Grundlage für alles. Nur so konnte ich bis in die Weltklasse kommen.“

Techniktraining gibt den Ausschlag

SZ: Verletzungsfreiheit kann aber nicht die einzige Erklärung für die stetige Leistungssteigerung sein.
Blech: „Nein, das hängt in erster Linie mit dem Training zusammen. Als Zehnkämpfer hat man so viele Disziplinen, die trainiert werden müssen, dass kaum Zeit für detailliertes Techniktraining bleibt. Jetzt als Stabhochspringer trainiere ich insgesamt weniger und habe mehr Zeit, um an Feinheiten zu arbeiten. An vielen kleinen Stellschrauben ist schon gedreht worden, ich springe aber immer noch wie ein Mehrkämpfer und es gibt noch viele kleine Fehler, die abgestellt werden können. Dann ist auch bei der Höhe noch Luft nach oben.“
SZ: Die Entscheidung für die Spezialisierung hat sich schon ausgezahlt. Wie ist es dazu genau gekommen?
Blech: „Ich bin vergangenes Jahr nach einer längeren Pause als Zehnkämpfer wieder eingestiegen. Als ich dann 5,40 m gesprungen bin, habe ich Blut geleckt und mir Gedanken gemacht. Ich habe dann mit einigen Fachleuten gesprochen, die mir gesagt haben, dass da bei mir viel Potenzial ist. Also ich habe ich nach einigem Überlegen die Trainingsgruppe gewechselt.“

"Wir pushen uns gegenseitig"

SZ: So eine Entscheidung bringt sicher auch Einschnitte mit sich …
Blech: „Absolut. In der Zehnkampf-Trainingsgruppe war ich mit einigen richtig guten Freunden zusammen. Die habe ich dann, was den Sport angeht, etwas links liegen gelassen. Das war schon eine ziemliche Umstellung für mich.“
SZ: In der Stabhochsprung-Gruppe trainieren Sie jetzt stattdessen zusammen mit Bo Kanda Lita Baehre, einem Ihrer härtesten Konkurrenten auf nationaler Ebene. Wie ist Ihr Verhältnis?
Blech: „Bo ist ein sehr ehrgeiziger Typ, der nicht gerne verliert. Jetzt habe ich ihn zwei Mal geschlagen, damit muss er, glaube ich, erst einmal klarkommen. Wir sind aber befreundet, wenn auch vielleicht nicht so eng, wie es in der Zehnkampf-Gruppe war. Wir pushen uns gegenseitig, was uns beiden gut tut. Außerdem freuen wir uns auch füreinander, wenn der andere gute Leistungen zeigt. Und wer weiß, vielleicht sind wir in zwei Jahren dann auch richtig gute Freunde.

Autor:

Pascal Mlyniec (Redakteur) aus Siegen

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