2. Handball-Bundesliga
TuS Ferndorf bricht das Eis!

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geo Kreuztal. Nach vier schweren und bitteren Monaten ohne Sieg und mit einer deprimierenden 3:17-Punktebilanz feierte der TuS Ferndorf am Dienstagabend in der Sporthalle Stählerwiese einen wahrlich historischen Triumph, als die Siegerländer im ersten Meisterschafts-Heimspiel der Vereinsgeschichte gegen den elffachen Deutschen Meister VfL Gummersbach den dringend benötigten 27:25 (12:11)-Heimsieg bejubelten. Wie entfesselt feierten die Spieler nach dem Schlusspfiff das eigentlich Unmögliche. Es war, als tanze die „Wilde 13“ aus der Augsburger Puppenkiste, und das hatte sogar einen realen Hintergrund, denn der Kader war nach der Quarantäne-Pause von zwölf auf 14 Spieler angewachsen, aber einer durfte dann plötzlich nicht mehr mitspielen. Ob das ein juristisches Nachspiel haben wird, wusste zunächst kein Verantwortlicher zu beantworten – aber eher wohl nicht.

Pechy nicht auf dem Spielbericht?

Das Spiel hatte nämlich einen sehr frühen Aufreger, denn nach acht gespielten Minuten unterbrachen die Sekretäre am Zeitnehmertisch die Partie, weil ihnen aufgefallen war, dass Ferndorfs 3:2-Torschütze Lukas Pechy nicht auf dem Spielberichtsbogen stand. Kurios: Auf dem offiziellen elektronischen Spielbericht der HBL stand der junge Slowake sehr wohl auf der Spielaufstellung. Nach Auskunft des TuS handelt es sich dabei um zwei verschiedene elektronische Systeme. Die Schiedsrichter entschieden daraufhin, Lukas Pechy aus dem Spiel zu nehmen und – offenbar regelkonform – der Ferndorfer „Bank“ die Gelbe Karte zu zeigen. Das vom TuS-Linksaußen erzielte 3:2-Tor ließen sie aber gelten. Selbst die TuS-Verantwortlichen konnten diesen kuriosen Sachverhalt nicht auflösen. Offenbar aber lag der technische Fehler bei den Zeitnehmer-Sekretären, wie weitere Recherchen nach Spielende ergaben.

Gummersbach ohne Hermann schwach

Schwer zu sagen, ob diese Unterbrechung auch zur Nervosität der Akteure des Matches beitrug, die vor allem in der Anfangsphase kein gutes Spiel zeigten, so dass es elf Minuten dauerte, bis der TuS 4:3 in Führung ging und das Spiel wenigstens halbwegs geschmeidig Fahrt aufnahm. Doch den Bergischen war in jeder Spielminute anzumerken, dass es im Moment nicht rund läuft und der österreichische Spielmacher Alexander Hermann schmerzlich vermisst wird, der sich Ende März bei der Niederlage in Fürstenfeldbruck schwere Gesichtsverletzungen zugezogen hatte. Nehmen wir mal seinen Landsmann, WM-Spieler Janko Bozovic, der alles andere als rund lief. Also ziemlich eckig, und dem eigentlich fast gar nichts gelang. Aber auch die anderen Gummersbacher wirkten merkwürdig derangiert, zielten teilweise einfach am Tor vorbei, der Rest war meist gut aufgehoben beim starken Tim Hottgenroth, der 15 Paraden zeigte und in der Schlussphase sogar zum Helden avancierte.

Hottgenroth "zog den Stecker"

Es war die Crunchtime angebrochen, die Gäste hatten durch Trainer Gudjon Valur Sigurdsson den 7. Feldspieler als allerletzte Patrone ausgepackt und kamen dreimal per Siebenmeter zum Anschluss und schließlich in der 58. Minute sogar zur 25:24-Führung. Dann aber glich Josip Eres ebenfalls von der Marke aus, und Thomas Rink brachte sein Team vom Kreis genau 60 Sekunden vor dem Ende mit 26:25 in Führung. Dass dann ausgerechnet Gummersbachs Bester, der junge Rechtsaußen Matthis Häseler, zum tragischen Helden avancierte – nicht zu fassen. Elf Tore hatte Häseler erzielt, dabei nervenstark sechs Siebenmeter verwandelt. Dann aber traf Häseler nur den Pfosten und Sekunden später hielt Hottgenroth gegen den Rechtsaußen – immer noch 26:25, Manndeckung durch Gummersbach.

Aber nun war die „Wilde 13“ eine wieselflinke Lokomotive, wenn Sie so wollen, gesteuert von Lucas „Jim Knopf“ Schneider, mit fünf Toren zweiterfolgreichster Ferndorfer. Er brachte seinen Bruder Julian in Stellung, der fand die Lücke zum Ersatz-Kreisläufer Niklas Diebel (den Trainer Andersson Sekunden vorher schon runter nehmen wollte, aber die Zeit reichte nicht mehr dazu). Und der Leihspieler der HBW Balingen-Weilstetten machte Sekunden vor dem Ende den Sack mit dem 27:25 zu. Peng, ein echter Handball-Hammer!

VfL so  kein Aufstiegsaspirant

Gummersbachs Trainer Sigurdsson verstand die (Handball-)Welt nicht mehr: „Ich weiß nicht, warum wir im Angriff so langsam waren. Wir waren in der Offensive viel zu statisch.“ Der VfL ist in dieser Form kein Aspirant für den Bundesliga-Aufstieg. Ferndorf reichte derweil die „Rote Laterne“ an Fürstenfeldbruck zurück. Beim TuS überzeugte vor allem der spielfreudige Christopher Klasmann mit vier Toren und einigen Geistesblitzen. Natürlich pumpte er zwischendurch mächtig, sodass Trainer Andersson immer den Moment zum Durchwechseln finden musste. Trotz zweier vergebener Siebenmeter waren Josip Eres und Torben Matzken auch ziemlich erfolgreich, der Kroate kam sogar auf sechs Tore.

Autor:

Jost-Rainer Georg (Redakteur) aus Siegen

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