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Metallindustrielle bekommen Pandemie zu spüren
Coronavirus lässt Konjunktur kriseln

js Siegen/Bad Berleburg. Die Anlagen- und Maschinenbauer sind nicht die am ärgsten Gebeutelten der Coronapandemie – doch auch sie bekommen sie deutlich zu spüren. So lassen sich die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage zusammenfassen, für die der Verband der Siegerländer Metallindustriellen (VdSM) seine Mitgliedsunternehmen gefragt hat. Zwei Drittel von diesen haben geantwortet – das ist mehr als im Vorjahr. Gemeinsam zeichnen die Antworten dieses Bild: Die Geschäftslage war im abgelaufenen Jahr deutlich schlechter als im Vorjahr.

Der Anteil der Unternehmen, die sich in dieser Hinsicht 2019 noch die Note „befriedigend“ ausgestellt hatten, liegt bei nur noch 35 Prozent (2019: 65 Prozent). Das Urteil „schlecht“ fällten 39 Prozent der Teilnehmer (2019: 15 Prozent).

js Siegen/Bad Berleburg. Die Anlagen- und Maschinenbauer sind nicht die am ärgsten Gebeutelten der Coronapandemie – doch auch sie bekommen sie deutlich zu spüren. So lassen sich die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage zusammenfassen, für die der Verband der Siegerländer Metallindustriellen (VdSM) seine Mitgliedsunternehmen gefragt hat. Zwei Drittel von diesen haben geantwortet – das ist mehr als im Vorjahr. Gemeinsam zeichnen die Antworten dieses Bild: Die Geschäftslage war im abgelaufenen Jahr deutlich schlechter als im Vorjahr.

Der Anteil der Unternehmen, die sich in dieser Hinsicht 2019 noch die Note „befriedigend“ ausgestellt hatten, liegt bei nur noch 35 Prozent (2019: 65 Prozent). Das Urteil „schlecht“ fällten 39 Prozent der Teilnehmer (2019: 15 Prozent). Der Anteil der Betriebe, deren Geschäftslage 2020 „gut“ war, blieb hingegen mit 23 Prozent einigermaßen stabil (2019: 26 Prozent).

Negativtrend bei Ausblick

Beim Blick nach von zeigt sich ein ähnliches Bild: Lediglich 13 Prozent der Unternehmen erwarten in den kommenden sechs Monaten eine bessere Geschäftsentwicklung. 47 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung aus. 41 Prozent indes rechnen mit einer Verschlechterung. Auch hier lasse sich ein Negativtrend ablesen, erklärt Dr. Thorsten Doublet, Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände, in einem Pressegespräch.

Noch deutlicher zeige sich dies beim Blick auf die Auftragseingänge. Beim so wichtigen Exportgeschäft gehen 56 Prozent der Unternehmen von einer schlechten Auftragslage aus (2019: 23 Prozent). Mit einer „befriedigenden“ Auslastung der Auftragsbücher rechnet ein Viertel der Befragten, im Vorjahr waren das 58 Prozent. Bei den Inlandsaufträgen ist die Negativtendenz nicht ganz so deutlich ausgeprägt. 38 Prozent der Befragten bezeichnet die Lage in diesem Bereich als „befriedigend“ (2019: 54 Prozent). „Schlecht“ lautete die ernüchternde Einschätzung von 34 Prozent der Teilnehmer (2019: 23 Prozent).

Baugewerbe ohne Auswirkungen

Hier gebe es übrigens Unterschiede zwischen den Branchen: Während es für die Unternehmen, die im Baugewerbe unterwegs seien, durchgängig weitergelaufen sei, hätten die Maschinenbauer teilweise noch Aufträge aus dem Vorjahr gehabt. Bei den Autozulieferern sei es im ersten Lockdown bergab gegangen, zum Jahresende hätten sie wieder zulegen und konsolidieren können. Aber, so verdeutlicht Dr. Doublet mit Blick auf die Wirtschaftlage: „Der Aufholprozess kann nicht in diesem Jahr abgeschlossen sein. Wir sind auf ein niedriges Level abgerutscht.“

Kein Wunder, dass sich dies alles auch auf die Ertragslage und die Erwartungshaltung der Unternehmen auswirkt. Der Anteil derer, die hier „schlecht“ ankreuzten, ist um fünf Prozentpunkte gestiegen im Vergleich zum Vorjahr (von 42 auf 47 Prozent). Nur 31 Prozent antworteten mit „befriedigend“ (2019: 46 Prozent). Bei den Erwartungen für die kommenden sechs Monate sind die Unternehmer noch zurückhaltender. 41 Prozent von ihnen erwarten eine Verschlechterung (2019: 27 Prozent).

Personalabbau bei über 20 Prozent

Wie sieht es mit der Belegschaft aus? Keine personellen Veränderungen stehen bei 41 Prozent der Betriebe an. 9 Prozent von ihnen planen Neueinstellungen, 21 Prozent hingegen gehen von einem Personalabbau aus. Mit Kurzarbeit in den nächsten sechs Monaten rechnen 65 Prozent der Unternehmen. Dennoch: Bei den Ausbildungsplätzen möchten 77 Prozent der Firmen ihre Angebote auch in diesem Jahr aufrecht halten. Mutiger als sie ist jedoch offenbar niemand: Mehr Lehrstellen anzubieten, kommt für keinen der Befragten in Betracht. Die restlichen 23 Prozent rechnen also damit, dass sie weniger Azubis einstellen werden.

Die Investitionsbereitschaft lässt im Inland nach. 41 Prozent der Mitgliedsunternehmen gehen von sinkenden Investitionen aus (2019: 28 Prozent), nur 16 Prozent von ihnen möchten mehr im Inland investieren. Anders sieht das im Ausland aus, dort ist die Investitionsbereitschaft noch immer vorhanden, sie wächst sogar. Woran das liegt? „Die Arbeitskosten in Deutschland sind hoch, es gibt ein rigides Arbeitsrecht, hohe Energiepreise und eine hohe Bürokratie“, liefert Thorsten Doublet eine Erklärung.

Brandbeschleuniger für Digitalisierung js Bürger, Gesellschaft und Unternehmen – sie alle seien von der Coronapandemie vor eine enorme Herausforderung gestellt worden, findet Jörg Dienenthal. Der Vorsitzende des Verbands der Siegerländer Metallindustriellen ist vor allem Unternehmer, und als solcher hat auch er viel dazu lernen müssen in den vergangenen Monaten. Virtuelle Zusammenkünfte in Videokonferenzen, die Verlagerung von Tätigkeiten ins Homeoffice: Insbesondere beim Thema Digitalisierung habe das Virus wie ein „Brandbeschleuniger“ gewirkt. „Vor einem Jahr hätten wir uns noch nicht vorstellen können, dass wir Dienstreisen und Flüge nicht mehr wie gewohnt durchführen könnten“, erklärt Dienenthal in einer zeitgemäß virtuell abgehaltenen Pressekonferenz. Zwangsläufig seien unzählige solcher Reisen ausgefallen – auf einen gewissen Teil davon werde man sicher auch künftig verzichten (können). Bei bestehenden Geschäftskontakten etwa könne auch eine Videoschalte ausreichen. Bei der Neukundengewinnung aber, da ist sich der erfahrene Unternehmer sicher, werde es auch künftig nicht ohne Präsenz-Meetings ablaufen. Dennoch: Wenn auch nur ein Teil der Trips wegfalle, hätte dies auch infrastrukturelle Auswirkungen. „Einige Flieger bleiben für immer am Boden, Zulieferer, Dienstleister und Caterer werden das zu spüren bekommen.“ Es werde zu Anpassungen kommen auf dem Markt. Corona gehört zu den großen Sorgen der Wirtschaft und damit auch der mittelstandsgeprägten Metallindustrie. Daneben gilt Dienenthals banger Blick den noch nicht ganz absehbaren – aber aus seiner Sicht für beide Seiten nachteiligen – Auswirkungen des Brexit. Auch die Gräben, die Ex-Präsident Donald Trump in den als Handelspartner wichtigen USA vertieft habe, sieht der VdSM-Vorsitzende mit Sorge. „Wir müssen die Unternehmen durch die Krise bringen.“ Nach 2008/09 habe das schon einmal funktioniert; und auch jetzt könne die Wirtschaft gestärkt aus dem Tal hervorgehen. „Dafür brauchen wir einen schnellen Tarifabschluss mit Augenmaß.“ Die von der IG Metall geforderte Lohnsteigerung von 4 Prozent sei in der Phase, in der die Unternehmen hart erwischt worden seien, nicht zu leisten. „Das würde den Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten.“ Beim Umgang der Politik mit der Pandemie sieht Jörg Dienenthal viel Aktionismus und mitunter Darstellungssucht einiger Akteure. Ihm fehle vor allem, dass es keine Pläne B und C gebe. „Die Politik agiert anders, als wir das in der Wirtschaft tun müssen.“ Verbandsgeschäftsführer Dr. Thorsten Doublet pflichtet ihm bei. Aktuell ärgert er sich über die anstehende Homeoffice-Pflicht. „Die Unternehmen sind keine Hotspots.“ Wo es möglich sei, werde das Arbeiten von zu Hause ermöglicht. In der Metallindustrie gebe es jedoch Grenzen: „Die Hälfte der Arbeit findet in der Produktion statt.“ Wechselschichten und Abstände würden hier helfen. „Realitätsfern“ sei die Forderung aus Berlin. „Sie geht am Ziel vorbei.“ Und sie bedeute wieder mehr Bürokratie.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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