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FC Dautenbach will Schiedsrichter schützen
Wer sich daneben benimmt, kriegt ein Problem!

Beim 1. FC Dautenbach arbeiten der 1. Vorsitzende Thomas Bär (l.) und Trainer Harald Göllner, seit Januar in Personalunion zugleich als Sportlicher Leiter tätig, Hand in Hand. Nun haben sie ein ambitioniertes und spannendes Projekt vor sich.
  • Beim 1. FC Dautenbach arbeiten der 1. Vorsitzende Thomas Bär (l.) und Trainer Harald Göllner, seit Januar in Personalunion zugleich als Sportlicher Leiter tätig, Hand in Hand. Nun haben sie ein ambitioniertes und spannendes Projekt vor sich.
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krup Siegen. Neue und durchaus Aufsehen erregende Wege möchte Fußball-C-Kreisligist 1. FC Dautenbach beschreiten. Trainer Harald Göllner, der nach dieser Saison seine lange Laufbahn als Übungsleiter beenden will, dem FCD aber seit Januar und auch in Zukunft als Sportlicher Leiter zur Seite steht, hat einen Verhaltenskodex für den gesamten Verein aufgestellt, um die Schiedsrichter besser zu schützen – und zugleich rigoroses Durchgreifen bei jeglichem Fehlverhalten angekündigt. Wer sich daneben benimmt, muss mit dem Rauswurf rechnen, auf diese Formel lassen sich die Überlegungen runterbrechen.

"Schiedsrichter müssen Freude haben"
„Die Schiedsrichter müssen wieder Freude an ihrem Hobby haben und dürfen nicht mit Angst zu den Spielen fahren.

krup Siegen. Neue und durchaus Aufsehen erregende Wege möchte Fußball-C-Kreisligist 1. FC Dautenbach beschreiten. Trainer Harald Göllner, der nach dieser Saison seine lange Laufbahn als Übungsleiter beenden will, dem FCD aber seit Januar und auch in Zukunft als Sportlicher Leiter zur Seite steht, hat einen Verhaltenskodex für den gesamten Verein aufgestellt, um die Schiedsrichter besser zu schützen – und zugleich rigoroses Durchgreifen bei jeglichem Fehlverhalten angekündigt. Wer sich daneben benimmt, muss mit dem Rauswurf rechnen, auf diese Formel lassen sich die Überlegungen runterbrechen.

"Schiedsrichter müssen Freude haben"

„Die Schiedsrichter müssen wieder Freude an ihrem Hobby haben und dürfen nicht mit Angst zu den Spielen fahren. Bei uns werden sie künftig von einem Platzordner in der Halbzeit zu ihrer Kabine geleitet, und nach dem Abpfiff sorgt eine verantwortliche Person von uns für ein sicheres Geleit zum Parkplatz. Es ist doch furchtbar, welche Übergriffe in jüngster Zeit wieder passiert sind und groß in der Öffentlichkeit waren“, sagt der 59-jährige Trainer, der als neunjähriger Steppke beim FC 08 Kreuztal mit dem Fußballspielen begann, bereits mit 22 Jahren als Spielertrainer beim FC Ernsdorf fungierte und über die weiteren Stationen SV Eckmannshausen, SV 1911 Setzen, TuS Unglinghausen, Grün-Weiß Eschenbach, Sportfr. Eichen/Krombach und TuS Deuz zum 1. FC Dautenbach kam. Göllner, der stets als fairer Sportsmann bekannt war, spielt damit vor allem auf das C-Kreisliga-Spiel im hessischen Kreis Dieburg Ende Oktober 2019 an, in dem der Referee von einem Fußballspieler des FSV Münster bewusstlos geschlagen worden war.

