Schwedische Provinz Värmland hat viel zu bieten
Spaßeinflößendes Naturerleben

Reine Handarbeit und wirklich Kräfte zehrend – aber eine fantastische Gruppenerfahrung, die zudem mit einer herrlich entschleunigenden Fahrt über den Fluss Klarälven belohnt wird: Nachdem die Holzstämme miteinander <jleftright>vertaut wurden, gleitet man auf den selbstgebauten Flößen mit 1 bis 3 Kilometern pro Stunde sanft durch die Natur. Mit Stecken und Paddeln wird gemeinschaftlich das Anlanden verhindert.
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  • Reine Handarbeit und wirklich Kräfte zehrend – aber eine fantastische Gruppenerfahrung, die zudem mit einer herrlich entschleunigenden Fahrt über den Fluss Klarälven belohnt wird: Nachdem die Holzstämme miteinander <jleftright>vertaut wurden, gleitet man auf den selbstgebauten Flößen mit 1 bis 3 Kilometern pro Stunde sanft durch die Natur. Mit Stecken und Paddeln wird gemeinschaftlich das Anlanden verhindert.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Anja Bieler-Barth (Redakteurin)

nja Värmland. Geschafft! Vier Stunden Muskeleinsatz liegen hinter uns, während der auch die Gripszellen gefordert waren, denn: Aus einem Stapel massiver Baumstämme entstanden in Handarbeit zwei Flöße, die es sodann per „Seilschaft“ zu einer Einheit zu verbinden galt. Sorgfalt war dabei gefragt – Nachlässigkeit rächt sich nämlich spätestens während der sich anschließenden Jungfernfahrt auf dem schwimmenden Unikat. Und diese soll ja für die vorherige Mühe entlohnen und nicht in Stress ausarten.

Lange Floßtradition

Sehr gemächlich nimmt das erstaunlich robuste Gefährt die Reise auf. Knapp 10 Kilometer trudelt die Floßgesellschaft auf Einladung von Visit Sweden bei strahlendem Sonnenschein – je nach Wasserstand – etwa vier bis fünf Stunden lang den Klarälven hinab – allein von der Strömung vorangetrieben: eine herrlich entschleunigende (Gruppen)-Erfahrung in der schwedischen Urlaubsregion Värmland. Möglich macht dies das sich dem Ökotourismus verschriebene Unternehmen „Vildmark i Värmland“, das auf die Tradition der schwedischen Flößer aufbaut, die jahrhundertelang dafür sorgten, dass insbesondere Holz zu den Sägewerken transportiert wurde. Die Blütezeit dieser Flößerei lag im 19. Jahrhundert. „In der Hochkonjunktur der 1950er-Jahre waren mehr als 1800 Menschen in Lohn und Brot mit der Flößerei auf dem Klarälven befasst“, ruft das Vildmark-Team in Erinnerung. 1991 wurde der Schlussakkord gespielt.

Technik und Teamarbeit

Ohne Anleitung geht der Floßbau heute natürlich nicht. Zumal auch Mehrtagestouren im Angebot sind. Bevor die ersten schweren Baumstämme über den Rollschutz geschoben werden und sodann im wahrsten Sinne des Wortes unaufhaltsam ins Wasser rollen, wo ein bis zwei Teammitglieder schon knietief im Nass stehend ein weiteres Abtreiben verhindern, gilt es, neben den Sicherheitsanweisungen auch die richtige Knotentechnik zur Kenntnis zu nehmen und in „Trockenübung“ zu verinnerlichen.  Ist die Konstruktion geschafft – samt stämmigen Sitzhölzern – und jedes Teammitglied mit einem Paddel und Schwimmweste ausgestattet, heißt es im übertragenen Sinn: Leinen los – und wie in Zeitlupe entfernt sich das „Treibgut“ von der Strömung gelenkt vom Ufer.

Kurven zählen!

Zwei Steckstangen liegen griffbereit parat – ihr Einsatz und jener der Paddel soll möglichst verhindern, dass Gefährt und Passagiere ansanden bzw. im Ufergebüsch feststecken bzw. dabei helfen, sich aus dieser misslichen Situation eigenständig zu befreien. Für den Fall, dass dies nicht gelingt, empfiehlt das Vildmark-Team: „Zählt die Kurven, die ihr zurückgelegt habt. Dann könnt ihr uns gegebenenfalls per Handy mitteilen, wo wir euch dabei helfen können, wieder in die Strömung zu gelangen.“

Die Natur übernimmt die Regie

Was folgt, ist ein unbeschreibliches Erleben von Raum und Zeit. Die Natur übernimmt weitgehend die Regie, die anfängliche Aufgeregtheit an Bord weicht stetig einer fühlbaren Ruhe und Entspannung. Der (meist völlig überflüssige) Griff zu den Paddeln reduziert sich flugs deutlich, und nach einer knappen Stunde ist selbst das Kurvenzählen auf der Strecke geblieben: Wir lauschen der Stille, die höchstens von Vogelgezwitscher unterbrochen wird, tauschen uns über Gerüche aus, die vom Uferbewuchs über das Wasser wabern.

