Im Norden Griechenlands: Ioannina (Update: Fotoserie Athen)
Zwischen Tradition und Moderne

Das antike Theater von Dodona.
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nja Ioannina.  Tradition und Moderne, eine multikulturelle Historie und der Aufbruch ins Morgen: All das vereint das pulsierende Universitätsstädtchen Ioannina, die Hauptstadt der griechischen Provinz Epirus. Zu den rund 110 000 Einwohnern gesellen sich mittlerweile ca. 20 000 Studenten in dieser auf 480 Metern Höhe gelegenen Stadt am Ufer des vor rund 23 0000 Jahren entstandenen Sees Pamvotida. Ioannina mit seiner Altstadt, seinen vielen steinernen (und silbergeschmiedeten) Zeitzeugen, ist selbst einen ausgedehnten Besuch wert, aber auch ein guter Ausgangspunkt, um die noch nicht dem Massentourismus verfallene Provinz Epirus zu erkunden: Die steinernen Dörfer und Brücken der Zagori sowie die Vikos-Schucht sind da nur zwei Beispiele (die SZ berichtete).
Zwei Zitadellen prägen das Stadtbild. Schmale Gässchen, Uferpromenade, kleine Boutiquen, gastfreundliche Lokale, Museen, die von der wechselvollen Geschichte erzählen, Moscheen und die hinter einer Festungsanlage auf einer Halbinsel in den See ragende Altstadt, auf einer Halbinsel gelegen, von den Mauern der Festung umrandet: Dort lebten jahrhundertelang Juden, Christen und Muslime zusammen. Normannen, Byzantiner, Griechen, Serben, Florentiner, Osmanen – sie haben sich bildlich gesprochen in Ioannina die Klinke in die Hand gegeben. Präziser ausgedrückt, ist die Stadt reich an Eroberungen. Insbesondere die Türken haben bleibende (architektonische) Spuren hinterlassen – nicht nur der berühmt-berüchtigte und mythenumwobene Ali Pasha, der „Löwe von Ioannina“ (1740 bis 1822). In seinem Museum, das einem traditionellen Ioannina-Haus aus dieser Zeit ähnelt, wird sein Leben bis zur Ermordung im Kloster von Agios Panteleimon beleuchtet. Es lohnt sich, einen lokalen Stadtführer zu buchen, der die oft leidvolle Geschichte von Stadt und Provinz zu Leben erweckt!
Im Boot lässt es sich auf eine kleine Insel Nisi übersetzen, die zur Blütezeit mit ihren Klosteranlagen zum geistigen Zentrum der Region zählte: Man glaubt es ehrlich gesagt erst, wenn man die Anlegestelle mit ihren Tavernen und Nippeslädchen bergaufwärts hinter sich gelassen hat. Wer Glück hat, der darf die Pforte zum Kloster des Heiligen Nikolaus der Philanthropinen durchschreiten – eine atemberaubende Zeitreise. Die nahezu flächendeckenden Fresken stammen aus dem 16. Jahrhundert: Ikonen, aber auch ein Wandbild, das die antiken griechischen Philosophen zeigt. Fotografieren ist verboten; eine in dieser Hinsicht durchaus beeindruckende Strenge ausstrahlende Nonne begleitet unsere Gruppe (organisiert von Discover Greece) mit Adleraugen. Wie sie stumm so dasteht, ein Smartphone in den Händen, umrahmt von kunstvoller spätbyzantinischer Kunst: Das wäre ein Foto gewesen! Doch der Respekt vor der Bewahrung dieses kulturellen Guts obsiegt dann doch.
Zurück zu den weltlichen Genüssen, die sowohl verspeist als auch abgelichtet werden dürfen. Nahe Ioannina zaubert der Familienbetrieb von Nikos Kolionasios aus erlesenen Zutaten „kosmopolitische Baklava“ – jährlich in millionenfacher Ausführung und auch für den weltweiten Export. Dennoch ist hier Handarbeit angesagt! Die klassischen Zutaten neben Honig und Sirup – z. B. Pistazien, Walnüsse und Mandeln – gehören ebenso zum Repertoire wie Rosenwasser, Granatapfel, Orangen oder Kürbiskernen und Olivenöl: Die Familie experimentiert gern und ist durchaus stolz nicht nur auf ihre zuckerfreie Süßigkeit (www.baklava.gr).
Ob die Besucher des ältesten Orakels Griechenlands auch schon diese klebrigen Teigröllchen verspeist haben? In der Ausgrabungsstätte Dodona, 22 Kilometer von Ioannina entfernt, gibt es viele Antworten – auf diese Frage allerdings nicht. Historiker gehen davon aus, dass das Tal schon im 2. Jahrtausend vor Christi Geburt besiedelt war. Hier wurde dem Hauptgott Zeus gehuldigt. Er wohnte im Stamm einer heiligen Eiche: Und so erfolgten die Weissagungen, nachdem man dem Rauschen der Blätter oder dem Klang eines Kessels gelauscht und den Flug der Tauben in Augenschein genommen hatte.
Der Hingucker in Dodona aber ist das 18 000 Besucher fassende Amphitheater, das seit Jahrzehnten restauriert wird und eines der größten des antiken Griechenland war. König Pyrrhus gilt als Gründer im 3. Jahrhundert vor Christus. Das Theater wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut und in den Zeiten der römischen Besetzung als Arena genutzt. Im 19. Jahrhundert erst begannen die archäologischen Ausgrabungsarbeiten, in deren Folge u. a. auch Tempel, ein römisches Gebäude, ein Stadion und eine christliche Basilika zählen, entdeckt und für die Nachwelt sichtbar wurden. Eingebettet in die rauh-liebliche Natur des Epirus mit seinen Gebirgen,
Tälern und Flüssen ...
Ioannina, die Hauptstadt von Epirus, verfügt über einen eigenen, überschaubaren Flughafen und liegt rund 410 km von Athen entfernt im Nordwesten Griechenlands.
Aegean Airline fliegt die Stadt z. B. von Athen aus an (https://de.aegeanair.com). Der Flug dauert etwas über eine Stunde. Direktflüge nach Athen starten z. B. in Düsseldorf.
Über eine relativ neue Straße ist Thessaloniki etwa zwei Autostunden entfernt.
Informationen über alle Regionen Griechenlands vermittelt Discover Greece – im Internet zu finden unter www.discovergreece.com/de.
Übernachtungsmöglichkeit in Ioannina:  Epirus Palace Hotel, www.epiruspalace.gr.

Anja Bieler-Barth

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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