Besuch in den Airbus-Werken
Toulouse: Dieser Ort verleiht Flügel

Ausgemustert: Der Riesenjumbo A 380 war einige Jahre lang das Flaggschiff der Airbus-Flugzeuge. 2021 wurde jedoch der letzte gebaut. Dieses Exemplar ist zum Exponat des Museums Aéroscopia umgebaut und begehbar.
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  • Ausgemustert: Der Riesenjumbo A 380 war einige Jahre lang das Flaggschiff der Airbus-Flugzeuge. 2021 wurde jedoch der letzte gebaut. Dieses Exemplar ist zum Exponat des Museums Aéroscopia umgebaut und begehbar.
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js Toulouse. Die dicken Glasscheiben geben den Blick frei auf ein beeindruckendes Wimmelbild. Vier Langstreckenflugzeuge vom Typ A 350 stehen in der gewaltigen Montagehalle – eingefasst in Gerüste, Geländer und Arbeitsbühnen in mehreren durch Treppen verbundenen Etagen. Hier und da blitzen Köpfe hervor, huschen Monteure umher. Nur zu gern würde der Besucher näher herantreten, frei durch die Halle schlendern und das Spektakel genauer bestaunen. Das aber ist völlig ausgeschlossen; nicht einmal das Fotografieren vom Ausguck ist erlaubt bei der Endmontage der Passagierjets. Airbus lässt sich nur in streng bewachtem Rahmen und kontrolliert in die Karten schauen in seiner Konzernzentrale im Südwesten Frankreichs.

Einblick in die Produktion: Hier werden die derzeit größten Modelle aus dem Hause Airbus entmontiert, Flieger des Typs A350. Die Einzelzeile werden aus ganz Europa nach Toulouse geflogen.
  • Einblick in die Produktion: Hier werden die derzeit größten Modelle aus dem Hause Airbus entmontiert, Flieger des Typs A350. Die Einzelzeile werden aus ganz Europa nach Toulouse geflogen.
  • Foto: Airbus
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Besichtigung nur in großen Gruppen

Ob der Besuch der riesigen Flugzeug-Fabriken wirklich auf dem Reiseprogramm stehen sollte, muss wohl jeder Toulouse-Tourist mit sich selbst ausmachen. Bus- und somit großgruppenweise werden die Interessierten durchgeschleust. Nach einer kurzen Filmvorstellung im Empfangszentrum, in der beinahe schon alles gesagt und gezeigt wird, geht es auf die Rundtour. Um den Aéroport Toulouse-Blagnac herum – internationaler Verkehrs- und Werksflughafen in einem – geht die Fahrt auf das Betriebsgelände, das mit 700 ha Ausdehnung so groß ist, dass eigene Linienbusse verkehren. Vorbei an diversen Verwaltungs- und Montagehallen, an der Heimstatt der „Beluga“-Flotte (den großkopferten Airbus-Transportern mit dem verspielt freundlichen Gesichtsausdruck) geht es eben bis zur erwähnten Endmontage der heute größten Flieger im Repertoire. Die Zeiten des A 380 sind vorbei, im März vergangenen Jahres zog der letzte von dannen – der vierstrahlige Mega-Jumbo hat sich bei den Airlines nicht richtig durchgesetzt, wurde nur rund 250-mal gebaut, der letzte ist gerade ausgeflogen.
Die Dimensionen bei Airbus sind schwer zu fassen für Laien, das gilt auch für die Tatsache, dass die Einzelteile, die hier zusammengesetzt werden, an den zahlreichen europäischen Standorten des Konzerns gebaut und aufwendig nach Toulouse transportiert werden müssen.

