SZ

Große SZ-Umfrage unter Vereinen
Wann und wie geht's weiter im heimischen Fußball?

Anfang November war noch viel los auf den Fußball-Plätzen der Region, wie hier auf dem „Henneberg“ in Gernsdorf beim Bezirksliga-Derby zwischen dem TSV Weißtal und Germania Salchendorf. Doch das neuartige Coronavirus hat den Spielbetrieb mittlerweile zum Erliegen gebracht. Wann und wie es weiter geht, ist völlig offen.
  • Anfang November war noch viel los auf den Fußball-Plätzen der Region, wie hier auf dem „Henneberg“ in Gernsdorf beim Bezirksliga-Derby zwischen dem TSV Weißtal und Germania Salchendorf. Doch das neuartige Coronavirus hat den Spielbetrieb mittlerweile zum Erliegen gebracht. Wann und wie es weiter geht, ist völlig offen.
  • Foto: sta
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau/sta Siegen/Bad Berleburg/Olpe/Betzdorf. Das neuartige Coronavirus legt derzeit nicht nur den Profifußball lahm, auch auf Verbands- und auf Kreisebene rollt kein Ball mehr. Das Präsidium des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) hat entschieden, den Spielbetrieb bis einschließlich19. April einzustellen. Im Fußball-Verband Rheinland (FVR) dauert die Zwangspause noch einen Tag länger. Ob die Fußballer dann aber schon wieder auf Punkte- und Torejagd gehen können, muss man – Stand heute – zumindest mit einem dicken Fragezeichen versehen. Doch wie geht es sportlich weiter? Und welche finanzielle Auswirkungen hat die Spielpause für die Vereine?

ubau/sta Siegen/Bad Berleburg/Olpe/Betzdorf. Das neuartige Coronavirus legt derzeit nicht nur den Profifußball lahm, auch auf Verbands- und auf Kreisebene rollt kein Ball mehr. Das Präsidium des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) hat entschieden, den Spielbetrieb bis einschließlich19. April einzustellen. Im Fußball-Verband Rheinland (FVR) dauert die Zwangspause noch einen Tag länger. Ob die Fußballer dann aber schon wieder auf Punkte- und Torejagd gehen können, muss man – Stand heute – zumindest mit einem dicken Fragezeichen versehen. Doch wie geht es sportlich weiter? Und welche finanzielle Auswirkungen hat die Spielpause für die Vereine?

Die SZ hörte sich um und stellte Vereinsfunktionären aus den Fußballkreisen Siegen-Wittgenstein, Olpe und Westerwald/Sieg die drei folgenden Fragen:

1) Welche wirtschaftlichen Folgenergeben sich für Ihren Verein?

2) Glauben Sie, dass die laufende Saison noch zu Ende gespielt werden kann –und wenn ja, wie?

3) Angenommen, die aktuelle Spielzeit könnte nicht beendet werden: Wie sollte eine Wertung vorgenommen werden?

Gabriel Annen (1. Vorsitzender Rot-Weiß Hünsborn)
1) „Natürlich fehlen uns die Spieltagseinnahmen, also die Eintrittsgelder sowie die Einnahmen aus dem Verkauf von Essen und Getränken. Andererseits sparen wir derzeit auch Geld ein, da der Sportplatz nicht in Betrieb ist. Die Ungewissheit, wie lange uns die Corona-Krise beschäftigen wird, erschwert Vieles, z. B. ob die Wendsche Kärmetze stattfindet, die für uns eine große Einnahmequelle ist. Zudem stecken wir mitten in den Planungen für die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Vereinsbestehen. Auch da ist noch einiges in der Schwebe.“
2) „Ich bezweifle es, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann. Man muss wohl davon ausgehen, dass die Zwangspause länger dauern wird.“
3) „Das ist schwierig zu handhaben – irgendwem tritt man immer auf den Schlips. Ich würde dafür plädieren, dass es keine Auf- und Absteiger gibt und in der nächsten Saison mit den gleichen Mannschaften wieder von Null losgeht.“

