Streit im Beach-Volleyball
Zu viel nackte Haut für die Kataris?

Sport-Bikini als Arbeitskleidung: Isabel Schneider aus Ottfingen bei einem Turnier der World Tour in Warschau
  • Sport-Bikini als Arbeitskleidung: Isabel Schneider aus Ottfingen bei einem Turnier der World Tour in Warschau
  • Foto: FIVB
  • hochgeladen von Jost-Rainer Georg (Redakteur)

sz Hamburg/Ottfingen. Der Streit um die Kleidungsvorschriften ist entschärft, ein unangenehmes Gefühl bleibt erhalten. Vor allem bei den „Hauptdarstellerinnen“. Für internationale Aufregung hatte in den letzten Tagen die Weigerung der beiden deutschen Nationalspielerinnen Karla Borger/Julia Sude gesorgt, am Vier-Sterne-Turnier der FIVB World Tour vom 8. bis 12. März in Doha teilzunehmen. Vorausgegangen war ein höchst brisanter Satz in der Turnier-Ausschreibung des katarischen Volleyball-Verbandes QVA. Danach war den Sportlerinnen bei diesem ersten Frauen-Turnier in dem Wüstenstaat überhaupt vorgeschrieben worden, „aus Respekt vor der örtlichen Kultur und Tradition“ in knielangen Hosen und mit Shirts anzutreten. Bisher fanden in Doha nur Männer-Turniere statt.  Üblicherweise spielen die Beacherinnen - wenn die äußeren Temperaturen dies zulassen - in sehr knappen Sport-Bikinis. Nach übereinstimmenden Medienberichten hat der Internationale Volleyball-Verband (FIVB) die katarischen Bestimmungen wieder aufgehoben. Den Teams steht damit jetzt wieder offen, ob sie in ihren normalen Sportbikinis antreten möchten. Im vergangenen Sommer hatten die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha stattgefunden. Dort hatte es keinerlei Einschränkungen hinsichtlich der Kleidungsvorschriften gegeben.

Weltverband  hakte bei Katar nach

„Nach weiteren Gesprächen hat der QVA bestätigt, dass es keine Einschränkungen für Spielerinnen geben wird, während der Veranstaltung in Doha Standarduniformen zu tragen, wenn sie dies wünschen”, erklärte Mitte der Woche eine Sprecherin des Weltverbandes der Nachrichtenagentur dpa. Die FIVB sei der festen Überzeugung, dass Frauen-Beach-Volleyball, wie jede andere Sportart auch, nach Leistung und Einsatz und nicht nach der Uniform beurteilt werden solle.

In der Hitze am Triefen

Zuvor hatten Karla Borger und Julia Sude nach einer sportlichen Begründung für ihre Absage gesucht: „Unser Sport ist verdammt anstrengend“, sagte Borger gegenüber dem Spiegel. „Wir passen uns in jedem Land an, wo wir können. Wir sind dazu auch bereit. Aber du bist da in der Hitze am Triefen, alles ist nass. Wir sind es einfach nicht gewöhnt, bei solchen Temperaturen mit dieser Kleidung zu spielen.“ Es gehe darum, dass sie in ihrer Arbeitskleidung nicht ihre Arbeit machen könne, ergänzte ihre Partnerin. Im März erreichen die Temperaturen in Katar durchschnittlich 27 Grad (acht Stunden Sonnenschein).

"Wir hätten das akzeptiert"