Aéroscopia gibt bessere Einblicke

Eindrücklicher weil im wahrsten Wortsinn greifbarer für Flugzeug-Enthusiasten sind die ausgestellten Maschinen im Aéroscopia – direkt neben den nunmehr ausgedienten A-380-Hallen in der Vorstadt Blagnac. Hier sind sie alle im Original zu bestaunen und zu begehen, die Legenden, die in Toulouse geboren wurden und dazu beitrugen, die Stadt als europäische Luftfahrtmetropole Nummer 1 zu prägen. Gleich zwei Concordes haben hier ihren letztes Gate gefunden – Exemplare jener lautstarken Überschalljets aus den späten 1960ern, die kurz nach der Jahrtausendwende im Nachgang zum tragischen Unglück von Paris aus dem Verkehr gezogen worden waren und ihren Jungfernflug auf der Startbahn gleich nebenan absolvierten. Auch ein A 380 zeigt sich hier in seinen beeindruckenden Ausmaßen, dazu Fluggeräte aus der Pionierzeit, Simulatoren und das erste Airbusmodell überhaupt: Mit dem ab 1972 ausgelieferten A 300 hatte es seinerzeit angefangen mit dem europäischen Luftfahrtkonzern, der allein in Toulouse rund 20 000 Beschäftigte zählt. Auch die A330, die unter dem Namen "Siegen" für die Lufthansa unterwegs ist, wurde 2004 hier montiert.

Frankreichs "rosa Stadt" lockt mit Vergnügen

Antoine de Saint-Exupéry startete hier Pilotenkarriere

Ihre Rolle als europäische Luftfahrt- und auch Weltraummetropole verdankt die „rosa Stadt“ an der Garonne einer langen Tradition. Schon vor mehr als einem Jahrhundert wurden hier Flugzeuge gebaut und erste Fluggesellschaften betrieben. Prominente Pioniere der Luftpost wie Antoine de Saint Exupéry – Schöpfer des „Kleinen Prinzen“ – starteten von hier aus in die Lüfte und ihre Pilotenkarriere, bauten die ersten Luftfrachtrouten nach Nordafrika auf. Der wahre Volltreffer für die Freunde der Fliegerei liegt indes einen Steinwurf entfernt von den offiziellen Airbus-Stätten: Der Verein „Les ailes anciennes“ (übersetzt „die alten Flügel“) bietet auf seinem kleinen Museumsgelände die imposantesten Einblicke. Ehrenamtliche Enthusiasten, viele von ihnen waren oder sind selbst in der Luftfahrtindustrie beschäftigt, retten seit vier Jahrzehnten ausgemusterte Flugzeuge und Hubschrauber vor Verfall und Schrottplatz, finanzieren dies über moderate Eintrittsgelder, Aktionen und Gönner. Mit Leidenschaft und Ausdauer bringen sie die nach Blagnac geschafften Flieger auf Vordermann – nicht zum Fliegen, sondern zum Bestaunen und Betasten.

"Siegen" verbindet Kontinente (mit Video)

Eine Flugzeugsanierung dauert viele Jahre

Viele Jahre kann die Sanierung eines Flugzeugs in Anspruch nehmen, Ersatzteile liegen nicht auf Lager, müssen aufgetrieben oder passgenau hergestellt werden. „Es ist wie bei einem alten Haus“, schmunzelt Vizepräsident Patrick Dabas. „Du weißt nie, was dich als Nächstes erwartet.“

Handarbeit: Bei den Ailes Anciennes wird stets und ständig gewerkelt.
  • Handarbeit: Bei den Ailes Anciennes wird stets und ständig gewerkelt.
  • Foto: Jan Schäfer
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An einer alten Bréguet Deux-Ponts aus den 50ern, liebevoll „Brigit“ (wie die Bardot!) genannt, werkeln die „alten Flügel“ bereits seit über zehn Jahren. „Das ist auch gut so“, schmunzelt Dabas. „Wir brauchen schließlich auch immer ein Objekt in Arbeit, das wir vorzeigen können.“ Darüber fachsimpeln können er und seine Mitstreiter über Stunden – mit einer Begeisterung, die ansteckt.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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