Die Sonne scheint ununterbrochen an diesem Tag, da verschafft ein Sprung ins kalte Nass eine wunderbare Erfrischung. Kurzum: Ein unvergessliches Abenteuer strebt langsam, aber beständig auf sein spannendes Finale zu, denn: Zu guter Letzt gilt es, an der dafür vorgesehenen Stelle anzulanden – und sodann mit der Demontage zu beginnen. Zum Nachhaltigkeitsprojekt gehört nämlich auch, dass die Baumstämme bis zu sieben Jahre lang ihren Fährdienst verrichten. Per Laster werden sie wieder an den Startpunkt gekarrt, wo am nächsten Morgen die nächsten Gruppen (oder Paare) dieses spaßeinflößende Abenteuer in Angriff nehmen.

Naturbyn-Wohnerlebnis: Weniger ist mehr

Apropos Nachhaltigkeit: Wer auf den Geschmack gekommen ist, sich im Urlaub auf das Motto „weniger ist mehr“ zu besinnen, der ist in dem versteckt gelegenen Naturdorf Naturbyn genau richtig (www.naturbyn.se). Hier in Värmland verwirklichte sich Thomas Pettersson am See Eldan mit seiner Hände Arbeit (!) einen Traum: ein naturnahes Urlaubsparadies – ohne Strom und WLAN, mit fließend Wasser, das aber nicht aus dem Hahn kommt, sondern aus der Natur entspringt. Geschlafen und gelebt wird wahlweise im Baumhaus, auf dem Hausboot (nur per Kanu bzw. schwimmend erreichbar) oder in den bodenständigen, jedoch nicht minder gemütlichen Holzhütten.  Bettwäsche und Handtücher aus Zellstoff landen nach Gebrauch im Feuer, Wasser zum Duschen muss mit Holz aufgeheizt werden, es gibt ein vorne offenes Langhaus, das als Treffpunkt dient, einen Backofen, Plumpsklos, Sauna, Badefass und eine Küchenzeile, die Pettersson augenzwinkernd „Women trap“ (Frauenfalle) überschrieben hat: „It doesn’t work“ – („Es klappt aber nicht“), kommentiert er lachend und lässt jeden kritischen Gedanken im Keim ersticken.

Kein Strom, kein WLAN

Wer sich nicht zutraut, ein paar Tage lang ohne Handy leben zu können, der muss sein Streicheltelefon aber keineswegs ins Naturdorf schmuggeln. Geladene Powerbanks sollten aber im Reisegepäck sein. Und, so verrät Thomas Pettersson im Vier-Augen-Gespräch in zwölf Metern Höhe, auf dem Balkon eines Baumhauses die Aussicht auf eine grandiose Natur genießend: In allergrößter „Not“ nehme er auch schon mal ein Handy über Nacht mit zu sich nach Hause. Damit nicht nur seine Gäste während ihres Urlaubs Energie tanken können...  
Anja Bieler-Barth

Die Provinz Värmland

Die Provinz Värmland grenzt im Westen an Norwegen und ist geprägt u. a. von scheinbar endlosen Wäldern und rund 10 000 Seen. Schwedens längster Fluss Klarälv (500 km) fließt mitten durch die Provinz, bevor er in der Nähe von Karlstad in den Vänern, einen der größten Seen Europas, mündet. Värmland bietet jede Menge Platz: Auf einer Fläche von 19 204 km2 leben ca. 320 000 Menschen, das bedeutet 17 Personen pro km2. Die üppige Natur lädt zum Aktivurlaub ein – sei es zum Beispiel zum Wandern, Radfahren, zur Elchsafari, zu Bootstouren oder zum Skifahren (selbst im Sommer im Langlauf-Skitunnel Torsby). Es stehen über 1000 Kilometer Wander- und Kanuwege zur Verfügung.
Und: Auch das Geburts- und Sterbehaus der ersten Trägerin des Literaturnobelpreises anno 1909, Selma Lagerlöf, Gut Mårbacka in der Gemeinde Sunne, kann in Värmland besucht werden. Karlstad liegt am Vänernsee und verfügt auch über einen Flughafen; dort landen auch Direktflüge aus Deutschland. Es gibt zudem Umsteigeverbindungen mit Flug nach Karlstad, Torsby und Hagfors via Stockholm Arlanda.
Weitere Infos: www.visitsweden.de oder www.visitvarmland.se.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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