VfL schon in den 1930er Jahren sehr stark
Über die erste Blütezeit der Klafelder "Fürsten"

Das Bild zeigt die Meistermannschaft des VfL Klafeld-Geisweid aus der Bezirksklassen-Saison 1936/37 mit (v. l.) Bernhard Brinker, Ewald Schlabach, Jakob Rapior, Karl Jung, Ernst Stein, Ernst Jung, Arthur Schmidt, Walter Afholderbach, Paul Brombach, Arthur Höfer und Ede Kurth.
  • Das Bild zeigt die Meistermannschaft des VfL Klafeld-Geisweid aus der Bezirksklassen-Saison 1936/37 mit (v. l.) Bernhard Brinker, Ewald Schlabach, Jakob Rapior, Karl Jung, Ernst Stein, Ernst Jung, Arthur Schmidt, Walter Afholderbach, Paul Brombach, Arthur Höfer und Ede Kurth.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Frank Kruppa (Redakteur)

hb Geisweid. Fußball-A-Kreisligist VfL Klafeld-Geisweid blickt in der Spielzeit 2019/20 bekanntlich gemeinsam mit der SG Mudersbach/Brachbach ganz nach oben. Allzu gerne möchte man im nächsten Jahr wieder vom Oberhaus der heimischen Haubergsliga zu den Bezirksliga-Sportplätzen an der Sauerland-Autobahn reisen. „Dort gehört der Verein schließlich auch hin“, ließ sich unlängst der ehemalige „fürstliche“ Regionalligaspieler Eckhard Schlabach beim 75. Wiegenfest seines langjährigen Freundes Rüdiger Jung in der Sohlbacher Straße in Geisweid vernehmen.

Der war immerhin etliche Jahre die „rechte Hand“ des legendären VfL-Vorsitzenden Hans Elbracht. „Das war die zweite Glanzzeit des VfL“, sagten uns unisono Eckhard Schlabach und Rüdiger Jung. Und dann flochten die beiden Fußballveteranen ihre jeweilige Familiengeschichte gleichsam zu einem Blumenstrauß mit zahlreichen Ahnen, deren Fußballkünste in der „ersten Glanzzeit“ des VfL im gesamten „Fürstentum Klafeld“ Bewunderung fand.
Jene Jubel- und Trubelperiode begann vor nunmehr genau 90 Jahren auf dem alten Schießberg-Sportplatz und ging bereits zehn Jahre später kriegsbedingt zu Ende. Rüdiger Jungs Vater Karl Jung und sein Onkel Ernst Jung gehörten ebenso zu den damaligen Leistungsträgern wie Eckhard Schlabachs aus Weidenau stammender Vater Willi oder Onkel Ewald Schlabach. Auch Gerhard Pithan, der vielen noch bekannte spiel- und kopfballstarke VfL-Mittelläufer in der Nachkriegszeit, wurde seinerzeit als „Jungspund“ von dem damaligen VfL-Jugendleiter und späteren Spielausschuss-Obmann Wilhelm Völker entdeckt.

Bitte nicht versacken...

