SZ

Pflegebedarfsplan für Kreis Siegen-Wittgenstein
Heimplätze immer noch knapp

Die Mehrzahl der pflegebedürftigen Senioren möchte so lang wie möglich zu Hause leben, aber für manche der Hochbetagten ist ein Altenheim die richtige Wahl. Pfleger Noel Bittner kümmert sich im Haus St. Elisabeth Netphen um die Bewohner.
  • Die Mehrzahl der pflegebedürftigen Senioren möchte so lang wie möglich zu Hause leben, aber für manche der Hochbetagten ist ein Altenheim die richtige Wahl. Pfleger Noel Bittner kümmert sich im Haus St. Elisabeth Netphen um die Bewohner.
  • Foto: Mariengesellschaft
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

ihm Siegen. Eine echte Datenfundgrube ist der Pflegebedarfsplan, den der Kreistag Siegen-Wittgenstein voraussichtlich am Freitag beschließt. Wer wissen will, wie es um die Lebenssituation der alten Menschen bestellt ist, erfährt hier vieles.Eine der Kernaussagen: 95 Prozent der vorhandenen Pflegeheimplätze sind derzeit belegt. Das ist praktisch eine Vollbelegung, eine angemessene Wahlmöglichkeit gibt es nicht. Wer einen Heimplatz braucht, muss nehmen, was gerade frei geworden ist, und kann häufig nicht unter mehreren Angeboten wählen. Diese Situation will die Kreisverwaltung ändern. Bisher gab die verbindliche Planung des Kreises vor, wo ein Bedarf für neue Heimplätze gesehen wird. Nur dort konnten Träger auch bauen. Das soll sich nun ändern.

ihm Siegen. Eine echte Datenfundgrube ist der Pflegebedarfsplan, den der Kreistag Siegen-Wittgenstein voraussichtlich am Freitag beschließt. Wer wissen will, wie es um die Lebenssituation der alten Menschen bestellt ist, erfährt hier vieles.Eine der Kernaussagen: 95 Prozent der vorhandenen Pflegeheimplätze sind derzeit belegt. Das ist praktisch eine Vollbelegung, eine angemessene Wahlmöglichkeit gibt es nicht. Wer einen Heimplatz braucht, muss nehmen, was gerade frei geworden ist, und kann häufig nicht unter mehreren Angeboten wählen. Diese Situation will die Kreisverwaltung ändern. Bisher gab die verbindliche Planung des Kreises vor, wo ein Bedarf für neue Heimplätze gesehen wird. Nur dort konnten Träger auch bauen. Das soll sich nun ändern. Die neue Planung erlaubt Betreibern, neue Heime zu bauen und Plätze zu schaffen, wenn sie sich dafür Nachfrage erhoffen. Weg von der Plan- hin zur Marktwirtschaft lautet also die Devise. 

2238 Plätze im Kreis

Wie ist nun die derzeitige Situation? Es gibt 30 Altenpflege-Einrichtungen mit insgesamt 2238 Plätzen im Kreis. Zielgruppe sind überwiegend die Menschen ab 80 Jahren. Derzeit leben 19 150 Menschen im Kreis, die 80 Jahre oder älter sind. Die Prognosen (beruhend auf den Berechnungen von IT NRW, dem statistischen Landesamt) sagen folgende Entwicklung voraus: 2023 werden es 20 300 sein. Dann geht die Zahl der Hochbetagten bis 2030 auf 19 400 zurück, um bis 2040 auf 24 400 anzusteigen. Das ist einleuchtend, denn dann treten die Baby-Boomer in ihr neuntes Lebensjahrzehnt ein.
Die Alten verteilen sich übrigens keineswegs ganz gleichmäßig auf das Kreisgebiet. Die Prognose für das Jahr 2023 sieht Siegen, Burbach und Kreuztal als eher junge Kommunen, während die Bevölkerung in Hilchenbach und Erndtebrück relativ alt ist. In der stationären Pflege befinden sich viel mehr Frauen als Männer. 73 Prozent der Pflegeheim-Bewohner sind Frauen.Die meisten Pflegebedürftigen im Kreis (12 429 Menschen) sind in die Pflegegrade 2 und 3 eingestuft: 77 Prozent. Grad 1 und 5 haben zusammengerechnet nur 7 Prozent der Pflegefälle.
Wer ins Altenheim zieht, tut das im Durchschnitt mit 78 bis 86 Jahren. Das Alter variiert je nach Wohnort erstaunlich stark. In Hilchenbach und Erndtebrück sind die Menschen beim Einzug ins Heim im Schnitt nur 78 bzw. 79 Jahre alt, in Netphen dagegen schon 86 Jahre.
Im Schnitt leben die Bewohner 2,3 Jahre im Heim. Bei der Verweildauer ist eine gewisse Wellenbewegung zu erkennen, es gibt ein Auf und Ab. Der Trend geht aber offenbar zu einer Verkürzung.

