Das höchste Gebäude der Welt
Burj Khalifa - der glitzernde Gigant

828 Meter hoch ragt der Burj Khalifa in  den blauen Himmel über Dubai.
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  • 828 Meter hoch ragt der Burj Khalifa in den blauen Himmel über Dubai.
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js Dubai. Achthundertachtundzwanzig Meter. Wie ein gewaltiger Stachel, eine pfeilspitze Scherbe aus Glas bohrt sich der Burj Khalifa in den stahlblauen Himmel zwischen Wüste und Meer. Zehn Jahre sind nunmehr ins Emirat gegangen, seitdem das Megabauwerk von Dubai eröffnet wurde. So lange schon stellt es alle bisherigen Rekorde in den Schatten – den jahrzehntelang führenden Architekturikonen der westlichen Welt hat die Landmarke der Millionenmetropole am Persischen Golf damit den Rang abgelaufen. Der Eiffelturm in Paris, das Empire State Building in New York, der CN Tower in Toronto: gewaltige Bauwerke, allesamt Meisterleistungen der Ingenieurskunst, die der Burj – das ist Arabisch für „Turm“–um Längen überragt. Macht ihn das wirklich zum „Größten“ unter den Wolkenkratzern?  Sein Erscheinungsbild von unten täuscht. Der Besucher, der sich den nötigen Mindestabstand erlaufen hat, um einen fototauglichen Blick von unten bis oben hinauf zur Spitze zu erhaschen, hat es keineswegs leicht, die Dimensionen zu begreifen. Vierhundert, sechshundert oder eben mehr als achthundert Meter: Unterschiede in dieser Größenordnung lassen sich erst aus viel deutlicherer Distanz erkennen – von einem der kilometerlangen Sandstrände etwa, wenn der Vergleich zu den  schluchtenbildenden Nachbarn die Erhabenheit des Burj Khalifa unverkennbar macht.

Wie hoch der Riese schließlich ausfallen würde, war zum Baubeginn im September 2004 noch nicht bekannt und blieb noch lange unter Verschluss – damals, als er noch „Burj Dubai“ heißen sollte. 50 Meter tief gründen die 192 Betonpfähle, auf denen er sich mit seinem Y-förmigen Grundriss stützt. Allein den Beton bis hoch über die Wolken zu pumpen, stellte die Ingenieure vor noch nie dagewesene Herausforderungen. Neuland in der Wüste.

"Siegen" verbindet Kontinente (mit Video)

Schwindelerregende Ausblicke und Zahlen

Ganz klar, der Blick auf die nüchternen Zahlen ist so schwindelerregend wie der von seinen Aussichtsterrassen: 22 Millionen Arbeitsstunden flossen in den Bau. Dessen Kosten werden auf etwa eine Milliarde Euro geschätzt – an übertriebenen Lohnzahlungen dürfte das nicht gelegen haben: Gerade einmal 4 Dollar sollen die ausländischen Bauarbeiter bekommen haben. Pro Tag. Mit dem im Burj verbauten Beton hätten über 2000 Kilometer Bürgersteig gebaut werden können. Von den fast 200 Geschossen sind 160 nutzbar, aus bis zu 100 Kilometern Entfernung ist der Turm sichtbar. 57 Aufzüge mit Geschwindigkeiten von bis zu 64 km/h sorgen für Ohrendruck und ersetzen schweißtreibendes Workout in den Treppenhäusern. Und sonst? 1044 Luxuswohnungen auf 70 Etagen und ein 37-stöckiges Hotel beherbergt die vertikale Stadt, dazu 49 Büro-Ebenen und eben die Touristenmagnete – Aussichtsplattformen in den Etagen 124 und 125 bzw. 148, 440 und 555 Meter hoch gelegen. Rekord, versteht sich: Höhere Besucherterrassen gibt auf der ganzen Welt nicht, der Eintrittspreis ist  entsprechend astronomisch. Die spiegelnde Fassade besteht aus 28.261 Glaselementen. 10.000  Menschen wohnen und arbeiten dahinter.

