SZ-Umfrage zu deutschen Handballern
Viel Skepsis, aber auch verhaltener Optimismus

Kapitän Uwe Gensheimer ist bei der Handball-EM bislang unter seinen Möglichkeiten geblieben. Auch deshalb tat sich das personell gebeutelte deutsche Team in der Vorrunde sehr schwer. Daher wird der DHB-Auswahl in der SZ-Umfrage maximal das Erreichen des Halbfinals zugetraut.
  • Kapitän Uwe Gensheimer ist bei der Handball-EM bislang unter seinen Möglichkeiten geblieben. Auch deshalb tat sich das personell gebeutelte deutsche Team in der Vorrunde sehr schwer. Daher wird der DHB-Auswahl in der SZ-Umfrage maximal das Erreichen des Halbfinals zugetraut.
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  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Siegen. Die deutschen Handballer haben bei der Europameisterschaft die Hauptrunde erreicht. Im abschließenden Vorrundenspiel zitterte sich die DHB-Auswahl am Montagabend in Trondheim zu einem 28:27 (16:11) gegen Lettland. Nach dem mühsamen Erfolg gegen den Außenseiter aus dem Baltikum flog das deutsche Team am Dienstag nach Wien. In der österreichischen Hauptstadt geht es dann ab Donnerstag in der nächsten Turnierphase mit dem Spiel gegen Weißrussland weiter.

Deutschland startet allerdings mit null Punkten in die Hauptrunde. Da Titelverteidiger Spanien sein abschließendes Vorrundenspiel gegen die Niederlande mit 36:25 gewann, kamen die Iberer als Gruppenerster weiter. Alle Mannschaften nehmen nur die Punkte aus dem direkten Vergleich mit in die Hauptrunde – und Deutschland hatte gegen Spanien mit 26:33 verloren.

Die SZ hörte sich bei Handball-Spielern, -Trainern und -Funktionären aus der Region um, was sie der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der EM noch zutrauen (hier geht's zum SZ-Voting):

Klaus Krass (Vorsitzender des Handballkreises Lenne-Sieg): „Ich hoffe natürlich für unsere Sportart, dass unsere Mannschaft so weit wie möglich kommt. Aber klar ist: Das Team hat bislang nicht so gespielt, wie man es sich gewünscht hat. Wenn wir das Halbfinale erreichen würden, wäre das ein Riesenerfolg – das habe ich schon vor dem Turnier gesagt, und das sehe ich auch jetzt so. Aber dafür müssen sich alle gewaltig steigern. Wir können es nur über das Kollektiv hinbekommen, denn so Ausnahmespieler im Rückraum wie beispielsweise Norwegen hat die deutsche Mannschaft nicht. Es wird ein schwieriges Unterfangen, die Runde der letzten Vier zu erreichen. Aber ich drücke fest die Daumen, dass unser Team noch möglichst lange im Turnier bleibt.“

Mattis Michel (Spieler TuS Ferndorf): „Ich bin optimistisch, dass die deutsche Mannschaft das Halbfinale erreichen wird. Klar ist natürlich, dass dafür eine Leistungssteigerung erforderlich ist, denn die bisherigen Auftritte waren nicht überzeugend. Die Torhüter sind noch nicht richtig im Turnier, und auch ein Leistungsträger wie Uwe Gensheimer ist bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Aber ich glaube, die Mannschaft wird sich noch fangen. Im Halbfinale ist dann aber Schluss.“
Matthias Hoffmann (Trainer Frauen-Mannschaft TVE Netphen): „Ehrlich gesagt traue ich der deutschen Mannschaft nicht mehr viel zu. Das DHB-Team ist zu ausrechenbar. Die Mannschaft scheint von der ein oder anderen Aktion des jeweiligen Gegners überrascht zu sein. Zudem fehlt meiner Meinung nach die Beständigkeit.“
Nicole Kmoch (Abteilungsleiterin VTV Freier Grund): „Ich glaube nicht, dass die deutsche Mannschaft die Hauptrunde überstehen wird. Dazu müsste sie sich schon deutlich steigern, was ich mir natürlich wünschen würde. Wichtig erscheint mir, dass die Spieler die bisherigen Partien abhaken und einen Neustart machen. Sie müssen sich mehr zutrauen, noch mehr Kampfgeist zeigen als bisher. Und Uwe Gensheimer muss nun als Kapitän vorweggehen. Auch die Torhüter können viel mehr, als sie bisher gezeigt haben.“
Andre Kloos (Trainer Frauen-Mannschaft Erndtebrücker HC): „Wenn die Deutschen weiter so spielen wie bisher, dann ist nach der Hauptrunde Schluss. Ich vermisse bisher vor allem die Abwehrstärke – die Defensive war sonst unser Prunkstück. Nehmen wir nur das Spiel gegen Lettland: Den Riese Dainis Kristopans haben wir einfach nicht in den Griff bekommen, sodass es am Ende sogar noch einmal spannend wurde. Andererseits muss man auch sehen, dass sich Mitfavoriten wie Frankreich und Dänemark ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckert haben.“
Steffen Schmidt (Abteilungsleiter TV Olpe): „Das Spiel gegen Lettland hat Schwächen aufgezeigt, die wir definitiv haben. Aufgrund der Ausfälle und der Formschwäche einiger Spieler wie beispielsweise Uwe Gensheimer hat die Mannschaft nicht mehr die ganz hohe Qualität. Daher schätze ich die Chancen, die Hauptrunde zu überstehen, nicht allzu hoch ein. Vor dem Turnier habe ich gesagt: Bei entsprechender Konstellation ist der Einzug ins Halbfinale drin, jetzt glaube ich nicht mehr daran.“
Caslav Dincic (Trainer RSVE Siegen): „Es hat mir nicht gefallen, wie die deutsche Mannschaft bisher gespielt hat. Es fehlt der Kopf der Mannschaft, ein starker Aufbauspieler. Zudem ist der Trainer recht unerfahren. Mir sind einige taktische Fehler aufgefallen. Ich hoffe natürlich, dass sich das Team steigern kann, aber es wird schwierig, das Halbfinale zu erreichen.“
Jürgen Koch (Trainer HSG Wittgenstein): „Man sieht, dass die Truppe nicht eingespielt ist. Das liegt natürlich auch an den vielen Ausfällen. Die Mannschaft hat bisher immer Höhen und Tiefen innerhalb eines Spiels gehabt. Nehmen wir nur die Partie gegen Lettland: Da haben wir mit sieben Toren geführt – und plötzlich ist das Team kollektiv eingebrochen. Ein Leader, der die anderen aus so einem Mini-Tief herausziehen könnte, wäre Uwe Gensheimer. Aber der schafft es momentan nicht, sein Leistungsvermögen abzurufen. Entweder das Team findet sich in den nächsten Spielen oder es scheidet in der Hauptrunde aus.“
Karl Bäumner (Trainer TSG Siegen): „Obwohl die Jungs bisher noch kein richtig gutes Spiel gemacht haben, traue ich ihnen zu, dass sie das Halbfinale erreichen werden. Danach wird’s aber dünn. Man muss jedoch auch sehen, dass die anderen ,Großen’ sich ebenfalls schwer tun. Die Spitze ist enger zusammengerückt, es gibt mehr Überraschungen. Aufgrund der verletzungsbedingten Ausfälle fehlen der deutschen Mannschaft die Linkshänder – das ist sicherlich ein Manko. Aber trotz allem bin ich optimistisch. Ich glaube, die DHB-Auswahl hat das Potenzial, um nach Spanien Gruppenzweiter zu werden.“

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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