Wichtig für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Homeoffice-Pflicht: Das sollten Sie wissen

So mancher Küchen-, Ess- oder Wohnzimmertisch verwandelt sich in den kommenden Wochen in ein Minibüro. Bis zum 15. März sollen Arbeitgeber ihren Beschäftigten das Arbeiten zu Hause ermöglichen, sofern es die Tätigkeit zulässt.
  • So mancher Küchen-, Ess- oder Wohnzimmertisch verwandelt sich in den kommenden Wochen in ein Minibüro. Bis zum 15. März sollen Arbeitgeber ihren Beschäftigten das Arbeiten zu Hause ermöglichen, sofern es die Tätigkeit zulässt.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

tile Siegen. Während des Corona-Gipfels wurde eine zeitlich begrenzte Homeoffice-Pflicht beschlossen, wonach Arbeitgeber ihren Beschäftigten „das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen müssen, sofern die Tätigkeiten es zulassen“, heißt es im Beschlusspapier. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales wird dazu eine Verordnung befristet bis zum 15. März 2021 erlassen. Dadurch sollen Kontakte am Arbeitsort sowie auf dem Weg zur Arbeit reduziert werden. Wie beim ersten Lockdown könnte das Thema Heimarbeit wieder Fahrt aufnehmen. Im April 2020 arbeiteten nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung

27 Prozent der Beschäftigten von zu Hause, zum Lockdown Light im November nahmen nur noch 14 Prozent der Befragten diese Möglichkeit wahr.

Recht und Anordnung

Grundsätzlich besteht in Deutschland weder ein Recht darauf, im Homeoffice zu arbeiten, noch kann der Chef dies einseitig anordnen oder auflösen. Hierzu sind Absprachen, Rahmenbedingungen oder gar arbeitsrechtliche Regelungen zu treffen, etwa in Form einer Betriebsvereinbarung oder als Zusatz im Arbeitsvertrag. Seit Beginn der Corona-Krise gibt es allerdings Gerichtsentscheide, nach denen das Arbeiten von zu Hause aus Gründen des Gesundheitsschutzes vom Arbeitnehmer hinzunehmen ist, sofern dies zumutbar ist. Die Corona-bedingt vorgesehene Homeoffice-Pflicht ist zunächst eine temporäre Regelung.

Arbeitsschutz und Arbeitszeit

Generell gelten Arbeitsschutz- und Arbeitszeitgesetz für das Homeoffice auch während der Pandemie weiter. Das geht aus der bereits geltenden SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel hervor. Der Arbeitgeber ist aufgefordert, die Mitarbeiter entsprechend zu unterweisen. Wie richte ich meinen Arbeitsplatz ergonomisch ein? Wie vermeide ich Unfälle? Welche Kernarbeitszeiten gelten? Außerdem muss er im Bedarfsfall die technischen Voraussetzungen und den Zugang zur betrieblichen Kommunikation schaffen, damit Arbeitsaufgaben erfüllt werden können.

Mobile Arbeit oder Telearbeit

Je nach Ausgestaltung des „Arbeitens von zu Hause“, wie der Begriff Homeoffice allgemein verstanden wird, wird juristisch noch einmal differenziert. Das gelegentliche oder zeitlich begrenzte sowie ortsungebundene Arbeiten mit dem Laptop von zu Hause oder im Café fällt unter die Kategorie „mobiles Arbeiten“ – das ist für den akuten Fall das relevantere Modell. Bei einem dauerhaften, fest eingerichteten Bildschirmarbeitsplatz im häuslichen Umfeld handelt es sich im Sinne der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) um einen sogenannten Telearbeitsplatz – dann gelten insbesondere für den Arbeitgeber ganz andere Verpflichtungen.

Vertraglich festgelegt

Der wichtigste Unterschied: Der Telearbeitsplatz erfordert klare, vertraglich vereinbarte Rahmenbedingungen hinsichtlich Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzgestaltung. Für die Einrichtung (Mobiliar, Arbeitsmittel und Kommunikationseinrichtungen) ist der Arbeitgeber verantwortlich. Für die mobile Arbeit gilt die Arbeitsstättenverordnung hingegen nicht.

Gefährdungsbeurteilung

„Sowohl für das mobile Arbeiten als auch für den festen Telearbeitsplatz ist der Arbeitgeber zu einer Gefährdungsbeurteilung verpflichtet“, sagt Mareike Feuster vom Dezernat Arbeitsschutz der Bezirksregierung Arnsberg. Dazu reiche eine Unterweisung, wie man sich zu verhalten habe oder wie man sich einrichte. „Im besten Fall lässt man sich das vom Mitarbeiter quittieren.“

Versicherungsschutz

Im Fall der Fälle liegt der Schwarze Peter beim Arbeitnehmer. Zwar gilt nach Angaben des Spitzenverbandes Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): „Ein Unfall infolge einer versicherten Tätigkeit ist ein Arbeitsunfall und steht damit unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.“ Der Schutz greife aber nicht so weit wie am betrieblichen Arbeitsplatz, relativiert Sprecherin Elke Biesel. Entscheidend im Homeoffice sei vielmehr, dass die Tätigkeit in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Arbeit stehe. So gelten die Wege zur Toilette oder zur Nahrungsaufnahme in der Küche nach Urteilen des Bundessozialgerichtes als eigenwirtschaftliche Tätigkeiten und sind damit im Homeoffice nicht versichert. Arbeitnehmer sollten sich mit ihrem privaten Unfallversicherer in Verbindung setzen und klären, ob und wann der Versicherungsschutz auch im Homeoffice greift.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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