Bernd Schledorn (Vorstand Grün-Weiß Elben)
1) „Unserem Verein entsteht kein großer finanzieller Schaden. Als Kreisligist hat man nicht so viele Zuschauer wie höherklassige Klubs. Daher ist es für uns ein überschaubar großes finanzielles Problem.“ 
2) „Ob die Saison noch zu Ende gespielt werden kann, ist schwer absehbar. Stand heute würde ich sagen: Nein! Und wenn doch, dann höchstens in einer verkürzten Form bis in den Juni hinein, beispielsweise indem man den Spielplan komprimiert und drei Spiele pro Woche austrägt oder in einer Auf- und Abstiegsrunde. Aber das müsste dann einheitlich in allen Kreisligen geschehen. Aber so richtig dran glauben kann ich nicht.“ 
3) „Da wir auf einem Aufstiegsplatz stehen, würde ich mir natürlich wünschen, dass unsere Mannschaft auch für ihre tollen Leistungen belohnt wird. Die Teams, die aktuell auf einem Abstiegsplatz stehen, sehen das natürlich komplett anders. Aber losgelöst von unserem Fall: Ich würde den jetzigen Stand werten, da schon ein Großteil der Saison gespielt ist. Das hieße: Die Vereine, die ganz oben stehen, würden aufsteigen. Die Vereine, die ganz unten stehen, würden absteigen.“

Timo Unkel (1. Vorsitzender SG 06 Betzdorf)
1) „Es sind noch keine größeren Auswirkungen spürbar, weil die Saison bis zum Ende geplant war und ,stand’. Wir hatten ohnehin zuletzt kaum Einnahmen aus Heimspielen, da wir für den Trainings- und Spielbetrieb auf andere Plätze ausweichen und diese anmieten mussten. In Gesprächen mit Sponsoren stellt man aber schon fest, dass sie zurückhaltender werden. Das ist auch verständlich, da sie erst mal die Entwicklungen im eigenen Unternehmen beobachten müssen.“
2) „Ich glaube nicht, dass die Saison noch zu Ende gespielt werden kann. Das ginge wohl nur, wenn man um Ostern wieder starten könnte. Und dann müsste man mit Englischen Wochen bis in den Juni hinein spielen – was aber aufgrund der Platzsituationen bei den Vereinen schwierig erscheint. Da bedürfte es schon eines riesigen Organisations-Talents, um das dann noch hinzubekommen.“
3) „Man sollte die aktuelle Saison annullieren. Es gäbe also keine Auf- und Absteiger.“

Klaus-Jürgen Griese (1. Vorsitzender Adler Niederfischbach)
1) „Es kommt darauf an, wie lange die Zwangspause noch anhält. Natürlich hat das auch Folgen für uns. An einem Heimspieltag nehmen wir rund 1200 Euro ein – diese Einnahmen fehlen uns. Aber unser Verein ist finanziell gut aufgestellt. Positiv ist, dass alle Senioren- und teilweise auch die Jugendtrainer auf ihre Aufwandsentschädigungen verzichten.“
2) „Ich bin überzeugt davon, dass die Saison nicht mehr beendet werden kann.“
3) „Man sollte einen Strich unter die laufende Saison ziehen. Ich würde dafür plädieren, den aktuellen Stand zu werten. Das würde bedeuten, dass die Vereine, die jetzt vorne stehen, aufsteigen, und die Klubs, die am Tabellenende sind, absteigen – auch wenn Letzteres natürlich traurig wäre für die Vereine, die es träfe.“

Rainer Zeiler (1. Vorsitzender SG Malberg/Rosenheim)
„Es wird ans Eingemachte gehen. Je länger die Corona-Krise anhält, desto größer werden die Einschnitte. Momentan steht das Sponsoring bei den Unternehmen noch an zweiter, dritter Stelle. Doch ich befürchte, dass es ganz weit nach hinten rücken wird. Ob wir die für 6. Juni im Bürgerhaus geplante 75-Jahr-Feier unseres Vereins durchführen können, steht auch noch in den Sternen.“
2) „Nein! Es gibt zwar verschiedene Lösungsansätze, doch es kann niemand verlässlich einschätzen, wann der Spieltrieb wieder aufgenommen werden kann.“
3) „Ich würde die Saison einfrieren. Es gäbe also keine Auf- und Absteiger. Falls die Zwangspause noch bis Jahresende dauern sollte, könnte man den aktuellen Tabellenstand nehmen und im März nächsten Jahres weiterspielen und dann die noch ausstehenden Spiele austragen.“

