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Montag endet die Corona-Zwangspause
Friseure auf Wiedereröffnung vorbereitet

Friseure und Kunden können die (Wieder)Eröffnung der Salons kaum erwarten. Durch Corona hat sich aber einiges geändert: Selber föhnen, Trockenschnitt oder die Auszeit mit Kaffee und Klatschmagazin gehört (erstmal) der Vergangenheit an.
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  • Friseure und Kunden können die (Wieder)Eröffnung der Salons kaum erwarten. Durch Corona hat sich aber einiges geändert: Selber föhnen, Trockenschnitt oder die Auszeit mit Kaffee und Klatschmagazin gehört (erstmal) der Vergangenheit an.
  • Foto: Sarah Benscheidt
  • hochgeladen von Sarah Benscheidt (Redakteurin)

sabe Siegen. Der nicht so ganz gekonnt ausrasierte Nacken, eine Ecke im Pony, herzlich ehrliche Ansätze oder eine Stufe, wo sie nicht hingehört, frische Konturen Fehlanzeige: Die fast sechswöchige Friseur-Abstinenz macht sich langsam aber sichtbar auf den Köpfen bemerkbar. Das macht Unwohlsein – die Ungeduld nach Form und Farbe ist spürbar. Auch in den Friseursalons der Region. Bevor die Haarkünstler am Montag, 4. Mai, nach dem Corona-Time-Out wieder ran an die Köpfe dürfen, gab es mit der SZ die Probe auf Abstand. Desinfizieren, schneiden, föhnen – Corona ändert Abfolgen.

sabe Siegen. Der nicht so ganz gekonnt ausrasierte Nacken, eine Ecke im Pony, herzlich ehrliche Ansätze oder eine Stufe, wo sie nicht hingehört, frische Konturen Fehlanzeige: Die fast sechswöchige Friseur-Abstinenz macht sich langsam aber sichtbar auf den Köpfen bemerkbar. Das macht Unwohlsein – die Ungeduld nach Form und Farbe ist spürbar. Auch in den Friseursalons der Region. Bevor die Haarkünstler am Montag, 4. Mai, nach dem Corona-Time-Out wieder ran an die Köpfe dürfen, gab es mit der SZ die Probe auf Abstand. Desinfizieren, schneiden, föhnen – Corona ändert Abfolgen. Ein- und Ausblicke auf das vorerst neue „Normal“ beim Friseurbesuch:

Hygienevorschriften im Turnus

Beim Salon von Wolfgang Haardt an der Frankfurter Straße wird das Telefonklingeln beim Gespräch auf bequemen Frisierstühlen zur (nicht ganz so angenehmen) Hintergrundmusik. Der erfahrene Friseurmeister lacht das weg, ein bisschen lauter sprechen muss man ohnehin – Masken, Abstand. Die Kommunikation geht zu Corona-Zeit ein bisschen anders. Der Schnack beim Friseur glaubt er, wird aber trotzdem noch funktionieren, „man muss sich eben dran gewöhnen.“ „Sonst bleiben wir eben beim Haareschneiden still.“ Hoffentlich nicht. Der Dialog mit dem Branchenurgestein, der 72 Jahre, „aber gut drauf" ist, heitert auf – Macht der Übung, Macht der Authentizität und das beste Argument gegen Karl Kraus, der da nach schriftstellerischer Manier aphorisierte, Friseurgespräche seien der unwiderlegliche Beweis dafür, dass die Köpfe der Haare wegen da seien. Wolfgang Haardt geht also ans Telefon, –„nein, nein, wir haben noch nicht wieder geöffnet, erst ab nächster Woche“– und erklärt den Kunden im Turnus, aber stets besonnen und freundlich, die Hygienevorschriften, die es bei Wiedereröffnung zu beachten gilt. Mit dem Finger fährt er über das mächtige Terminbuch. Er muss ein bisschen blättern, bis er eine Lücke findet. „Die Leute müssen jetzt ein bisschen Geduld haben.“

"Heilfroh, wieder da zu sein"

