Frauenkooperative Mesotopos auf Lesbos
Der Tradition verpflichtet

Echte Handarbeit: Die Kunden der Frauenkooperative schätzen die Qualität der Produkte aus regionalen Zutaten.
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  • Echte Handarbeit: Die Kunden der Frauenkooperative schätzen die Qualität der Produkte aus regionalen Zutaten.
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js Mesotopos. Frauenpower wird groß geschrieben auf Lesbos. Das war schon in der Antike der Fall, als sich die selbstbewusste Dichterin Sappho einen Namen machte und den ihrer Heimatinsel auf ganz besondere Weise weltbekannt machte. Und es zeigt sich auch in der heutigen Zeit. Anders als im Rest des noch immer patriarchisch geprägten Griechenlands spielen die Töchter eine besondere Rolle. Sind sie es beispielsweise, denen die Väter die Häuser hinterlassen.

Die herausragende Stellung der Frau genießt eine wichtige Tradition auf der Vulkaninsel in der nördlichen Ägäis. Da wundert es kaum, dass genau hier ein Genossenschaftsmodell geboren wurde, das inzwischen in ganz Griechenland Nachahmerinnen gefunden hat: 1983 war es, als sich in Petrá im Norden der Insel Bäuerinnen zusammentaten, um in ihrem bis dato touristisch unerschlossenen Hafenstädtchen Fremdenzimmer anzubieten. Dass sie auf diese Weise Urlauber und mit ihnen eine neue Einnahmequelle in ihre Heimat lockten, war die eine Sache. Wichtiger war es ihnen jedoch, finanzielle Unabhängigkeit von ihren Männern zu erlangen. Die erste Frauenkooperative des Landes nahm ihre Arbeit auf – und sollte Schule machen.

Erfolgsmodell entstand auf Lesbos

Ein in diesem Fahrwasser konzipiertes Erfolgsmodell brachte ein Dutzend Frauen aus dem Bergdorf Mesotopos an den Start, als sie im Dezember 1998 mit Unterstützung des Landwirtschaftsdiensts der Präfektur Lesbos ihre landwirtschaftlich-touristische Frauenkooperative aus der Taufe hoben. Mit überlieferten Rezepten, Wissen und Know-how aus ihren Familien sowie Zutaten aus der Region legten sie engagiert los. Selbstgemachte Marmeladen gehörten zu den ersten Produkten ihres kleinen Lädchens, ebenso Löffelsüßigkeit – jene landestypische Spezialität, in der alle möglichen Früchte in Sirup eingekocht und in Löffelportion als Nachtisch oder für den kleinen Hunger zwischendurch gereicht werden.

Nach und nach erweiterten die Damen ihre Angebotspalette um weitere Köstlichkeiten, allesamt hochwertige Naturprodukte. Trachanas etwa, eine Art Zwieback, hergestellt mit Schafsmilch. Oder die beliebten Pasteli, zuckersüße Sesamriegel. Im Laufe der Zeit wurde es eng in der kleinen Manufaktur, und auch die Verkaufsfläche reichte bei Weitem nicht mehr aus. „Wir haben auf 55 Quadratmetern angefangen“, berichtet Eleni Pitsa, Gründungsmitglied und seit nunmehr 21 Jahren voller Leidenschaft Präsidentin der Frauenkooperative. Eine massive Zuwendung von Fördermitteln habe es den 34 Genossinnen (und einem männlichen Teilhaber!) ermöglicht, sich deutlich zu vergrößern – in einem eigenen stattlichen Gebäude mit drei Stockwerken, das die geschäftstüchtigen Frauen 2010 bezogen.

Umsatz kann sich sehen lassen

Der Umsatz der kleinen Firma kann sich sehen lassen nach zwei Jahrzehnten. In guten Jahren liege er bei 350 000 Euro, berichtet Eleni Pitsa. Die Auswahl im Laden ist groß, die Kundschaft weiß die Qualität der Waren zu schätzen. Marmeladen und Löffelsüßigkeiten sind nach wie vor nicht wegzudenken aus ihren Regalen. Auch Säfte und Liköre, Backwaren und Nudeln.

Nicht selten bekommen die Frauen den Zuschlag, wenn es darum geht, das Catering für große Veranstaltungen zu übernehmen. Bis zu 600 Personen verköstigt die Kooperative, sowohl traditionelle als auch moderne griechische Küche geht den Frauen leicht von der Hand. So manche Hochzeit haben sie bereits versüßt – etwa mit in liebevoller Handarbeit gefertigten Marzipanblüten. Im Obergeschoss ihres Hauses bieten sie zudem einen Tanzsaal mit Dachterrasse an: eine beliebte Adresse für Familien- und sonstige größere Feiern mit Bergkulisse, Meerblick, Musik und fabelhaftem Essen.

„Es ist uns ein besonders großes Anliegen, die Traditionen zu bewahren“, berichtet die Präsidentin von ihrer Erfolgsgeschichte, die in Mesotopos glücklicherweise mit weniger (männlichen) Widerständen zu kämpfen hatte als anderswo. Mehrere Auszeichnungen und eine treue Kundschaft weit über Mesotopos, Lesbos und sogar Griechenland hinaus geben den Frauen Recht.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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