SZ

Rubio Doblas im Interview
„Wir dürfen nicht in Aktionismus verfallen“

TuS Erndtebrücks Trainer Alfonso Rubio Doblas weiß zwar um die Schwere der Aufgabe, ist aber fest davon überzeugt, dass seine Mannschaft die Qualität hat, um den Klassenerhalt in der Fußball-Oberliga Westfalen zu schaffen.
  • TuS Erndtebrücks Trainer Alfonso Rubio Doblas weiß zwar um die Schwere der Aufgabe, ist aber fest davon überzeugt, dass seine Mannschaft die Qualität hat, um den Klassenerhalt in der Fußball-Oberliga Westfalen zu schaffen.
  • Foto: klug
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Erndtebrück. Tabellenletzter, null Punkte, darüber hinaus im hohen Bogen aus dem Westfalenpokal geflogen: Fußball-Oberligist TuS Erndtebrück hat den Saisonstart komplett in den Sand gesetzt.

Hatten die Wittgensteiner nach der 1:5-Pokal-Pleite gegen den SC Wiedenbrück noch darauf gehofft, dass speziell die Anfälligkeit in der Defensive eine unrühmliche Ausnahme gewesen ist, so wurden sie in den darauf folgenden Liga-Spielen eines Besseren – in diesem Fall eher: eines Schlechteren – belehrt. Zum Meisterschaftsauftakt gegen den TuS Ennepetal (3:5) kassierten die Erndtebrücker vor heimischem Publikum wieder fünf Gegentore. Am vergangenen Sonntag verlor der TuS dann 0:3 in Rhynern.

Was läuft also schief im Pulverwald?

ubau Erndtebrück. Tabellenletzter, null Punkte, darüber hinaus im hohen Bogen aus dem Westfalenpokal geflogen: Fußball-Oberligist TuS Erndtebrück hat den Saisonstart komplett in den Sand gesetzt.

Hatten die Wittgensteiner nach der 1:5-Pokal-Pleite gegen den SC Wiedenbrück noch darauf gehofft, dass speziell die Anfälligkeit in der Defensive eine unrühmliche Ausnahme gewesen ist, so wurden sie in den darauf folgenden Liga-Spielen eines Besseren – in diesem Fall eher: eines Schlechteren – belehrt. Zum Meisterschaftsauftakt gegen den TuS Ennepetal (3:5) kassierten die Erndtebrücker vor heimischem Publikum wieder fünf Gegentore. Am vergangenen Sonntag verlor der TuS dann 0:3 in Rhynern.

Was läuft also schief im Pulverwald? Über die Fehlerquellen, das schwierige „Übergangsjahr“ nach der neuen Vereinsausrichtung sowie das anstehende Derby gegen den 1. FC Kaan-Marienborn sprach die SZ mit Alfonso Rubio Doblas, dem Chefcoach und Sportlichen Leiter des TuS Erndtebrück.

SZ: Herr Rubio Doblas, beim TuS Erndtebrück steht auf dem Punktekonto weiter die Null. Hinzu kommt das Erstrunden-Aus im Westfalenpokal. Was läuft schief bei Ihrem Team?
Alfonso Rubio Doblas: „Dass wir noch keine positiven Ergebnisse eingefahren haben, ärgert uns natürlich sehr. Aber man muss das Ganze differenziert betrachten und auch berücksichtigen, dass wir erst drei Pflichtspiele bestritten haben. Im Pokal gegen Wiedenbrück hatten wir keinen guten Tag erwischt. Im ersten Meisterschaftsspiel gegen Ennepetal hat meine Mannschaft fußballerisch überzeugt, aber vier hundertprozentige Chancen nicht verwertet. Dass wir in diesem Spiel einen 0:2-Rückstand aufgeholt haben, spricht für die Moral der Mannschaft. Die kapitalen individuellen Fehler, die zu vier von fünf Gegentoren führten, haben uns das Genick gebrochen. Denn drei eigene Tore müssen eigentlich für Zählbares reichen. Am letzten Sonntag in Rhynern haben wir dann
63 Minuten eine defensiv gute Leistung gezeigt. Nach dem 0:1 hat das Team aber nicht mehr an sich geglaubt. Es gab kein Aufbäumen, sodass wir verdient verloren haben.“
SZ: 13 Gegentore in drei Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Wie ist die Anfälligkeit in der Defensive zu erklären?
Rubio Doblas: „Wir leisten uns zu viele krasse Aussetzer – und die werden in der Oberliga knallhart bestraft. Umgekehrt kann ich mich nicht daran erinnern, dass uns unsere Gegner solche Gelegenheiten auf dem Silbertablett serviert haben.“

"Wir müssen weiter Geduld aufbringen"

