Olivenfarm auf Kreta
Verliebt in das Leben mit Land und Leuten

Die US-Amerikanerin Julien und der Grieche Giannis haben sich mit der Olivenfarm ein neues Zuhause auf Kreta geschaffen.
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Mit der Olivenfarm zu Füßen der Weißen Berge von Kreta haben die Amerikanerin Julien und der Grieche Giannis ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Coronakrise zwingt sie nun zur Kreativität.

js Litsarda. Die Zeit war offenbar reif für eine Veränderung. „Ich habe ein neues Kapitel aufgeschlagen  in meinem Leben“, erzählt Julien Andres, und schlendert mit ihren Besuchern durch Beete, streift durch Kräuter und Sträucher, zupft ein paar Blätter ab und inhaliert das herrliche Aroma. 2017 hat es die US-Amerikanerin auf die griechische Insel Kreta verschlagen. Die Liebe zu Land und Leuten, vor allem aber zu ihrem Mann Giannis, hat sie Wurzeln schlagen lassen. Als Köchin hatte sie zuvor in Bäckereien, Cafés und Restaurants ihrer Heimatstadt Seattle gearbeitet, bevor sie zehn Jahre lang ihr eigenes kleines sizilianisches Restaurant führte. Schon in dieser Zeit ließ sie sich zur Yoga-Lehrerin ausbilden, gab Kurse, reiste um die Welt – bis sie Giannis und mit ihm die Olivenfarm entdeckte.

Ein Fleckchen Erde zum Verlieben

Der Besucher kann es der 49-Jährigen kaum verdenken, dass sie nicht mehr fort wollte von diesem Ort, einem Fleckchen Erde zum Verlieben. Seit knapp sechs Jahren baut Giannis die gut vier Jahrzehnte alte Farm im Dörfchen Litsarda aus, eine Dreiviertel-Autostunde von Chania entfernt, weit weg vom Trubel und abseits ausgetretener Touristenpfade. Das Stück Land am Fuß der Weißen Berge hat er von einem kretischen Paar gepachtet, den alten Pferdestall in ein rustikales Wohnhaus umgebaut und Wurzeln geschlagen. Auch Giannis Bouleros hat die Landwirtschaft nicht mit der Muttermilch aufgesogen. Jahrelang hatte der engagierte Menschenrechtsaktivist als Barkeeper, Koch und Eventmanager gearbeitet, anschließend feierte er als Fußball-Schiedsrichter Erfolge. „Soziale Gerechtigkeit hatte für mich immer Priorität“, sagt er. Mit der Gründung von „The Olive Farm“  habe er ein Touristenmodell entwickeln wollen, das die Menschen vor Ort unterstütze und zum Wirtschaftswachstum beitrage. In natürlicher Umgebung mit Gleichgesinnten zu arbeiten – diese beiden Zutaten schmecken dem kommunikativen Griechen besonders gut. Biologischer Anbau ist Ehrensache für Giannis und Julien. Und das betrifft nicht allein die namensgebenden Olivenbäume, deren Früchte als Grundlage für die Hausprodukte wie Öl und Seife dienen. Das Paar liebt es und ist geübt darin, Gäste aus der ganzen Welt zu empfangen, zu unterhalten und zu begeistern.

Chania: Charmant, charismatisch und charakterstark

"Farm to table" mit Touristen

Mit den Erzeugnissen ihrer Farm führen die Beiden Kochkurse durch, zeigen den Touristengruppen, welch herrliche Speisen sich in geselliger Runde zaubern lassen, welch wunderbare Aromen die Mittelmeerinsel zutage fördert. Gemeinsam schnippeln, kochen und klönen, später essen und genießen. „Farm to table“ heißt das Konzept. Stressfrei, unter freiem Himmel auf der großen Terrasse mit Holzofen wird zubereitet und gekocht, das Essen nicht nur mit Kräutern garniert und gewürzt, sondern auch mit der einen oder anderen Anekdote. Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln, Paprika, Äpfel, Knoblauch, Quitten, Kräuter: Grob gewürfelt, gehackt oder geschnitten landen sie mit Lammfleisch im Bräter und werden im Ofen sanft geschmort. „Kleftiko“ heißt diese traditionelle Speise, „Räubertopf“ auf Deutsch – benannt nach den Klephten, den Rebellen im Freiheitskampf der Griechen gegen die osmanische Herrschaft. Das Ergebnis ist von unbeschreiblicher Köstlichkeit.

Kostproblen auf Schritt und Tritt

Bis es fertig und solange die Ofenklappe geschlossen ist, bleibt Zeit zum Schlendern und Erkunden. Julien führt gerne über die Farm. Keine starren Strukturen, keine Zäune trennen die Beete und Sträucher, hier wird experimentiert und ausprobiert, was das Herz begehrt und der Boden hergibt. Kostproben sind stets griffbereit – überall darf geschnuppert und probiert werden, sagt die Farmerin. „Greift zu!“ Der stattliche Hofhund „Frodo“ hält Wache und freut sich über Aufmerksamkeit. Viele Details laden zum Verweilen oder Schmunzeln ein. Ein altes Bettgestell aus Metall etwa, einladende Sitzecken oder gemütliche Hängematten. Yoga unter freiem Himmel – auch das gehört zum Angebot der Olivenfarm. Chefin Julien hat eigens dafür eine Freiluftfläche reserviert. Im Schatten der Olivenbäume gibt sie Kurse, trainiert mit ihren Eleven Geist und Körper im Einklang, na klar, mit der Natur.

Selbstgemachter Tirozouli

Der Hunger macht sich bemerkbar, langsam geht es zurück zur gedeckten Tafel auf der Terrasse, Wein und Raki stehen bereit. Auch der Tirozouli darf gleich nicht fehlen: Wie die meisten Speisen der Insel ist der typisch kretische Frischkäse kein Hexenwerk: Schafs- oder Ziegenmilch wird in einem Topf bei permanentem Umrühren auf exakt 60 Grad gebracht. Ist die Temperatur erreicht, wird Zitronensaft hinzugegeben – die Säure sorgt im Nu dafür, dass sich Fett und Molke trennen. Der Inhalt des Topfes wird durch ein Tuch geschüttet, der Käse bleibt darin zurück, wird behutsam ausgedrückt und eine Zeitlang zum Trocknen aufgehängt.

Das grüne Gold des ewigen Baumes

Corona-Krise macht kreativ

Corona hat auch Kreta erwischt. Selbst wenn die Griechen noch einigermaßen milde durch die Pandemie kamen im Sommer 2020, brach die Tourismusbranche ein, die Gäste blieben weg – auch die Olivenfarm stand vor einem Problem. „Wir mussten kreativ sein, was wir mit unseren Produkten anstellen sollten“, erklärt Julien. Die Idee kam schnell, und sie kam an: „Wir haben damit begonnen, Körbe mit unseren Produkten zusammenzustellen und sie in Apokoronas und Chania zu verkaufen.“ Der Erfolg gab ihnen Recht – auch in diesem Frühjahr möchten sie an dieser Vertriebsform der kommunalen Landwirtschaft festhalten. „Manchmal ergänzen wir unsere Angebote mit Produkten von Nachbarfarmen.“ Doch damit nicht genug: Julien und Giannis entwickeln derzeit ein Volunteer-Programm. Der Gedanke ist es, ähnlich denkende Menschen aus der ganzen Welt auf die „Olive Farm“ kommen und dort als freiwillige Helfer mitzuwirken zu lassen. Als Lohn winken Kost und Logis, vor allem aber ein unvergessliches Erlebnis. Not macht erfinderisch, das gilt auch für eine Pandemie.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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