Harald Link (1. Vorsitzender SG Mudersbach/Brachbach)
1) „Im Moment passt es noch – auch weil wir die Unterstützung unserer beiden Stammvereine haben. Natürlich gehen aber auch uns die Heimspiel-Einnahmen durch die Lappen, zumal wir – angesichts der tollen Platzierung unserer Mannschaft (Rang 1, Anm.d.Red.) – noch das ein oder andere Top-Spiel bei uns hätten.“
2) „Ich glaube nicht daran, dass die Saison noch beendet werden kann. Es weiß doch kein Mensch, wann es wieder losgehen kann. Natürlich könnte man bis in den Juni hinein spielen. Aber ob man dann noch so viele Spiele hintereinander bringen kann, wage ich zu bezweifeln.“
3) „Da habe ich eine klare Meinung: Obwohl unsere Mannschaft derzeit Tabellenführer der A-Kreisliga Siegen-Wittgenstein ist, darf die Saison nicht gewertet werden. Das wäre nicht fair. Meiner Meinung nach wäre es das Beste, die aktuelle Spielzeit zu annullieren und dann wieder bei Null anzufangen.“

Frank Filipzik (1. Vorsitzender SV Feudingen)
1) „Grundsätzlich sollte es so sein, dass ein Kreisligist im Gegensatz zu den Profivereinen nicht so riesige finanzielle Probleme bekommen wird. Denn dann hat man etwas falsch gemacht. Uns fehlen natürlich die Einnahmen aus den Heimspielen unserer drei Seniorenteams sowie der Damenmannschaft – das sind unsere Haupteinnahmequellen. Wir haben aber keine größeren Probleme, da die Spieler kein Geld bekommen.“
2) „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch mal los geht.“
3) „Diese Entscheidung ist für den Verband äußerst schwierig, denn man kann eigentlich nur Fehler machen und Frustration erzeugen. Wir akzeptieren jede Entscheidung – und es wäre klug, wenn niemand am Ende meckert. Wir wollen natürlich gerne in die A-Kreisliga aufsteigen und sind als Tabellenerster auf einem guten Weg. Die vermutlich fairste Lösung wäre wohl, die Hinrundentabelle zugrunde zu legen. Das favorisiere ich, da jeder gegen jeden gespielt hat. Aber egal, wie es kommen wird: Es wird nie allen recht sein.“

Oliver Hess (1. Vorsitzender FC Wahlbach)
1) „Auf Kreisebene ist es eine andere Sache als bei den Profis. Klar ist aber auch, dass jeder Verein auch vor der Krise schon am ,Knapsen’ war. Unser Sportplatz an sich macht uns finanziell keine Sorgen, aber unser Sportheim ist finanziert, und der Abtrag muss geleistet werden. Existenzängste bestehen nicht, vielmehr geht es mir so, und wahrscheinlich auch vielen anderen, dass einem der Fußball fehlt und dies ein großer privater Einschnitt ist.“
2) „Ich glaube nicht, dass noch gespielt wird. Der Fokus wird auf dem Profibereich liegen.“
3) „Es gibt verschiedene Szenarien. Hundertprozentig fair ist keine Lösung. Jeder Verein wird eine andere Meinung dazu haben. Diese Saison gar nicht zu werten, wäre allerdings auch nicht fair, da ja schon einiges geleistet wurde.“