Viele Heime ausgelastet

Die Belegungsquoten der Heime lagen 2019 zwischen 100 Prozent in Bad Laasphe und 85 Prozent in Kreuztal. Am oberen Ende der Skala außerdem: Neunkirchen (99 Prozent), Erndtebrück (98 Prozent) und Siegen (97 Prozent). Dass Kreuztal und auch Netphen 2019 relativ niedrige Belegungsquoten hatten, beruht auf Sondereffekten. Durchschnittlich waren im gesamten Kreisgebiet im Jahr 2019 nur 17 freie Plätze verfügbar. Stark nachgefragt wird die Kurzzeitpflege – zur Überbrückung von befristetem Pflegebedarf oder zur Entlastung von Angehörigen. Es gibt im Kreis 258 Kurzzeitpflegeplätze, davon sind aber nur 33 ausschließlich für diese Form der Pflege vorgesehen (solitäre Kurzzeitpflege). Hier wird aufgerüstet. 88 Plätze werden hinzukommen.Einen „Umsetzungsstau“ bei den geplanten zusätzlichen Pflegeplätzen stellt der Kreis fest. Gleichzeitig steigt bis 2023 wohl die Zahl der Pflegebedürftigen an. Danach ist bis 2030 von einer Stagnation der Nachfrage auszugehen, zwischen 2030 und 2040 wieder von einem Anstieg.
Wenn bis 2023 lediglich die derzeit belegbaren Pflegeplätze zur Verfügung stünden, würden im Kreisgebiet rechnerisch 600 Pflegebetten fehlen – verteilt auf alle Kommunen mit Ausnahme von Burbach. Wenn die geplanten zusätzlichen Plätze gebaut werden, ergäbe sich für 2023 immer noch eine Unterdeckung von 269 Plätzen. Betroffen wären vor allem Wilnsdorf (45 Plätze zu wenig), Hilchenbach (32 Plätze) und Netphen (22 Plätze).

Quoten

  • Heimquote: Die Heimquote beschreibt den Anteil der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner an den Pflegebedürftigen insgesamt. Mit einer Quote von 16,9 Prozent liegt der Kreis Siegen-Wittgenstein sehr deutlich unter NRW-Schnitt mit 22,0 Prozent.
  • Häusliche Quote: Diese Quote beschreibt den Anteil derer, die ambulante oder teilstationäre Einrichtungen nutzen, aber noch in ihrer Häuslichkeit wohnen. Mit einer häuslichen Quote von 28,1 Prozent liegt der Kreis Siegen-Wittgenstein über dem Landesschnitt von 23,7 Prozent. 
  • Geldquote: Bezüglich der Geldquote, also dem Anteil der Pflegegeldbezieher an der Gesamtzahl der Pflegebedürftigen, liegt der Kreis Siegen-Wittgenstein mit 55,1 Prozent ebenfalls über dem Durchschnitt des Landes von 54,3 Prozent. 
  • Selbsthilfequote: Die Selbsthilfequote beschreibt den Anteil der in der eigenen Häuslichkeit lebenden Pflegebedürftigen an der Gesamtzahl der Pflegebedürftigen. Mit einer Quote von 83,2 Prozent liegt der Kreis deutlich über dem NRW-Schnitt (78,0 Prozent). 
  • Vorrangquote: Die Vorrangquote beschreibt, ob Pflegebedürftige vorrangig zuhause bleiben können oder in ein Heim müssen, wenn sie pflegebedürftig werden. Ist diese Quote größer 1, ist ambulanter Vorrang erreicht. Der Kreis Siegen-Wittgenstein liegt bei einer Vorrangquote von 1,7 – also einem positiven Vorrangverhältnis. Zum Vergleich: Das Land Nordrhein-Westfalen liegt bei einer Vorrangquote von 1,1.

Heimfinder bringt Transparenz

Seit Januar 2020 gibt es den „Heimfinder NRW“. Das sowohl per Smartphone-App für Android und Apple als auch auf einer Internetseite (www.heimfinder.nrw.de) verfügbare Angebot soll die Suche nach einem freien Pflegeplatz in der Umgebung erleichtern und einen Überblick über die tatsächliche Versorgungssituation ermöglichen. Dafür soll der Heimfinder alle freien Plätze in solitären Kurzzeit- und vollstationären Pflegeeinrichtungen anzeigen. Um die verfügbaren Plätze tagesaktuell darzustellen, hat das Land NRW die Einrichtungen gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Kapazitäten an eine Datenbank des Landes zu melden.Das funktioniert nach Einschätzung der WTG-Behörde beim Kreis (WTG: Wohn- und Teilhabegesetz) gut, Das Meldeverhalten der Einrichtungen wird tagesaktuell von der Behörde überwacht. Sollte eine Einrichtung über einen bestimmten Zeitraum keine Anpassung vornehmen, wird sie von der Heimaufsicht aufgefordert, zu aktualisieren. Allerdings sei der Zeitpunkt am Tag, wann die Aktualisierung erfolgt, den Einrichtungen überlassen. Daher könne es vorkommen, dass manche Einrichtungen ihre freien Kapazitäten je nach Tageszeit noch nicht aktualisiert hätten.
Schon jetzt sei das Angebot des Heimfinders aufgrund seiner landesweiten Einheitlichkeit, der Aktualität und der mobilen Funktionalität als ein klarer Fortschritt zu werten, durch den Transparenz geschaffen und die Suche nach einem freien Pflegeplatz deutlich erleichtert werde, resümiert der Kreis.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

10 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen