Gotland hat es in sich
Trüffel-Safari in der Ostsee

Auf der Zielgeraden der Suche muss Harry zuschauen.
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nja Gotland. Barbarotti und Harry verbindet zweierlei: Schnüffeln gehört zu ihrem Geschäft, und in diesem Herbst sind sie in dieser Mission auf Gotland unterwegs. Der eine ist ein bekannter Ermittler, fiktiv allerdings, aus der Feder des auf Gotland lebenden Schriftstellers Håkan Nesser. Der andere ist gerade einmal sechs Jahre alt – und ein waschechter Trüffelspürhund. Ja, richtig gehört: Die größte schwedische Insel hat es auch im wahrsten Sinne des Wortes in sich: Gedeihen die ebenso unansehnlichen wie edlen Pilze hier doch hervorragend und in exzellenter Qualität in der freien Natur – von Anfang Oktober bis zum ersten Frost.

Trüffel-Festival im November

 Dann können nicht nur Harry und seine vierbeinigen Kollegen das schwarze Gold erschnüffeln: Dann nämlich liegt der Duft der erdigen Nobelknolle vielerorts in der Luft, wenn die Restaurants die Bodenschätze auf ganz kreative Weise in Gaumenschmaus verwandeln und kredenzen. Wenn Delikatessen wie Trüffelöl, -butter oder -honig – gern auch mit einem „Schuss“ gotländischem Whisky verfeinert – probiert werden dürfen. Die Gotländer widmen der „Knolle“, die dort in den 1970er-Jahren eher zufällig entdeckt wurde, gar ein eigenes November-Festival.
Harry ist ein italienischer Lagotto Romagnolo und wurde von Frauchen Susanne Welin-Berger, sie ist eine d e r Trüffelexpertinnen Schwedens und baut sie mittlerweile auch selbst an, zum Spürhund ausgebildet. Unter Eiche und Haselnuss gedeiht der gotländische Trüffel trefflichst. Unterstützt von Visit Sweden durfte die SZ nun an einer Suche teilnehmen – und dabei miterleben, wie Harry im Wald bei Fjäle Ängar, kaum von der Leine gelassen, losspurtet, die Nase dicht über dem Boden. Wie er abrupt abbremst und mit den Vorderbeinen Erde hinter sich schaufelt, als gäbe es kein Morgen mehr. Es ist ein unterhaltsames Schauspiel: Immer wieder steckt er seinen Kopf tief in seiner Pfoten Arbeit, nimmt Witterung auf, schnaubt (oder niest?) kurz, um sogleich weiterzubuddeln.

Trüffelhund statt -schwein

Scharf beobachtet von Susanne Welin-Berger, die zu gegebener Zeit eingreift: Entweder, um den freigelegten schwarzen Trüffel vorsichtig aus dem Erdreich oder aus Harrys Schnauze zu befreien. Zum Dank gibt es ein pilzfreies Leckerli – und schon düst Harry fünf, sechs Meter weiter. Das Buddeln geht von vorne los. Binnen nicht einmal 30 Minuten hat sich ein Teller mit Trüffeln gefüllt. Chapeau, Harry! Guter Hund! Angesichts der erfolgreichen „Safari“ erübrigt sich die Frage, eigentlich. Und doch möchte die Laiin von Susanne wissen: „Warum bildest du Hunde aus – und keine Trüffelschweine?“ Die Antwort überrascht, macht Sinn – und wird als rhetorische Gegenfrage formuliert: „Möchtest du einem Schwein in den Mund fassen?“ Nein. Möchte ich ganz sicherlich nicht!
Der Hain bei Fjäle Ängar befindet sich in Privatbesitz – und somit darf man hier auch nicht einfach nach dem Pilz suchen. „Wir haben eine Vereinbarung getroffen“, erklärt Susanne den „kleinen Dienstweg“: Für jedes ausgebuddelte Kilo wird ein Freundschaftspreis gezahlt. Wie viel das schwarze Gold auf dem Markt einbringen wird, hängt von der Saison ab. Rund 6000 Kronen (eine Krone entspricht etwa 0,10 Euro) pro Kilo dürften in diesem Jahr wohl drin sein, so die Expertin.

Kulinarik und Historie

Kulinarik lässt sich auf Gotland übrigens allerorten mit Ausflügen in die bewegte Historie und natürlich die oft wunderbar-ungestüme Landschaft verbinden. Auch in und nahe Fjäle Ängar im „mittleren Osten“: Hier nämlich gibt es Funde, die auf eine Besiedlung zwischen 100 vor Christus und der Mitte des 14. Jahrhunderts hinweisen. Münzfunde belegen, dass der Fjäle-Hof seit der Mitte der späten Eisenzeit bewirtschaftet wurde. Ein Stallgebäude wurde restauriert, das frühere Wohnhaus rekonstruiert.

Mystische Rauken und ältester Badeort

Keine halbe Stunde Autofahrt ist nötig, um dem ältesten Badeort Gotlands – Ljurgarn – einen Besuch abzustatten: Seit dem späten 19. Jahrhundert kultivieren die Gotländer hier die Erholung am Strand und im Meer. Direkt nebenan lockt das Naturschutzgebiet Folhammar mit faszinierenden Rauken: Eine bis zu 6 Meter hohe Kalksteinsäule reiht sich an die nächste. Hier braucht es kein Übermaß an Phantasie, um Gesichter zu erkennen, Fabelwesen oder Tiere. Die Skulpturen sind ein Resultat des Zusammenspiels von Wetter und Meer: Weiche Gesteinsarten wurden im Laufe der Jahrtausende ausgewaschen und erodiert. Allein der „kernige“ Kalkstein hielt stand – und verwandelte sich in mystische Figuren. Sie gibt es vielerorts an der Küste Gotlands und ihrer nördlichen Schwester Fårö.
Neue Fähre von Rostock nach Visby

Fähre ab Rostock

Seit diesem Jahr gibt es übrigens ein neues Angebot, sich Gotland zu nähern: Per Nachtfähre ab Rostock. Einmal in der Woche steuert sie bislang die Hauptstadt Visby an, über die alsbald an dieser Stelle erzählt wird. 2022 soll ein zweiter Tag hinzukommen.                                      Anja Bieler-Barth

Die meisten Besucher reisen mit der Fähre vom schwedischen Festland an, die auch Autos mitnimmt. Die Reederei Destination Gotland steuert Gotland von zwei Häfen aus an: Nynäshamn südlich von Stockholm und Oskarshamn in Småland. Die Überfahrt dauert in beiden Fällen etwa drei Stunden, Ankunft ist in Visby. Die Fähre von Hansa Destinations verkehrt drei Mal die Woche zwischen Rostock und Nynäshamn vor den Toren Stockholms; eine Tour davon macht einen Stopp in Visby.
https://www.hansadestinations.com/de/passagiere/

Visby hat auch einen kleinen Flughafen. Das ganze Jahr über fliegt die Fluggesellschaft SAS ab Stockholm Arlanda.
www.visitsweden.de/gotland
www.destinationgotland.se/de

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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