Urteil des Oberverwaltungsgerichts
Enttäuschung bei Befürwortern der Route 57

Dieses Foto steht sinnbildlich für den Stand der Dinge in Sachen Südumgehung Kreuztal. Das OVG-Urteil vom Freitag hat heftige Reaktionen hervorgerufen.
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  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

sz Kreuztal. Die Kreuztaler Südumgehung muss – um in der Verkehrssprache zu bleiben – in die Warteschleife. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hat dem Reit- und Fahrverein Kindelsberg Recht gegeben und die Abwägung zu Ausgleichsflächen als fehlerhaft eingestuft (die Siegener Zeitung berichtete). Nun stellt sich die spannende Frage, wie es mit dem Projekt weitergeht, das der Auftakt der Ortsumgehungskette bis ins Wittgensteiner Land werden soll.
Zunächst mal warte ihre Behörde ab, bis das Urteil in schriftlicher Form vorliege, erklärt Julia Ollertz, Sprecherin von Straßen NRW Südwestfalen, auf Anfrage. Fakt sei, dass das OVG den Planfeststellungsbeschluss nicht aufgehoben habe und auch weitere Klagepunkte abgewiesen seien: „Das bestätigt uns in der Auffassung, dass wir ordentlich geplant haben.“ Der nächste Schritt sei, dass es in Gesprächen mit der verantwortlichen Behörde, der Bezirksregierung Arnsberg, darum gehe, einen gemeinsamen Weg zu finden, so Julia Ollertz. Dabei gehe es natürlich auch um Ergänzungen zum vorliegenden Planfeststellungsbeschluss. Die aktuelle Entwicklung in Kreuztal ist vor allem aus Sicht der Wittgensteiner Unternehmen niederschmetternd – so lassen sich zumindest die Reaktionen interpretieren: „Das Urteil ist ein herber Rückschlag – nicht nur für die Stadt Kreuztal. Das für die Menschen in der Region wichtige Aufbruchsignal ist ausgeblieben. Mit der Südumgehung müssen sie nun auch auf den baulichen Einstieg in die Ortsumgehungskette Route 57 weiter warten.

Viel Frust bei den Befürwortern der Route 57

Abermals zeigt sich eindrucksvoll, wie sich wichtige Infrastrukturprojekte immer wieder verzögern. Absurdistan lässt grüßen“, findet Christian Kocherscheidt, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen. Und weiter: „Der Richterspruch ist für uns enttäuschend. Wir hätten uns ein anderes Signal gewünscht. Immerhin kämpft die Region seit Jahrzehnten dafür, dass Wittgenstein und das Siegerland verkehrlich besser miteinander verbunden werden.“
Es sei frustrierend zu sehen, wie die Umsetzung demokratisch gefasster Mehrheitsbeschlüsse zur Route 57 auf Ebene der Gemeinden, des Kreises, des Landes und des Bundes immer wieder ausgebremst werde. Ulf Pöppel, Geschäftsführer der Regupol BSW GmbH in Bad Berleburg, gibt die Hoffnung nicht ganz auf: „Wir hoffen weiter auf die dringend benötigte Ortsumgehung. Aber sie ist am Ende nur ein Teil dessen, was wir uns seit Jahrzehnten wünschen. Wir brauchen die Route 57, weil sie uns am Ende näher zu unseren Kunden bringt und unserem Unternehmen sowie den Mitarbeitern unmittelbar hilft.“ Fachkräfte hätten heute klare Erwartungen in puncto Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes. Ulf Pöppel: „Für junge Menschen hat Mobilität einen gewaltigen Stellenwert, viele sehen sie als eine Art Grundrecht. Dabei geht es nicht nur um Entfernungen und Zeitersparnisse, sondern vor allem um ein stressfreies Ankommen am Arbeitsplatz.“
Ähnlich bewertet auch Eckehard Hof die Bedeutung des Projektes. Der Geschäftsführer des Leimstruther Unternehmens Berge Bau engagiert sich seit vielen Jahren im Verein Route 57. „Jeder Kilometer Ortsumgehung, der nicht entsteht, schwächt unsere unternehmerische Wettbewerbssituation und damit den Wohn- und Arbeitsstandort Wittgenstein.“ Wer seinen Firmensitz in Wittgenstein habe, müsse ohnehin schon mit langen Anfahrtsrouten leben. „Aber zeitraubende Staus und Unfälle sorgen für einen erheblichen Wettbewerbsnachteil. Während andere schon beim Kunden sind, befinden wir uns noch nicht mal auf der Autobahn.“

Reiterhof bei Route-57-Genehmigung nur ein Teilthema

„Enttäuschend und frustrierend“ nennt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Hermann-Josef Droege, das OVG-Urteil aus Münster. „Weitere Zeit wird verstreichen, in der Anlieger der B62 im Ferndorftal, Arbeitnehmer zwischen Kreuztal und Wittgenstein sowie Unternehmen insbesondere in Wittgenstein unter Lärm, Abgasen, Zeitverlust und Kostennachteilen leiden müssen.“
Allerdings bedeute das Urteil aus Sicht der CDU-Kreistagsfraktion keine Absage an die Route 57 – im Gegenteil, analysiert sein Stellvertreter André Jung. Genau betrachtet betreffe die vom OVG verordnete zusätzliche Planungsschleife ausschließlich eine einzige Abwägungsfrage, nämlich den ausreichend geprüften und angemessen abgewogenen Ausgleich für den Reiterhof – nicht mehr. Ulla Belz, 1. stellv. Landrätin aus Bad Berleburg, betont, dass die Route 57 nicht nur im überragenden Interesse der Region liege, sondern auch des Bundesgesetzgebers.
„Vom Bau der einzelnen Ortsumgehungen hängen Arbeitsplätze in Siegerland und Wittgenstein ab. Die Gelder für den Bau stehen bereit. Nun muss die Planung für die Südumgehung Kreuztal zügig nachgebessert werden. Dass eine vollständige Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses abgelehnt wurde, ist dagegen eine gute Entscheidung“, so der CDU-Bundestagsabgeordnete Volkmar Klein. Dem pflichtet auch die CDU-Landtagsabgeordnete Anke Fuchs-Dreisbach bei: „Dass sich der sehnlichst erwartete Baubeginn weiter verzögern wird, ist eine schlechte Nachricht. Aber eins bleibt klar, das Land wird den Planungsauftrag des Bundes umsetzen. Die Region braucht die Straße.“

Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

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