Seit mehr als sechs Wochen hatten alle Salons deutschlandweit geschlossen um dem Coronavirus entgegenzuhalten, jetzt dürfen wieder Haare gelassen werden. Aufatmen bei Wolfgang Haardt: „Wir sind heilfroh, wieder da zu sein.“ Das beruht auf Gegenseitigkeit: „Viele Kunden konnten es kaum erwarten, Sie glauben nicht, wie viele Menschen schon vorher angerufen und gefragt haben, kannst du nicht vielleicht schon mal...?“ Viel Vorstellungskraft braucht es da nicht: Ein vorübergehender Passant bemerkt das Licht im Laden, klopft an die Scheibe, blickt fragend drein und beschreibt eine Bewegung mit fiktivem Rasierapparat über den Kopf. Wolfgang Haardt lächelt und schüttelt bestimmt mit dem Kopf. Die Unruhe könne er verstehen. „Man fühlt sich eben unwohl auf dem Kopf. Für viele ist das schon eine persönliche, wichtige Sache, die jetzt fehlt.“ Trotzdem: Für die Frage nach „Unter der Hand ein bisschen Schnibbeln?“, gibt es ein eisernes Kopfschütteln. „Damit tut man sich selbst keinen Gefallen.“ Umso mehr freuen Haardt und sein Team sich jetzt wieder richtig, wenn auch anders, loslegen zu dürfen. Die Bestuhlung wurde ausgedünnt, Masken, Desinfektion, Einmalhandschuhe, Einmalfrisierumhänge – „das ganze Programm.“ Wenn auch viel Aufwand dahinter steckt und „man musste ja jetzt auch ohne Einnahmen erst wieder investieren“ – Wolfgang Haardt ist froh, dass er die Vorübergehend-Geschlossen-Schilder abnehmen kann.

Das ganze auflagengerechte Programm

Stühle raus, Wartebereich absperren, Spuckschutz und Richtungspfeile – das ganze auflagengerechte Programm hat Ina Kaiser vom Salon „Kaiser und Friseure“ in der Koblenzerstraße natürlich im Eilverfahren realisiert. Eine Woche vor angesetzter Öffnung wurde der Beschluss an die Branche kommuniziert. „Ich hab überall Zettel liegen, damit mir auch nichts untergeht.“ Die Vorbereitungen auf die Wiedereröffnung – nicht die einfachsten: „Manches war ja kaum noch zu bekommen und wenn, zu utopischen Preisen. Sechs Wochen kein Geld verdient und jetzt welches ausgeben...“ Die finanziellen Nachwehen, so weiß sie, werden auch nach Öffnung noch zu spüren bleiben, die Schutzmaßnahmen tragen sie mit: „Mehr Dienstleistung für weniger Kunden.“ Trotzdem, Kaiser bleibt positiv, Pessimismus steht ihr nicht: „Wir sind alle einfach nur froh, wenn die Kunden wieder da sind, mit den Einschränkungen werden wir uns irgendwie arrangieren.“ Färben und Schneiden trotz Maske? „Das sehe ich als das kleinste Problem, die Kunden sind kompromissfähig, sind einfach dankbar, wiederkommen zu dürfen.“ Notfalls, sagt sie schmunzelnd, aber auch im Ernst, „kleben wir die Masken so lange eben mit Tesa fest.“

"Man muss erfinderisch werden"

Ähnliche Szenerie auch im Salon Knoche des „waschechten Feudingers“ Ernst-Michael Knoche. Die Hygieneutensilien stapeln sich, das Telefon klingelt am laufenden Band. „Seit 44 Jahren lief unser Betrieb ohne Terminvereinbarung, jetzt müssen wir uns umstellen.“ Knoche und seine Familie haben geschuftet, um den Laden den Schutzstandards entsprechen zu lassen – Bedienungsplätze auseinandergezogen, Wartebereich entfernt, Masken anfertigen lassen, Öffnungszeiten verlängert – „man muss erfinderisch werden“, blickt Ehefrau Rebekka Knoche auf die vergangene Woche zurück. Aber: Auch hier unterliegt Aufwand der Vorfreude: „Das gesamte Team ist heiß darauf, endlich wieder loslegen und die Kunden wiedersehen zu können“, sagt der Friseurmeister mit Triebkraft in der Stimme.

