Florian Schnorrenberg im Interview
"Unbezahlbarer Erfahrungswert für mich"

Immer voller Leidenschaft an der Seitenlinie: Florian Schnorrenberg, hier noch in seiner Zeit als Trainer des TuS Erndtebrück.
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  • Foto: carlo
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

ubau Brachbach. An diesem Freitag wird die neue Saison in der 3. Fußball-Liga mit der Partie TSV 1860 München gegen Preußen Münster eröffnet. Florian Schnorrenberg wird den Saisonstart besonders aufmerksam verfolgen, schließlich arbeitete der 42-Jährige bis Anfang Mai noch als Chefcoach der SG Sonnenhof Großaspach. Der „Dorfklub“ schaffte im Schlussspurt noch den Klassenerhalt und ist auch weiterhin in Deutschlands dritthöchster Profi-Liga vertreten.
Florian Schnorrenberg war dieser Erfolg nicht mehr vergönnt. Zwei Spieltage vor Saisonende trennte sich der Verein aus dem Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg von dem heimischen Fußballlehrer. Das ist nun rund zwei Monate her – und mittlerweile ist der langjährige Coach des TuS Erndtebrück, mit dem Schnorrenberg gleich dreimal den Sprung in den DFB-Pokal schaffte, wieder voller Tatendrang. Nach seiner ersten Trainerstation im Profi-Fußball hat der Brachbacher Lust auf mehr. Die SZ sprach mit dem zweifachen Familienvater über die Entlassung, die Zeit danach, den Reiz künftiger Aufgaben und die Situation im heimischen (Oberliga-)Fußball. – Das Interview im Wortlaut:

SZ: Herr Schnorrenberg, die 3. Liga beginnt am Freitag – mit der SG Sonnenhof Großaspach, aber ohne Sie. Schmerzt Sie das vorzeitige Aus noch immer?
Florian Schnorrenberg: „Natürlich wäre ich noch immer gerne Trainer von Großaspach, aber die Dinge haben sich leider anders entwickelt.“
SZ: „Was trauen Sie Ihrem Ex-Verein zu?
Schnorrenberg: „Für Großaspach wird es erneut darum gehen, den Klassenerhalt zu schaffen. Dass man mit bescheidenen finanziellen Mitteln die Liga halten kann, hat der Verein in den vergangenen Jahren stets bewiesen – das verdient großen Respekt! Ich traue der Mannschaft auch diesmal den Klassenerhalt zu. Es dürfte allerdings noch schwieriger werden als in den Jahren zuvor, denn die Liga ist noch stärker geworden. Entscheidend wird sein, wie man die Abgänge von Makana Baku, Philipp Hercher, Zlatko Janjic und Dominik Pelivan, die in der letzten Saison die Hälfte aller 38 Tore erzielt haben, kompensieren kann und wie die Neuzugänge einschlagen. Mit Torwart Kevin Broll hat man zudem einen weiteren Leistungsträger verloren.“

"Eine reizvolle, aber auch eine nervöse Liga"

SZ: Wen zählen Sie zu den Favoriten auf den Aufstieg?
Schnorrenberg: „Eines vorab: Die 3. Liga ist brutal ausgeglichen – und durch die hochkarätigen Absteiger MSV Duisburg, FC Ingolstadt und 1. FC Magdeburg sowie Aufsteiger FC Bayern München 2. noch attraktiver geworden. Für eine große Gruppe wird es wohl wieder um den Aufstieg gehen, für die andere gegen den Abstieg. Ein richtiges Mittelfeld wird es wahrscheinlich wieder nicht geben. Zu den Favoriten zähle ich Eintracht Braunschweig nach der beeindruckenden Rückrunde sowie die Absteiger Magdeburg, Ingolstadt und Duisburg. Aber auch ein Verein wie der 1. FC Kaiserslautern hat die Ambitionen, oben dabei zu sein. Und bei Halle bin ich ich gespannt, ob man die gute letzte Saison bestätigen kann. Letztlich haben acht bis zehn Vereine das Potenzial, den Aufstieg zu schaffen. Sicher ist: Es wird oben wie unten spannend werden. Die 3. Liga ist eine sehr reizvolle, aber auch eine nervöse Liga. Trainer werden hier schneller gewechselt als in anderen Spielklassen, denn die Angst abzusteigen, ist groß. Es geht schließlich um hohe Fernsehgelder, die die Vereine erhalten.“