„Pass auf, dass der Junge bei den trinkfesten Fußballern nicht versackt“, soll Pithans einer evangelikalen Gemeinschaft angehörende Mutter dem Vater von Rüdiger Jung beim „fürstlichen Dienstantritt“ ihres Sohnes Gerhard mit auf den Weg gegeben haben. Es war die Spielzeit 1929/30, als die Fußballer des VfL (man hatte damals auch eine Handballmannschaft!) in die 1. Kreisklasse abstiegen und von dort aus zu einem ersten zehnjährigen Höhenflug in der Vereinsgeschichte starteten. „Jene Zeit haben heute leider allzu viele jüngere VfL-Mitglieder vergessen, die nur unseren Regionalligaaufstieg im Jahre 1971 als Höhepunkt im VfL-Vereinsleben kennen“, so Rüdiger Jung.
Albert Wissenbach hatte sein Amt als 1. Vorsitzender an Assessor Heimbach abgegeben, der in der Gleichschaltungssitzung am 21. Februar 1934 mit der Führung des Vereins beauftragt wurde. Zusammen mit weiteren tatkräftigen Männen bildete er einen Vorstand, der insbesondere abseits stehende Jugendliche zu einem Übertritt ins Sportler-Lager bewegen wollte. Und gleich setzte am ersten Tag nach der Vorstandswahl, am 25. Februar 1934, eine neue, an Höhepunkten reiche sportliche Etappe ein: Im letzten Meisterschaftsspiel der Saison gegen den TuS Kaan-Marienborn errang der VfL den Meistertitel in der 1. Kreisklasse. In den folgenden Aufstiegsspielen gegen die SpVg Olpe bewies die Mannschaft mit zwei 3:1- bzw. 1:0-Siegen ihre ausgezeichnete Form. Damit war der Weg frei in die Bezirksklasse, der damals auch die Spfr. Siegen, der RSV 06 Eiserfeld, SV Menden 09 und RSV Lüdenscheid-Höh angehörten.

In der Bezirksklasse wurde nach einem skandalösen Spiel in Arnsberg nur knapp der erneute Titelgewinn verpasst. Dann war es dem damaligen Jugendleiter Wilhelm Völker zu verdanken, der die Stammmannschaft immer wieder mit leistungsfähigen Nachwuchsleuten versorgte und somit für die Bezirksklassen-Meisterschaft des VfL in der Spielzeit 1936/37 den Grundstein legte. Auch mehrere VfL-Jugendmannschaften kamen im gleichen Zeitraum zu Titelehren.
Eine letzte Steigerung erreichte diese Periode, als der damalige Reichstrainer Otto Nerz auf den Klafelder Verteidiger Wilhelm Bender aufmerksam wurde. Nach Einladungen zu verschiedenen Lehrgängen durfte Wilhelm Bender am 10. Mai 1936 erstmals im Olympia-Vorbereitungsspiel gegen Everton (England) das deutsche Nationaltrikot überziehen. Es folgte für den 1. Juli 1936 eine Einladung Benders nach Duisburg, wo aus 42 Kandidaten Großdeutschlands die Olympiaauswahl gebildet werden sollte. Leider wurde Bender bei diesem Lehrgang so schwer am Knie verletzt, dass er lange im Sportsanatorium Hohenlychen behandelt werden musste und „seinem“ VfL für den weiteren Weg zur Bezirksklassenmeisterschaft nicht mehr zur Verfügung stand. So schied Wilhelm Bender notgedrungen auch aus dem Nationalmannschaftskader aus.

Herberger-Lob für Wilhelm Bender

Noch 32 Jahre später, am 21. September 1968, lobte ihn kein Geringerer als Sepp Herberger (von 1936 bis 1964 Bundestrainer) bei einem Besuch im Klafelder Stahlwerkskasino in höchsten Tönen: „Wilhelm Bender hatte das Zeug, einen Stammplatz in der Nationalmannschaft einzunehmen.“ Diese Worte des im Frühjahr 1977 verstorbenen Alt-Bundestrainers unterstreichen sowohl die Bedeutung der „Vorkriegs-Glanzzeit“ des VfL wie auch die spielerischen und menschlichen Qualitäten von Wilhelm Bender, der leider als Vermisster aus dem 2.Weltkrieg nicht mehr heimgekehrt ist.
Insbesondere aber auch die Fußballeuphorie in der Familie Jung setzte sich nahtlos fort: Rüdiger Jungs Schwiegersohn und Bayern-Fan Christian Spies wurde hierzulande ein bekannter Ligaspieler und dessen Sohn und BVB-Fan (!) startet inzwischen seine Fußballerkarriere in der F-Jugend des SV 1911 Setzen. „Die Patentante hat Noah sofort nach seiner Geburt bei Borussia Dortmund angemeldet, da hatte Vater Christian keine Chance“, so Rüdiger Jung am Ende unseres Gesprächs rund um den „fürstlichen“ Fußball-Stammbaum der Familie.

Autor:

Redaktion Sport aus Siegen

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