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Ärger um Trainingsstunde
Zu viele Wasserspritzer – Verein greift durch

Im Hallenbad in Dahlbruch würden Klaus-Jürgen Müller (l.) und Marcus Helmes gerne wieder in gewohnter Weise ihre Trainingseinheiten absolvieren.
  • Im Hallenbad in Dahlbruch würden Klaus-Jürgen Müller (l.) und Marcus Helmes gerne wieder in gewohnter Weise ihre Trainingseinheiten absolvieren.
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  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Dahlbruch. Klaus-Jürgen Müller versteht die Welt nicht mehr. Der 70-Jährige sitzt in seinem Wohnzimmer in Dahlbruch und schüttelt den Kopf. Vor ihm liegt ein mehrseitiger Schriftverkehr zwischen ihm und dem Reha-Sport-Verein (RSV) Ferndorf. Jenem Verein, dem der oberschenkelamputierte Müller seit 1965 die Treue hält. Jenem Verein, dem der frühere Leistungsschwimmer einst Ruhm und Ehre verschaffte durch herausragende sportliche Erfolge. Jenem Verein, in den er sich in verschiedensten Funktionen einbrachte. Jenem Verein, in dem er Ehrenmitglied ist. Jenem Verein, der ihm stets am Herzen lag und immer noch liegt – trotz des aktuellen Disputs, der sichtlich an ihm nagt.

ubau Dahlbruch. Klaus-Jürgen Müller versteht die Welt nicht mehr. Der 70-Jährige sitzt in seinem Wohnzimmer in Dahlbruch und schüttelt den Kopf. Vor ihm liegt ein mehrseitiger Schriftverkehr zwischen ihm und dem Reha-Sport-Verein (RSV) Ferndorf. Jenem Verein, dem der oberschenkelamputierte Müller seit 1965 die Treue hält. Jenem Verein, dem der frühere Leistungsschwimmer einst Ruhm und Ehre verschaffte durch herausragende sportliche Erfolge. Jenem Verein, in den er sich in verschiedensten Funktionen einbrachte. Jenem Verein, in dem er Ehrenmitglied ist. Jenem Verein, der ihm stets am Herzen lag und immer noch liegt – trotz des aktuellen Disputs, der sichtlich an ihm nagt.

Denn dass der RSV Ferndorf bei der Jahreshauptversammlung auf Antrag von Teilnehmern der Wassergymnastik-Gruppe beschlossen hat, ihn und seinen ebenfalls oberschenkelamputierten Schwimmpartner Marcus Helmes aus Siegen in ihren Trainingsmöglichkeiten im Hallenbad in Dahlbruch zu beschneiden, das kann der pensionierte Bankkaufmann nicht begreifen. Zur Begründung hieß es, es gebe zu viele Wasserspritzer, wenn die beiden Schwimmer ihre Bahnen ziehen.
Was viele Jahre problemlos ging, soll plötzlich also nicht mehr gehen? „Das will mir nicht in die Birne rein“, sagt Müller. „Wir haben uns doch nichts zu schulden kommen lassen.“

"In der Vergangenheit hat man sich immer arrangiert"

Zum Hintergrund: Der Reha-Sport-Verein Ferndorf hat das Hallenbad in Dahlbruch montags von 18 bis 19 Uhr sowie zusätzlich alle 14 Tage von 16 bis 17 Uhr für seine Mitglieder angemietet. In dieser Zeit teilten sich bislang die Teilnehmer der Wassergymnastik-Gruppe sowie die Schwimmer Müller und Helmes das Becken. Die Wassergymnastiker machten ihre Übungen in einem großen Teil des Nichtschwimmerbereichs, sodass für das Schwimm-Duo Platz genug war, um die volle 25-Meter-Bahn „durchzuziehen“. In der Vergangenheit, berichtet Müller, habe es nie Probleme gegeben. Es sei genügend Platz für alle da gewesen, man habe sich immer arrangiert und respektiert. 
Doch die Zeiten haben sich geändert: Auf der Jahreshauptversammlung im Frühjahr kam unter Punkt Verschiedenes zur Sprache, dass sich Teilnehmer der Wassergymnastik-Gruppe „durch das schnelle und spritzende Schwimmen“ von Müller und Helmes gestört fühlten. Die Versammlung fasste den Beschluss, die Problematik mit den Schwimmern zu besprechen und eine Veränderung der Trainingsabläufe herbeizuführen. Der Vorstand wurde mit der Umsetzung beauftragt.

Bislang nur Schriftverkehr, aber kein Gespräch

Doch zu einem Gespräch kam es nicht – was Müller, seines Zeichens vielfacher Deutscher Meister, Goldmedaillengewinner mit der deutschen 4 x 100-Meter-Lagenstaffel bei den Paralympics 1980 in Arnheim und seit 2008 Ehrenmitglied des RSV Ferndorf, gelinde gesagt irritierte.