„Wenn jemand in der D-Jugend schon spuckt oder schlägt, hat er bei uns im Verein nichts verloren. Sieht einer eine Rote Karte wegen einer Tätlichkeit oder einer Beleidigung, wird er suspendiert. Auch Eltern von Jugendspielern, die am Spielfeldrand über die Stränge schlagen, werden von uns zur Verantwortung gezogen“, erläutert Göllner, der sich der Tragweite seines Durchgreifens sehr wohl bewusst ist, dies aber als alternativlos – und vielleicht sogar als Beispiel gebend für andere Vereine – betrachtet: „Einer muss schließlich damit anfangen. Die Mannschaften, die ich trainiert habe, waren immer ordentlich, und so soll es auch in Zukunft sein“, sagt Göllner, der seinen Verhaltenskatalog auch in der sehr starken Jugendabteilung – der 1. FC Dautenbach beschäftigt rund 200 Kinder in 14 Jugendteams – vorgestellt hat. „B-1-Trainer Wissam Sleiman und Dennis Lauble, der die E2 und E3 trainiert, sind dort meine direkten Ansprechpartner, mit denen ich mich künftig alle zwei Monate austauschen und über den Stand der Dinge in unserer Jugendabteilung informieren werde. Sollte zwischendurch irgendein Fehlverhalten festgestellt werden, ergreife ich die nötigen Maßnahmen, die von einer Ermahnung über eine Suspendierung bis zum Vereinsausschluss des betreffenden Spielers reichen können. Ich spiele lieber mit weniger Spielern oder Mannschaften, dafür aber anständig. Und wenn ich eine Mannschaft komplett abmelden muss, dann ist das eben so – sportlicher Erfolg ist relevant, aber längst nicht alles. Da gibt es wichtigere Dinge“, verspricht Harald Göllner, der sich dabei der totalen Rückendeckung durch den Vorstand gewiss sein darf.

„Das ist mein Weg, den ich vorgebe, aber das Schöne ist: alle ziehen mit. Und wenn einer das Konzept nicht mittragen will, wie sagt man so schön: Da verlässt ein Schiff den Hafen, aber wenn einer den Sprung an Bord verpasst hat, dann hat er Pech gehabt“, kleidet der 59-Jährige seine Intention in blumige Worte.

"Harald verkörpert alte Tugenden"

„Wir sind sehr froh, dass wir so jemanden wie Harald bei uns haben. Er verkörpert viele der so genannten alten Tugenden. Bei unseren Heimspielen begrüßt er die Zuschauer per Handschlag und verteilt Schnucktüten an die mitgebrachten Kinder. Natürlich kann man so etwas nicht von jedem Trainer verlangen, aber Harald ist dadurch ein besonderer Typ“, meint der 1. Vorsitzende Thomas Bär (57), der im Gespräch mit der SZ versicherte: „Mir ist wichtig, dass bei uns die Leute in einem Verein spielen, der für gewisse Werte steht – für Kameradschaft, Anstand, Disziplin, Verlässlichkeit und Respekt. Unsere Spieler sollen eine Identifikation mit unserem Verein spüren. Besonders wichtig sind mir persönlich – auch durch meine berufliche Tätigkeit bei der Lebenshilfe – Dinge wie Integration und Inklusion, denn allein durch unsere Geschichte sind wir ja gewissermaßen ein internationaler Verein mit einem hohen Migrantenanteil“, sagt Bär, der auch selbst Asche auf sein Haupt streut: „Ich selbst habe mich früher als Zuschauer mitunter auch alles andere als vorbildlich verhalten und Dinge reingerufen, die womöglich zu unserem nicht immer guten Ruf beigetragen haben – aber man kann sich ja ändern und bessern.“

300 Euro für die fairste Mannschaft

Harald Göllner sucht nun für die kommende Saison einen neuen Trainer, der ihn „beerben“ und seinen Weg mitgehen soll: „Eberhard Stötzel habe ich angesprochen, er hat mir aber abgesagt. Das tut mir sehr leid, denn er hätte prima in mein Anforderungsprofil gepasst, er hat seine Mannschaften immer gut im Griff gehabt. Mit dem neuen Trainer möchte ich mindestens drei, vier Jahre zusammenarbeiten, gerne aber auch länger. In jedem Falle aber muss er meine Überzeugung teilen, Unsportlichkeiten, schlechtes Benehmen und Respektlosigkeiten gegenüber Schiedsrichtern und Gegenspielern rigoros und konsequent zu bestrafen. Im Gegenzug möchten wir aber auch anständiges Verhalten belohnen und werden unserer fairsten Jugendmannschaft 300 Euro in die Mannschaftskasse zahlen.“

Thomas Bär stellt abschließend fest: „Natürlich ist das ein Weg, der unter Beobachtung steht. Unsere Aussagen können uns schon bei der nächsten Spruchkammersitzung um die Ohren fliegen, das ist uns vollkommen klar. Aber dass wir mit diesem Konzept an die Öffentlichkeit gehen, bedeutet ja nicht, dass bei uns in Zukunft nichts mehr passieren kann. Es soll aber aufzeigen, dass wir je nach Sachlage sehr restriktiv auf ein Fehlverhalten reagieren werden.“

Autor:

Frank Kruppa (Redakteur) aus Siegen

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