SZ: Wo muss jetzt der Hebel angesetzt werden, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen?
Rubio Doblas: „In erster Linie natürlich beim Defensiv-Verhalten. Wir müssen die individuellen Fehler dringend abstellen, aber auch insgesamt kompakter stehen. Und es muss in die Köpfe der Spieler rein, dass jede Kleinigkeit entscheidend sein kann. Auch im Umschaltspiel müssen wir besser werden. Wichtig ist, nach Balleroberungen zielstrebiger zu werden, die Passgenauigkeit zu erhöhen und mehr richtige Entscheidungen zu treffen. Das ist uns speziell gegen Wiedenbrück und Rhynern zu oft nicht gelungen.“
SZ: Sie hatten im Vorfeld der Saison immer wieder ein „schwieriges Jahr“ vorhergesagt. Hand aufs Herz: Hätten Sie sich den Start so schwierig vorgestellt?
Rubio Doblas: „Ja, denn ich bin Realist. Im letzten Jahr bin ich durch eine ähnliche Mühle gegangen – zwar zwei Klassen tiefer mit der zweiten Mannschaft des TuS Erndtebrück, aber die Ausgangssituation war ähnlich. Wir haben ein schweres Auftaktprogramm, daher ist mir bewusst, dass es gerade zu Beginn nicht leicht für uns wird. Aber nach den ersten Misserfolgen bringt es jetzt nichts, in Aktionismus zu verfallen. Wir tun gut daran, unseren Weg weiter zu gehen. Natürlich weiß ich, dass Fußball ein Ergebnissport ist, aber wir müssen weiter Geduld aufbringen. Die Entwicklungsprozesse in einer Mannschaft müssen reifen. Das geht nicht von heute auf morgen.“

"Wir haben einen oberliga-tauglichen Kader"

SZ: Im Sommer herrschte eine hohe Fluktuation im Pulverwald. War der personelle Umbruch zu groß?
Rubio Doblas: „Das kommt immer auf die Sichtweise an. Auf jeden Fall war der personelle Umbruch alternativlos. Sehen Sie: Der Verein hat sich dazu entschlossen, wieder mehr regionalen Touch in den Kader zu bekommen, um wieder interessanter für die Zuschauer und heimische Spieler zu werden. Hinzu kam: Der Etat ist gekürzt worden, das ist kein Geheimnis, das haben wir öffentlich kommuniziert. Spieler mit höheren Ambitionen haben den Verein verlassen. Und die geographische Lage spielt uns auch nicht in die Karten. Zudem waren wir in den Gesprächen spät dran, da wir den Klassenerhalt erst kurz vor dem Saisonende perfekt gemacht haben. Daher hatten viele Spieler bereits woanders zugesagt. Und trotz allem bin ich der Auffassung, dass es uns gelungen ist, einen oberliga-tauglichen Kader zusammenzustellen. Wir haben eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft mit einem Altersdurchschnitt von rund 23 Jahren. Ich sehe, dass die Jungs im Training gut arbeiten und nach und nach zu einer Einheit werden. Das gibt mir Zuversicht. Ich habe immer gesagt, dass wir vor einem schwierigen Übergangsjahr stehen. Ich bin aber auch fest davon überzeugt, dass wir die Klasse halten werden.“
SZ: Ausgerechnet am Sonntag kommt jetzt der 1. FC Kaan-Marienborn ins Pulverwaldstadion, der am vergangenen Wochenende mit dem 4:0 gegen den RSV Meinerzhagen nicht nur das erste Erfolgserlebnis in dieser Saison hatte, sondern auch eine Menge Selbstvertrauen getankt haben dürfte. Kommt Ihnen das Lokalduell eher gelegen oder ungelegen?
Rubio Doblas: „Mir kommt das Derby durchaus gelegen. Kaan hat zwar sein Heimspiel gegen Meinerzhagen – auch dank großer Effektivität – verdient mit 4:0 gewonnen. Aber wenn ich mir die ersten beiden Tore anschaue, war das schon ein wenig Slapstick. Und dann läuft ein Spiel eben in eine bestimmte Richtung. Ich denke, das Duell mit Kaan kommt für uns zur richtigen Zeit. Es bedarf keiner zusätzlichen Motivation. In der Tabelle ist noch alles eng beieinander und mit einem Sieg kann man einen großen Sprung nach vorne machen. Ein Erfolgserlebnis wäre ganz wichtig für uns – auch für die Stimmung in der Mannschaft und im Verein.“
SZ: Die zweite Mannschaft musste aus der Landesliga 2 abgemeldet werden, die Erste schwächelt: Täuscht der Eindruck oder ist das Konstrukt „TuS Erndtebrück - Seniorenfußball“ ins Wanken geraten?
Rubio Doblas: „Nein, das sehe ich nicht so. Dass wir die zweite Mannschaft abmelden mussten, ist uns natürlich alles andere als leicht gefallen. Andererseits habe ich am letzten Sonntag mit einem Verantwortlichen von Westfalia Rhynern gesprochen. Und die hatten exakt die gleiche Problematik wie wir und mussten ihre Zweite aus der A-Kreisliga abmelden. Was unsere erste Mannschaft angeht: Wir bieten jungen, ehrgeizigen Spielern aus der Region die Möglichkeit, in der höchsten Amateurfußball-Klasse Fuß zu fassen und sich bei uns sportlich zu entwickeln. Das ist ein hoher Wert.“
SZ: Bis zum 31. August ist noch Zeit, um Vertragsspieler zu verpflichten. Soll noch personell nachgebessert werden?
Rubio Doblas: „Nein, wir werden nichts mehr machen. Wir sind zufrieden mit dem Kader und sind der Auffassung, dass er auch oberliga-tauglich ist.“

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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