Nach dem Rückzieher der Veranstalter in Doha bleibt die Tür für das deutsche Spitzenduo Borger/Sude gleichwohl verschlossen, die Frist für die Turniermeldung war abgelaufen! Am Start werden daher nun noch drei weitere deutsche Nationalteams sein. Als derzeitige Nr. 2 der deutschen Rangliste Ex-Olympiasiegerin Laura Ludwig mit Partnerin Margareta Kozuch sowie das Duo Victoria Bieneck und ihre Ottfinger Partnerin Isabel Schneider. In die Qualifikation müssen hingegen Kim Behrens und Sandra Ittlinger, die anstelle von Borger/Sude nachrückten.  Isabel Schneider und Victoria Bieneck hatten sich im Dezember in einem zweiwöchigen Trainingslager auf Teneriffa auf die (noch) olympische Saison vorbereitet. im Januar folgten dann ein zweites zweiwöchiges Trainingslager auf den Kanaren: „In Fuerteventura haben wir dann erfahren, dass das Männer-Turnier in Doha Anfang März um ein Frauen-Turnier erweitert wird. Wir mussten uns daher sehr schnell entscheiden, ob wir teilnehmen werden. Wir wussten von den kleidungstechnischen Vorgaben und haben für uns selbst entschieden, dass wir die kulturellen Eigenheiten des Gastgeberlandes akzeptiert hätten“, so die 29-Jährige Nationalspielerin aus dem Wendschen Land.

Zwei Teams zu Olympia

Allerdings befinden sich Bieneck/Schneider rein sportlich gesehen auch in einer anderen Position als Borger/Sude, die aktuell kaum über ihre Olympia-Nominierung nachdenken müssen, für die es zudem derzeit keine verlässlichen Kriterien gibt. Fest steht nur, dass der Deutsche Volleyball-Verband zwei Teams bei den Frauen melden kann. Ursprünglich war es die Absicht, bis Juni noch acht Turniere auf der World Tour zu spielen, doch angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie ist davon bislang wenig bis nichts übrig geblieben - nur der plötzliche Auftritt in der katarischen Wüste.

Erstmals in muslimischem Land

Bieneck/Schneider spielten bisher erst einmal in einem überwiegend muslimisch geprägten Land: „Als wir in Malaysia spielten, befanden sich die Spielstätten direkt am Strand von Kuala Lumpur. Die Organisatoren hatten dann in Richtung Straße und Stadtzentrum zusätzliche Trennwände aufgestellt. Vermutlich, um freie Blicke auf die Sportlerinnen zu verhindern,“ erinnert sich Isabel Schneider.
Bereits 2020 fielen die World-Tour-Turniere weitgehend Corona zum Opfer. Bieneck/Schneider waren zudem durch eine hartnäckige Bauchmuskelverletzung der gebürtigen Marburgerin lange gehandicapt. „Mittlerweile läuft es bei uns aber wieder bestens, und wir sind sehr gut und verletzungsfrei durch den Winter gekommen“, meinte Isabel Schneiderin und fügte schelmisch an: ... ist ja nicht ganz normal bei einer fast 30-Jährigen ....!“

Drei Siege - drei Niederlagen

Nach den beiden Winter-Trainingslagern nahm das heimische Duo vom 15. Januar bis 13. Februar an der German Beach Trophy in Düsseldorf teil. Dazu waren 350 Tonnen Sand in der Mitsubishi Electric Halle aufgeschüttet worden. Beim sogenannten „Nations Clash“ bezwangen Bieneck/Schneider die favorisierten Schweizerinnen Böbner/Vergé-Dépré mit 21:17, 21:12, die Tschechinnen Kvapilova/Kubickova mit 19:21, 21:13, 15.11 und Hedrich/Vergé-Dépré mit 21:19, 21:19. Niederlagen gab es gegen die holländischen Beach-Duos Stam/Schon und Meppelink/Keizer sowie das Schweizer Top-Duo Betschart/Hüberli.

"Emotionale Momente" fehlten

Für die deutschen Spielerinnen hatten die Matches in der NRW-Landeshauptstadt neben einer echten Leistungsüberprüfung auch einen emotionalen Mehrwert. Isabel Schneider: „Wir haben schon gemerkt, dass uns in der langen Wettkampfpause dieses Gefühl für den Wettkampf, diese emotionalen Momente, ein wenig abhanden gekommen sind. Jetzt freuen wir uns auf den Start in Doha, da wir einfach noch nicht wissen, wie es mit dem Beach-Volleyball im Frühjahr weiter geht.“

Autor:

Jost-Rainer Georg (Redakteur) aus Siegen

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