"... dann wäre ich jetzt noch Trainer in Großaspach"

SZ: Nach sechs Siegen, zehn Unentschieden und neun Niederlagen, also 28 Punkten aus 25 Spielen, gab die SG Sonnenhof Großaspach am 6. Mai die Trennung von Ihnen bekannt. Wie beurteilen Sie mit einigem zeitlichen Abstand Ihr erstes Engagement im deutschen Profi-Fußball?
Schnorrenberg: „Natürlich war ich enttäuscht, als mir der Verein zwei Spieltage vor Schluss mitteilte, dass die Zusammenarbeit beendet ist. Ich wäre den Weg gerne zu Ende gegangen. Ich war und bin nach wie vor überzeugt davon, dass wir gemeinsam unser Ziel erreicht hätten. Die Leistungen in den letzten Spielen vor der Trennung waren gut. Wir hätten allerdings vier, fünf Punkte mehr haben können, die fehlten uns. Das ärgert mich natürlich, denn dann wäre ich auch jetzt noch Trainer in Großaspach (lacht).“

"Beeindruckende Zuschauerkulissen"

SZ: In einem früheren Interview bezeichneten Sie den Job bei der SG Sonnenhof Großaspach als „Glücksfall“. Sehen Sie das heute immer noch so?
Schnorrenberg: „Auf jeden Fall war es ein unbezahlbarer Erfahrungswert für mich. Es war ein toller Einstieg in den Profi-Fußball bei einem familiär geführten Verein. Wenn man die Möglichkeit hat, Trainer in der 3. Liga zu sein, dann muss man das auch machen. Es war immer mein Wunsch, unter Profi-Bedingungen arbeiten zu können."
SZ: Was bleibt in besonders positiver Erinnerung?
Schnorrenberg: "Vor allem die beeindruckenden Kulissen bei den Auswärtsspielen in Kaiserslautern, Rostock, Osnabrück oder bei 1860 München. Oder die 8500 Zuschauer, die im Heimspiel gegen die Münchner Löwen da waren, und dass wir dieses Spiel auch noch gewinnen konnten – so etwas bleibt hängen. Ich bin der SG Sonnenhof Großaspach auf jeden Fall dankbar, dass man auf mich gesetzt hat. Ich hätte das Ganze nur gerne zu einem erfolgreichen Ende gebracht. Umso mehr habe ich mich gefreut, als die Mannschaft es zum Schluss doch noch gepackt hat. Denn wenn man eine lange Strecke gemeinsam gegangen ist, ist man froh, wenn das Ziel erreicht ist.“

"Ein Mittelding wäre nicht schlecht"

SZ: Befürchten Sie nach dem vorzeitigen Aus in Großaspach einen „Karriere-Knick“?
Schnorrenberg: „Das müssen andere beurteilen. Aber nach den acht Jahren in Erndtebrück waren die sechseinhalb Monate in Großaspach doch recht kurz. Ein Mittelding wäre auf meiner nächsten Station nicht schlecht... (lacht).“
SZ: Welche Lehren haben Sie aus der Zeit bei der SG Sonnenhof Großaspach gezogen?
Schnorrenberg: „Wir haben uns in den allermeisten Spielen ordentlich verkauft. In den Heimspielen haben wir uns deutlich gesteigert, während wir auswärts unsere Probleme hatten. Es ist immer schwierig, im Laufe einer Saison einzusteigen, da man nicht mehr auf die Kaderplanung einwirken kann. In einigen Bereichen hätte man noch ein paar Prozentpunkte mehr rausholen können. Wichtig ist aber, dass man immer alles versucht. Im Nachhinein bewerte ich Vieles positiv. Dass der Verein kurz vor dem Saisonende mit einem Trainerwechsel nochmal einen neuen Impuls geben wollte, war legitim. Solche Rückschläge gehören zum Geschäft – das sind Erfahrungen, die einen auch stärker machen können.“

"Bin wieder voller Tatendrang"