Ein Stück Normalität zurück

Für erste Bilder einer sich wohl (erstmal) einschleichenden Normalität wurde im Salon Lisa an der Rosterstraße Modell gestanden. Während die „Zoom“-Taste ein problemloses fotografieren auf Abstand bequem möglich macht, sieht das beim Haare waschen schon anders aus. Maske auf, Handschuhe an – das soll zumindest etwas schützen. Das Arbeiten, auf das sich Lisa Marie Fuhr in der kommenden Woche so sehr freut, –“endlich ein Stückchen Normalität zurück“, wird dadurch aber nicht gerade angenehmer: „Jeder der behauptet, mit Mundschutz zu arbeiten mache Spaß, der lügt“, schmunzelt sie. An der unanfechtbaren Notwendigkeit des Unabdingbaren in Bezug auf die strengen Schutzstandards ändert das für die Solo-Selbständige aber nichts. „Es muss sein, für unser aller Wohl.“ Wenngleich die Auflagen enormen Mehraufwand produzierten, am Anfang auf beiden Seiten für Unsicherheit sorgten, strahlt Zuversicht aus ihren Zügen: „Alles muss sich jetzt erstmal einspielen. Wir werden da ein Gefühl für bekommen, wir sitzen ja schließlich alle im selben Boot.“

Schutzstandards für Friseure und Kunden beim SalonbesuchDer Schutzstandard regelt nun, unter welchen Vorgaben Friseursalons öffnen dürfen, aber auch für die Kunden gibt es einiges zu beachten und einzuplanen. Die wichtigsten Infos gibt’s hier kompakt: Sowohl Friseure als auch Kunden müssen verpflichtend einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Man kann einen eigenen mitbringen, in vielen Salons werden aber auch Schutzmasken bereitgestellt bzw. können käuflich erworben werden. Auch beim Schneiden und/ oder Färben muss der Mundschutz an Ort und Stelle bleiben – gegebenenfalls nimmt man die Schlaufen kurzzeitig vom Ohr und hält den Mundschutz in dieser Zeit fest. Gesichtsnahe Dienstleistungen wie Wimpernfärben, Rasieren oder Bartpflege sind vorerst nicht erlaubt. In den Betrieben muss weiterhin ein ausreichender Abstand zwischen den Menschen sichergestellt werden (1.5 Meter) – etwa indem die Anzahl der Arbeitsplätze begrenzt wird, darüber hinaus darf sich auch nur eine gewisse Anzahl von Kunden im Salon aufhalten. Kinderspielecken oder Wartebereiche sind gesperrt. Kunden sollten möglichst alleine zum Termin kommen und müssen außerdem ihre Kontaktdaten im Friseursalon hinterlassen. Dazu zählt nicht nur die Adresse, sondern etwa auch die Handynummer oder E-Mail Adresse. Im Falle einer Infektion müssen die Infektionsketten nachvollzogen und unterbrochen werden können. Kunden können nur bedient werden, wenn sie mit der Dokumentation einverstanden sind. Die Bewirtung ist vorerst untersagt. heißt: Es können keinerlei Getränke ausgegeben werden. Eine Zeitschrift beim Haare schneiden oder Föhnen zu lesen, ist ebenfalls verboten. Der Nasshaarschnitt wird für alle Kunden zur Pflicht. Durch die Haarwäsche sollen mögliche Viren in den Haaren abgetötet werden – es reicht also auch nicht, sich vor dem Friseurbeusch die Haare selbst zu waschen. Theoretisch sind sogenannte „Walk-in-Friseure“, also solche ohne Terminvorgabe, weiterhin erlaubt. Wegen der erwartbar hohen Nachfrage nach der Wiedereröffnung wird eine Regulierung ohne Terminierung allerdings höchstwahrscheinlich schwer regulierbar. Der Zentralverbund empfiehlt somit, Termine auszumachen. Auch bei Kindern müssen die Hygienevorschriften eingehalten werden. Die Maskenpflicht gilt ab sechs Jahren. Es kann aufgrund des zeitlichen und finanziellen Mehraufwandes um die Maßnahmen des Schutzstandars umzusetzen (Einmalhandschuhe, Masken, Desinfektiosmittel etc.) zu einer Preiserhöhung kommen.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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