Reiches Nachbaremirat sprang ein

In der Bauphase, an der auch zahlreiche deutsche Firmen beteiligt waren, lag der Turm noch recht einsam, sechs Kilometer außerhalb des alten Stadtkerns. Nach und nach füllte sich die heutige Downtown, eins von mehreren der Zentren der Metropole. Zu Füßen des Burj Khalifa erstreckt sich die Dubai Mall, ein Einkaufszentrum der Superlative, zumindest flächenmäßig. Mit etwa 1300 Läden samt Eissporthalle und voluminösem Aquarium verführt es die einen zum Shopping-Exzess, während die anderen verzweifeln und sich orientierungslos in ihm verlaufen – und sei es nur, um den Besuchereingang des Megaturms zu finden. Der Entwurf für den Koloss stammt von Adrian Smith vom US-amerikanischen Architekturbüro Skidmore, Owings and Merrill. Den ursprünglichen Namen büßte der Turm zu seiner Eröffnung ein, zu Ehren von Scheich Khalifa bin Zayid Al Nahyan aus dem reichen Nachbaremirat Abu Dhabi. Der hatte Milliardenbeträge nach Dubai gepumpt, das in der Weltfinanzkrise in Schieflage geraten war.

Kletterpartie mit Tom Cruise 

Auch Hollywood steht auf Bombast, hat den Burj Khalifa daher schon früh für sich entdeckt. Sein Auftritt in einem Sequel der Actionfilmreihe „Mission Impossible“ sorgte schon im Jahr der Eröffnung für Aufsehen, als Tom Cruise ohne Stunt-Double hoch oben am Fassadenglas beeindruckende Akrobatik lieferte. 23 Tage dauerten die aufwändigen Dreharbeiten, die nicht nur die Nerven des Superstars und einer 400-köpfigen Crew strapazierten, sondern auch die Versicherung der Produktionsgesellschaft. Die wollte nicht zulassen, dass Cruise selbst an der Fassade klettert. Er tat es dennoch. Verrückt? Vielleicht. Das Ergebnis jedoch war spektakulär.

Das größte LED-Display der Welt

Auch die alltägliche Inszenierung des Turms von außen sorgt für Staunen. Der künstlich angelegte See an seiner Ostseite, umrahmt von gewaltigen und mitunter arabisch anmutenden Gebäuden aus jüngerer Bauzeit, lässt aus entsprechender Distanz nicht nur den beliebten Spiegeleffekt zu. Vielmehr wird das Wasser abends selbst zum bedeutsamen Nebendarsteller. Dann, wenn die Uferpromenade aus allen Nähten platzt. Das Wasserspiel muss sich nicht hinter dem des Bellagio-Hotels in Las Vegas verstecken – aufgrund seiner Ausmaße wäre das auch gar nicht möglich: Auf 275 Metern Länge werden 1000 Wasserfontänen mit mehr als 6600 Lichtquellen und 50 Farbprojektoren emporgeschossen. Bis zu 150 Meter hoch tanzen die Fontänen im Halbstundentakt zu klassischer, orientalischer und auch westlicher Popmusik. Ein Hingucker, stets untermalt von tausenden leuchtenden Handydisplays. Zwischendurch, wenn das Wasser verschnauft, geht die Lichtershow weiter. Die Ostseite des Burj Khalifa ist das größte LED-Display der Welt, setzt mit technisch beeindruckendem Geblinke zu lauter Musik ganz eigene farbige Akzente. Irgendwie cool, anderseits von erschreckender Maßlosigkeit. Der Baukonzern Emaar, in Dubai ohnehin schon omnipräsent, muss mit seinem Firmennamen immer wieder in gewaltigen Lettern dazwischenfunken. Der höchste Turm der Welt wird zur 828 Meter hohen Werbesäule.

Rekordzeit angezählt

Anders als bei seinen Vorgängern ist die Zeit der Rekorde für den Burj Khalifa bereits nach etwas mehr als einem Jahrzehnt angezählt. Im saudiarabischen Dschidda, der Hafenstadt vor den Toren Mekkas, entsteht der Jeddah Tower, der als erstes Gebäude die Kilometer-Marke knacken soll. Dubai duldet den anstehenden Verlust des Titels nicht, baut nach. Die Fundamente des Creek Tower sind gesetzt,  Zielhöhe des abgespannten Turmes, wenn der Corona-Crash die Bauherren nicht noch gewaltsam erdet: unfassbare 1300 Meter. Babel lässt abermals grüßen. Eine Touristenattraktion dürfte der Burj Khalifa auch im Schatten noch höherer Konstruktionen bleiben. Dennoch: Er funkelt in der Sonne und glitzert bei Nacht – ist aber bei alldem doch ein wenig glanzlos.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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