SZ: Was haben Sie seit Ihrer Freistellung gemacht?
Schnorrenberg: „In erster Linie habe ich mich wieder mehr um meine Familie gekümmert. Ich habe mich auch mit erfahrenen Leuten aus dem Fußball-Bereich ausgetauscht, deren Meinung mir wichtig ist. Die letzten beiden Spieltage waren natürlich noch einmal sehr aufreibend. Da waren bei mir zuhause alle Bildschirme an, die 3. Liga lief auf allen Kanälen (lacht). In den Wochen danach war es wichtig, einfach mal abzuschalten, denn es war eine sehr intensive Zeit in Großaspach. Jetzt bin ich aber wieder voller Tatendrang.“
SZ: Gab es in der Zwischenzeit Anfragen oder Angebote?
Schnorrenberg: „Ja, die gab es. Aber ich habe nicht konkret mit einem Verein verhandelt.“

Auch Job in NLZ eines Proficlubs reizvoll 

SZ: Wo sehen Sie Ihre sportliche Zukunft? Was reizt Sie besonders?
Schnorrenberg: „Ich möchte in einem professionellen Umfeld arbeiten und die Möglichkeit haben, etwas entwickeln zu können. In der 3. Liga, bei einem ambitionierten Regionalligisten oder auch in einem NLZ (Nachwuchsleistungszentrum, Anm. d. Red.) im Jugendbereich – ich kann mir Vieles vorstellen, wenn die Perspektive gut ist, erfolgreich arbeiten zu können.“

"Hoffe, dass der TuS Erndtebrück wieder positive Schlagzeilen schreibt"

SZ: Lassen Sie uns zum Schluss auf die heimische Fußball-Szene zu sprechen kommen. Sie waren lange Zeit Trainer beim TuS Erndtebrück und haben immer noch gute Kontakte zu den Verantwortlichen. Der Verein will bzw. muss in Zukunft einen anderen Weg einschlagen und verstärkt auf junge Spieler aus der Region setzen. Was halten Sie vom neuen Kurs des TuS?
Schnorrenberg: „Nun, die Höhe des Etats spielt in diesem Zusammenhang natürlich eine große Rolle. Für den Verein ist es wichtig, eine ruhigere Saison in der Oberliga zu spielen als zuletzt. Denn einen Trainerwechsel hat es in Erndtebrück lange nicht gegeben. Ich hoffe, dass der TuS wieder positive Schlagzeilen schreibt und mehr Erfolgserlebnisse hat. Um die Ziele zu erreichen, ist es aber auch wichtig und notwendig, dass die Verantwortlichen um Dirk Beitzel entlastet werden. Dieser kleine Kreis an Leuten ist im Beruf voll eingespannt und soll dann noch den Kader für eine höherklassige Fußball-Mannschaft zusammenstellen. Das ist natürlich schwierig. Die Kaderplanung spielt aber eine große Rolle. Ich würde sogar sagen, sie macht 70 Prozent des Erfolges aus.“
SZ: Mit dem TuS Erndtebrück, den Sportfreunden Siegen und dem Regionalliga-Absteiger 1. FC Kaan-Marienborn spielen künftig drei Vereine aus Siegerland und Wittgenstein in der Oberliga Westfalen. Was trauen Sie den heimischen Vertretern in der Saison 2019/20 zu?
Schnorrenberg: „Für den TuS Erndtebrück würde es mich freuen, wenn man problemlos die Klasse hält. Das wäre ein Erfolg. Die Sportfreunde haben im Gegensatz zu Kaan und Erndtebrück den Vorteil, dass sie keinen großen Umbruch stemmen müssen. Sie haben ein Fundament, auf dem sie aufbauen können, hinzu kommt die ein oder andere Verstärkung. Daher schätze ich Siegen stärker ein als in der Vorsaison. Ich traue ihnen einen Platz zwischen 5 und 8 zu. Bei Kaan ist es zu früh, um eine Prognose abzugeben. Sie haben einige wichtige Spieler gehalten, aber man muss abwarten, wie der Kader letztlich aussieht. Als Absteiger könnte man davon ausgehen, dass sie am ehesten in der Lage sind, vorne mitzumischen. Doch darauf will ich mich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festlegen.“

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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