Holle weist auf größeren Platzbedarf hin

Stattdessen teilte ihm der neu gewählte 1. Vorsitzende Wolfgang Holle in einem Schreiben vom 19. Juli dieses Jahres mit: „Die Anzahl der Teilnehmer an der Wassergymnastik mit einer Verordnung nimmt erfreulicherweise zu – und damit auch der Platzbedarf. Wir möchten Sie bitten, während der Wassergymnastik von 16 bis 16.30 Uhr bzw. von 18 bis 18.30 Uhr die Bahn nicht mehr zum Schwimmen zu benutzen. In dieser Zeit kann gerne der Schwimmbereich und nach der Gymnastik auch eine Bahn zum sportlichen Schwimmen benutzt werden.“

"Im Schwimmbad muss man schon mal mit Spritzern rechnen..."

Ein Vorschlag, der bei den früheren Leistungsschwimmern auf Unverständnis stieß. „Während der Wassergymnastik ist ein sportliches Schwimmen im Restbereich des Bades nicht möglich. Auch ist die Zeit nach der Wassergymnastik für mein Schwimmen unzureichend“, schrieb Müller am 21. Juli zurück.
Weiter heißt es in dem Schreiben: „In den letzten Schwimmstunden, in denen ich im Hallenbad war, waren keine 15 Personen anwesend. Eine solche Personenzahl verliert sich im Bad.“ 

Und überhaupt, so Müller: „Wer in ein Frei- oder Hallenbad geht, muss damit rechnen, dass es auch schon mal spritzt. Wenn man damit ein Problem hat, muss man zu Hause bleiben. In unserem Fall kann ich aber sagen, dass ausreichend Platz vorhanden ist, die Gymnastik – abseits der Bahn, auf der ich schwimme – mitzumachen. Somit ist man keinen Spritzern ausgesetzt.“

"Fortfall der Geschäftsgrundlage"

In einem Schreiben vom 9. September legte der frühere Kassenwart, Pressewart, Protokollführer, Sitzballwart, Verantwortliche für die Schwimmstunde und Übungsleiter des RSV Ferndorf noch einmal nach: „Ich empfinde das als Rausschmiss! Ein Schwimmtraining auf der verbleibenden Wasserfläche ist schlichtweg nicht möglich. Im Erwerbsleben würde man sagen: Fortfall der Geschäftsgrundlage.“
Dem widerspricht der 1. Vorsitzende Wolfgang Holle entschieden. „Eine von Ihnen vermutete Verdrängung soll keineswegs erfolgen“, teilt er in einem Schreiben vom 30. August mit. Es gebe jedoch einen „eindeutigen Beschluss der Mitgliederversammlung, den der Vorstand umzusetzen hat“. Dass dies erst mit zeitlichem Verzug geschehen sei, erklärt der 70-jährige Kreuztaler so: „Ich habe darauf gehofft, dass sich das Thema von selbst erledigt und man eine einvernehmliche Lösung findet. Erst auf nochmaliges Drängen anderer Vorstandsmitglieder bin ich dann tätig geworden – auch weil wir das vor der Hallenbad-Saison geklärt haben wollten.“

Holle spricht von einer „schwierigen Kiste“

Einen „Fortfall der Geschäftsgrundlage“ sieht Holle nicht: „Herr Müller und Herr Helmes können doch zu anderen Zeiten ins Hallenbad gehen, um dann sportlich ambitioniert zu trainieren. Warum koppeln sie das ausgerechnet an die Zeiten des Reha-Sport-Vereins Ferndorf?“, fragt der Vereinsvorsitzende, der seit rund fünf Jahren Mitglied im 1958 gegründeten RSV Ferndorf ist.

Holle spricht von einer „schwierigen Kiste“. Einerseits habe er Verständnis dafür, dass man „sein Leben im Reha-Sport-Verein weiterleben möchte“, gerade dann, wenn man so lange Mitglied sei wie Klaus-Jürgen Müller und große Verdienste um den Verein habe. „Andererseits“, so Holle, „wird von mir verlangt, dass ich den Beschluss der Jahreshauptversammlung umsetze.“

Müller ist offen für Gespräche

Der ist für Klaus-Jürgen Müller und Marcus Helmes nach wie vor nicht nachvollziehbar. „Ich habe in einem Brief aus Verärgerung geschrieben: Den zu viel gezahlten Beitrag können Sie auf das bekannte Konto zurücküberweisen. Das hat der Verein als Kündigung der Mitgliedschaft aufgefasst. Doch daran liegt mir überhaupt nichts. Ich bin jetzt so lange Mitglied in dem Verein. Ich habe dem Verein viel zu verdanken, aber auch viel gegeben. Ich hänge an dem Verein. Meine Intention ist es nicht, das alles so einfach aufzugeben. Ich bin offen für Gespräche und auch nicht nachtragend. Ich würde mir einfach nur wünschen, dass alles wieder so wird, wie es jahrzehntelang war, und dass wir unsere Trainingseinheiten wieder in gewohnter Weise im Hallenbad in Dahlbruch absolvieren können“, sagt Müller.

Dann würde er auch wieder die Welt ein kleines bisschen besser verstehen . . .

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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