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Förderschulen in der Corona-Pandemie
Lernen im Lockdown

In der Siegener Hans-Reinhardt-Schule der AWo werden 
 Schüler mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ unterrichtet. Einige nutzen die Notbetreuung: Hier begleitet Lehrerin Carolin Groß gerade einen Schüler beim Mathelernen mit der App „Anton“.
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    Schüler mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ unterrichtet. Einige nutzen die Notbetreuung: Hier begleitet Lehrerin Carolin Groß gerade einen Schüler beim Mathelernen mit der App „Anton“.
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  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

nja Siegen/Olpe. „Wir kommen in der Öffentlichkeit überhaupt nicht mehr vor“, sagt Claudia Hammers-Kaltenbrunner. Sie ist Konrektorin des Kindelsberg-Lachsbach-Förderschulverbunds der Städte Kreuztal, Hilchenbach und Bad Laasphe und freut sich daher über den Anruf der SZ-Redaktion und deren Frage: Wie läuft und funktioniert das Lernen auf Distanz – auf Neudeutsch Homeschooling – in unseren Förderschulen?
In Ferndorf und Bad Laasphe werden Kinder und Jugendliche mit den Förderschwerpunkten Lernen, emotionale und soziale Entwicklung sowie Sprache unterrichtet. Nach Anfangsproblemen habe sich das räumlich getrennte Lehren und Lernen eingespielt, erklärt die Konrektorin. Ein Problem: In wenigen Familien stehen digitale Endgeräte zur Verfügung.

nja Siegen/Olpe. „Wir kommen in der Öffentlichkeit überhaupt nicht mehr vor“, sagt Claudia Hammers-Kaltenbrunner. Sie ist Konrektorin des Kindelsberg-Lachsbach-Förderschulverbunds der Städte Kreuztal, Hilchenbach und Bad Laasphe und freut sich daher über den Anruf der SZ-Redaktion und deren Frage: Wie läuft und funktioniert das Lernen auf Distanz – auf Neudeutsch Homeschooling – in unseren Förderschulen?
In Ferndorf und Bad Laasphe werden Kinder und Jugendliche mit den Förderschwerpunkten Lernen, emotionale und soziale Entwicklung sowie Sprache unterrichtet. Nach Anfangsproblemen habe sich das räumlich getrennte Lehren und Lernen eingespielt, erklärt die Konrektorin. Ein Problem: In wenigen Familien stehen digitale Endgeräte zur Verfügung. Und so holen sich Schüler oder Eltern das Lehrmaterial einmal pro Woche beim Klassenlehrer in der Schule ab und bringen die ausgefüllten Bögen zurück.

Förderschulen: Persönlicher Kontakt ist wichtig

„Es ist wichtig, dass wir so in persönlichem Kontakt bleiben. Wir wissen also, wie es den Schülern geht – und können direkt ein Feedback zu ihren Arbeitsbögen geben“, sagt Claudia Hammers-Kaltenbrunner. „Der Stoff wird individuell auf die Schüler zugeschnitten. Wenn sie mit den Aufgaben überfordert sind, machen sie sie eh nicht. Das funktioniert aber mittlerweile ganz gut.“ Zwischendurch wird telefoniert. Einige Schüler arbeiten mit Padlets und Apps wie „Anton“. Schüler, die mit dem Lernen zu Hause nicht gut zurechtkommen oder deren Eltern den Bedarf z. B. wegen ihres Jobs angemeldet haben, arbeiten unter Aufsicht in der Notbetreuung – Tendenz steigend. Jüngst sind via Schulträger neun Schüler-iPads eingetroffen. Bevor diese genutzt werden können, ist aber eine Einführung nötig.

Stuhlkreise als Videokonferenzen

„Mit der klassischen Videokonferenz lässt sich unser Lehrstoff nicht vermitteln“, betont Dirk Volkwein, Leiter der Hans-Reinhardt-Schule Siegen, die von 140 Kindern mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ besucht wird. So erhalten die Familien auch hier ausgedruckte Arbeitsaufgaben und Bücher – z. B. zum Rechnen und Schreiben –, aber auch Materialien zur motorischen Schulung, damit daheim z. B. geschraubt werden kann: „Das hat alles aber seine Grenzen! Und es soll zu Hause auch keinen Stress geben.“ Bei den Übergabe-Treffen tauscht man sich über das Wichtigste aus. „Wir rufen einmal pro Woche auch alle Kinder an.“ Mittlerweile gibt es kleinere Stuhlkreise in Form von Videokonferenzen: „Ein gutes Angebot, um die Isolation zu durchbrechen und um Bindung zu halten.“ Auch hier gibt es eine Notbetreuung.
Die Erfahrung nach dem ersten Lockdown zeigte, dass der Wiedereinstieg ins „normale“ Schulleben für manche Kinder der AWo-Schule schwierig ist – weil das Gefühl für die Strukturen abhandengekommen ist: Kinder mit einer Autismus-Diagnose tun sich z. B. schwer mit Veränderungen. Für die Pädagogen gilt zudem: „Wir werden die Förderpläne anpassen müssen.“
Ortswechsel. Die LWL-Förderschule mit dem Schwerpunkt Sehen in Olpe unterstützt derzeit um 25 Jungen und Mädchen, die kreisübergreifend Regelschulen besuchen und dort nun am Distanzunterricht teilnehmen, 35 Kinder in der pädagogischen Frühförderung sowie 24 Schüler der Primarstufe und Sekundarstufe I, die normalerweise in Olpe unterrichtet werden. Die Klassengemeinschaften kommen nun auch digital im Homeschooling zusammen. Die Schüler haben zu Hause (zum Teil ihre eigenen) Computer, Notebooks und Hilfsmittel wie Lesegeräte und Vergrößerungssoftware, die ihren individuellen Beeinträchtigungen – von leichtgradiger Sehbehinderung bis zur Blindheit – entsprechen. Das reicht bis hin zur Braillezeile, die Teile eines Textes – 40 Zeichen – in Punktschrift anzeigt.
Grundschüler erhalten darüber hinaus per Post ausgedruckte Lehrmaterialien. Sie werden nun auf Distanz von ihrer Klassenlehrerin unterrichtet – Bewegungseinheiten und musikalische Auflockerung inklusive. Die Schüler der Sekundarstufe I arbeiten den „normalen“ Stundenplan ab: Digitaler „Frontalunterricht“ wechselt sich mit Stillarbeit ab.
Eine schöne Idee: „Die Videokonferenz wird schon ab 7.45 Uhr ermöglicht“, erzählt Schulleiterin Angela Vollmer: „Bis 8 Uhr und in den Pausen schalten sich die Lehrer ab, sodass die Kinder ungehemmt miteinander reden können.“ Sie ist begeistert, wie gut alles klappt: „Die Schüler machen das richtig toll!“ Natürlich laufe nicht alles perfekt: WLAN-Probleme auf dem Land machen das Unterrichten und Lernen manchmal schwierig. Alle sehnen sich das Ende des Homeschoolings herbei: „Gerade für unsere Schüler sind der persönliche Kontakt, das Miteinander und insbesondere auch die Unterstützung bei technischen Schwierigkeiten sehr wichtig.“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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