Reinhold Weber (1. Vorsitzender SV Eckmannshausen)
1) „Uns fehlen nicht nur die Einnahmen an den Spieltagen, sondern auch die Gelder von diversen Festen. Grob geschätzt haben wir im Jahr für Sportplatz, Sportheim, Verbandskosten, Versicherungen, Strom und Wasser, die wir abschlägig auch erst einmal zahlen müssen, 6000 Euro zu bezahlen, sodass wir in Absprache mit unseren Trainern deren Gelder eingefroren und auch die Zahlungen an die Jugendspielgemeinschaft ausgesetzt haben. Der Spielbetrieb verursacht demnach keine Kosten mehr.“
2) „Natürlich verfolge ich die Medien sehr intensiv und kann mir nicht vorstellen, dass es diese Saison noch einmal losgehen wird.“
3) „Der Verband sollte so fair sein, diese Spielzeit abzuhaken und zu streichen. Alles andere wäre ungerecht, was aus meiner Sicht auch ein Schlussstrich nach der Hinrunde wäre.“

Sven Alpers (2. Vorsitzender SpVg Bürbach)
1) „Ich denke, dass die Folgen bei uns deutlich geringer sind als zum Beispiel in der Bezirksliga, wo ja auch Spieler Geld bekommen. Wir haben zudem wenig laufende Kosten am Galgenberg, da der Platz unser Eigentum ist. Insofern merken wir es finanziell sicherlich nicht so sehr wie andere Klubs.“
2) „Es kommt darauf an, wie lange die Corona-Krise anhält. Es hängt viel davon ab, ob wir am 20. April wieder rauskommen. Zwei Spiele pro Woche sollten für jede Mannschaft machbar sein. Wobei das bei uns dazu führen würde, dass manche Teams kaum noch trainieren könnten. Immerhin haben wir ja allein drei Seniorenteams und eine Damenmannschaft, die unter der Woche spätabends auf dem Platz aktiv sind.“
3) „Ein kompletter Abbruch ist schwierig, da es einige Vereine gibt, die viel Geld investiert haben. Für unsere zweite Mannschaft wäre es beispielsweise sportlich bitter, denn sie ist Tabellenführer. Der Verband würde sich sicherlich Unmut zuziehen. Aus meiner Sicht wäre eine Wertung nach der Hinrunde noch die fairste Lösung.“

Carsten Schmidt (2. Vorsitzender TSV Weißtal)
1) „Wir haben noch keine schlechten Nachrichten von unseren Sponsoren erhalten, und zudem haben wir ja auch die Mitgliedsbeiträge. Mit den Spielern und Trainern stehen wir bezüglich der Aufwandsentschädigungen in Gesprächen, denn uns fehlen natürlich wichtige Einnahmen. Nicht auszudenken, wenn beispielsweise unser Henneberg-Cup oder das Oktoberfest auch noch ausfallen würden. Trotzdem geht es dem Verein gut.“
2) „An ein Saisonende am 24. Mai glaube ich nicht. Wenn es noch weitergehen soll, dann wird man die Spielzeit verlängern und Englische Wochen einstreuen müssen.“ 
3) „Eigentlich müsste man die komplette Saison aus der Wertung nehmen, was aber schade für die Teams wäre, die gerade oben stehen. Ein Abbruch der Spielzeit halte ich für Wettbewerbsverzerrung, die Tabelle nach der Hinrunde einzufrieren dagegen für eine Möglichkeit.“

Achim Stremmel (2. Vorsitzender Sportfreunde Birkelbach)
1) „Wir haben 100 bis 120 Zuschauer bei unseren Heimspielen. Da fehlen uns bis zum Ende der Saison Eintrittsgelder zwischen 2500 bis 3000 Euro. Dazu kommt der Verkauf im Sportheim und auch die Einnahmen aus der Vermietung. Trotzdem stellt sich die Situation für uns nicht so dramatisch dar.“ 
2) „Klar ist: Mit jedem abgesagten Spieltag wird es schwerer, die Saison durchzuziehen.“
3) „Wir müssen uns ohnehin dem Schicksal fügen, die Entscheidung liegt nicht in unserer Hand. Würde die Saison Stand heute gewertet, wäre das für uns schlecht (Tabellenletzter der Bezirksliga 4/Anm.d.Red.). Beim SV Feudingen (Spitzenreiter der B-Kreisliga 2/Anm.d.Red.) würde man sich beispielsweise freuen. Würde man die ganze Spielzeit annullieren, dann hätten wir großes Glück gehabt.“

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen