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Reaktionen auf den harten Lockdown
Die Sorge der Einzelhändler ist groß

Die Händler der Region reagieren auf den zweiten harten Lockdown bis 10. Januar mit Sorge.

tile/ihm Siegen/Wenden. Für Jochen Langenbach ist der zweite Lockdown ab Mittwoch ein Zeichen für das „Komplettversagen der Regierung“. Es sei verpasst worden, die wahren Infektionsherde zu ermitteln und mit differenzierten Konzepten zu reagieren. „Dafür muss der Handel jetzt bluten.“ Ihm sei kein Fall einer Ansteckung im Kundenverkehr bekannt. Durch das Wegfallen der zwei umsatzstärksten Wochen im Jahr, erwartet der Inhaber von Intersport Langenbach in Weidenau ein „riesiges Sterben in unserer Branche“, der Online-Handel hingegen werde bewusst forciert. „Es werden viele über die Klinge springen!“
Jahresverlust vergrößert sichMit der erneuten Zwangsschließung vergrößert sich der Jahresverlust seines Umsatzes auf 25 Prozent.

tile/ihm Siegen/Wenden. Für Jochen Langenbach ist der zweite Lockdown ab Mittwoch ein Zeichen für das „Komplettversagen der Regierung“. Es sei verpasst worden, die wahren Infektionsherde zu ermitteln und mit differenzierten Konzepten zu reagieren. „Dafür muss der Handel jetzt bluten.“ Ihm sei kein Fall einer Ansteckung im Kundenverkehr bekannt. Durch das Wegfallen der zwei umsatzstärksten Wochen im Jahr, erwartet der Inhaber von Intersport Langenbach in Weidenau ein „riesiges Sterben in unserer Branche“, der Online-Handel hingegen werde bewusst forciert. „Es werden viele über die Klinge springen!“

Jahresverlust vergrößert sich

Mit der erneuten Zwangsschließung vergrößert sich der Jahresverlust seines Umsatzes auf 25 Prozent. Schon das Frühjahr habe man nur dank eines KfW-Kredits überstanden, jetzt wird Jochen Langenbach erstmals ab Mittwoch sein Team in Kurzarbeit schicken müssen. „Es geht um 17 Mitarbeiter und deren Familien“, sorgt sich der Händler. Kunden können weiterhin über die Homepage aus dem Bestand des Sportgeschäftes bestellen.

Als Bürger habe er Verständnis, als Händler täten ihm die Maßnahmen weh, sagt Heinjochen Fuchs. Zwar darf er als Optiker seine Läden in Siegens Oberstadt und in der City-Galerie öffnen, aber Umsatz werde das nicht generieren. „Die Auftragsbücher sind voll, wir werden gut zu tun haben, weil Brillen bei uns in der Regel nach zwei Wochen abgeholt werden.“ Aber neue Aufträge werden wohl keine während des Lockdowns reinkommen, so die Erfahrung aus dem Frühjahr. Das entspreche der Absicht der Politik: „Die Leute sollen ja nicht einkaufen gehen, das ist nicht gewollt.“ Die Crux: Durch die Möglichkeit der Öffnung, „gehen die finanziellen Hilfsmaßnahmen an uns vorbei“.

Trotzdem ist Heinjochen Fuchs zuversichtlich, die Krise zu überstehen. Er bezweifelt aber, dass ab dem 10. Januar Normalität einkehrt. „Januar und Februar kann man im Prinzip abhaken“, fürchtet er. Dauert der Lockdown noch länger, „dann wird es den Einzelhandel wie wir ihn kennen nicht mehr geben.“

Geld fließt in Online-Handel ab

„Das kostet uns ein Heidengeld“, bestätigt Christoph Burghaus von Burghaus Mode in Betzdorf. „Wir haben auf Weihnachten gehofft.“ Nun bleiben nur noch zwei Tage. Dadurch fehlen Gelder, „die einem das Leben im nächsten Jahr erleichtert hätten“. Das Unternehmen wird diesen Nackenschlag wohl überstehen, aber mit Telefon-Beratung, Video-Call, Gutscheinen und dem Onlineshop werde dauerhaft kein großer Umsatz generiert.
Besonders frustrierend: „Der Handel ist kein Treiber der Infektionen“, spricht Burghaus vielen Händlern aus der Seele. Und er schaut über den eigenen Tellerrand hinaus: „Geld fließt nun in den Online-Handel ab, gleichzeitig geht viel Wertschöpfung für unsere Region verloren.“

„Wirtschaftlich ist das mega-schlimm, aber jetzt kann ich wenigstens planen“, sagt Floristin Daniela Daniel aus Wenden. Das heißt: Geplante Bestellungen neuer Frischware braucht sie nicht aufgeben. Zur Abholung der noch ausstehenden Aufträge will sie von Mittwoch bis Samstag noch für ihre Kunden in „Danni’s Blumenladen“ sein, dann aber ganz schließen. Für Trauerfeiern bleibe sie weiter ansprechbar. Bis zum 10. Januar seien die Ausfälle irgendwie zu stemmen, „aber dann muss es eigentlich sofort wieder losgehen.“

Rücklagen schwinden

„Wir hatten gehofft, dass wir wenigstens bis zum 20. Dezember das Geschäft noch offenhalten dürfen, aber jetzt ...“ Friseurmeisterin Martina Becker, die seit fast 30 Jahren in ihrem Ferndorfer Frisurenstudio überwiegend Stammkundschaft bedient, fuhr sofort nach Bekanntgabe der neuen Beschlüsse in den Salon und wälzte das Terminbuch. Kundinnen, die ab dem 16. Dezember einen Termin hatten, bekamen das Angebot, sich noch schnell am Montag oder Dienstag schön machen zu lassen.
„Die ersten sechs Wochen im Frühjahr waren schon hart, da habe ich meine Rücklagen einsetzen müssen. Danach konnten wir das nicht aufholen, denn die Zahl der Kunden im Laden war ja begrenzt. Noch drei Wochen Lockdown schaffe ich, aber danach wird es wirklich eng!“

„Wir haben aus dem ersten Lockdown gelernt“, sagt Uwe Peter von EP: Peter in Kirchen. Montag und Dienstag will er nochmal bis 22 Uhr öffnen. Ab Mittwoch sollen Kunden die Waren „so kontaktlos wie möglich bei uns bekommen“. Bestellungen werden telefonisch oder über den Online-Shop angenommen und verschickt oder ausgeliefert und installiert wenn nötig. Selbstabholen soll über eine Art Schleuse möglich werden. Für seine Mitarbeiter hat er Schnelltests besorgt. Den Lockdown könne er zu 100 Prozent mit tragen, er sei aber auch in der glücklichen Lage, den wirtschaftlichen Ausfall zu verkraften und die kommenden Wochen zu überstehen. Das sei sicher nicht bei allen der Fall.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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