Geschwächtes Team verliert mit 15:61

Eine ganz bittere Pille für die SKV-Turner

Mit 7 Score-Punkten war Philipp Herder am Samstag fast für die Hälfte der kompletten SKV-Ausbeute verantwortlich. Am Barren gewann der Berliner sein Duell mit 3:0 und sorgte damit für den einzigen Siegerländer Gerätesieg.

Mit 7 Score-Punkten war Philipp Herder am Samstag fast für die Hälfte der kompletten SKV-Ausbeute verantwortlich. Am Barren gewann der Berliner sein Duell mit 3:0 und sorgte damit für den einzigen Siegerländer Gerätesieg.

krup Schwäbisch Gmünd. Stell dir vor, du hast die Möglichkeit, nach 41 Jahren nochmal ein Finale um die Deutsche Meisterschaft zu erreichen – und dann haben sich alle sportlichen Vorzeichen gegen dich verschworen. Jeder Leistungssportler wird sich gut in die Köpfe der Athleten der Siegerländer Kunstturn-Vereinigung (SKV) hinein versetzen können, die ihren Halbfinal-Wettkampf beim TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau absolut chancenlos mit 15:61 (Gerätewertung 2:10) verloren.

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Sissakis sagt kurzfristig ab

Ein großer Traum ist also geplatzt, ohne dass man den Aktiven einen großen Vorwurf machen könnte. Auf Grund der miserablen Vorzeichen stand das Team um Nationalturner Philipp Herder schon vor der ersten Bodenübung mit dem Rücken zur Wand. Da der britische Turnverband ein Ausreiseverbot für den SKV-Weltklasse-Athleten Courtney Tulloch verhängt hatte und man dem Slowenen Saso Bertoncelj wegen dessen Teilnahmechance an den Europameisterschaften kein unnötiges Risiko aufbürden wollte, traten die Siegerländer mit einer rein deutschen Riege ohne die Verstärkung ausländischer Gastturner an – auf diese freilich kann man auf diesem Niveau einfach nicht verzichten. Zu allem Überfluss stand auch der Berliner Dario Sissakis nicht zur Verfügung. Der 22-Jährige hatte den SKV-Verantwortlichen am Donnerstagabend signalisiert, dass er wegen einer Schulterverletzung „maximal an drei Geräten“ turnen könne, letztlich aber zog er es vor, trotz gebuchter Flüge erst gar nicht auf die Ostalb anzureisen.

Das noch verbliebene „Fähnlein der sieben Aufrechten“ schlug sich nach besten Kräften, war aber im Prinzip nach zwei Geräten schon geschlagen. Bedingt durch die schwer wiegenden Ausfälle mussten Turner an Geräten ran, an denen sie seit ewigen Zeiten nicht oder gar überhaupt noch nicht in der Liga um Punkte gekämpft haben – Wertungen unter elf Punkten, in der 1. Bundesliga nicht konkurrenzfähig, waren somit kaum zu vermeiden. „Die Turner opfern sich, weil eine Verschiebung auf den Ausweichtermin 5. Dezember offenkundig nicht in Frage kam“, zeigte sich SKV-Vorstandsmitglied Horst-Walter Eckhardt einigermaßen verstimmt – im Hinblick auf die Begleitumstände fraglos nachvollziehbar.

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Nur Herder, Uhlig und Ermert punkten

Gegen die durchweg konzentriert und fokussiert turnenden Gastgeber stand das SKV-Notteam naturgemäß auf verlorenem Posten. Lediglich fünf der 24 Score-Duelle gingen an die Siegerländer: Philipp Herder zeigte, losgelöst vom bitteren Mannschaftsresultat, eine starke Einzelleistung und gewann seine Duelle an den Ringen sowie am Sprung und am Barren – das macht fast die Hälfte der kompletten SKV-Ausbeute aus. „Er ist halt einfach ein echter SKVler“, lobte Eckhardt den Auftritt des 28-jährigen Nationalturners.

Ansonsten holten nur noch die beiden Eigengewächse Daniel Uhlig (4 Punkte an seinem offensichtlich zum Lieblingsgerät gewordenen Seitpferd) und Nico Ermert (4 am Barren) Zählbares für die heimische Riege, wobei Ermert auch davon profitierte, dass Olympia-Held Andreas Toba seine Barren-Übung komplett in den Sand setzte (nur 10,40 Punkte). Zudem rang Philipp Herder in einem hochklassigen Boden-Duell dem 27-jährigen Spanier Nestor Abad Sanjuan ein Unentschieden ab.

Paul Schneider, Trainer des TV Wetzgau, wusste die Personalsituation der Siegerländer sachlich und nüchtern einzuschätzen: „Für unsere Mannschaft war es beruhigend zu wissen, dass die Siegerländer KV ohne ihre ausländischen Gastturner und Dario Sissakis bei uns antreten würde. Mit diesen Turnern wären die Siegerländer ein anderer Gegner gewesen und es hätte einen äußerst spannenden Wettkampf von zwei gleichwertigen Teams gegeben, bei dem der Ausgang offen gewesen wäre.“

Eckhardt: "Hut ab vor den Turnern"

SKV-Vorstandsmitglied Horst-Walter Eckhardt sagte indes gegenüber der Siegener Zeitung: „Wir hätten den Ausfall unserer beiden ausländischen Gastturner oder von Dario Sissakis auffangen können, und immer noch eine gute Chance gehabt, das Halbfinale zu gewinnen, aber nicht von allen gleichzeitig. An den meisten Geräten fiel damit die halbe Besetzung aus der Vorrunde weg, das verkraftet keine noch so gut aufgestellte Mannschaft. Hut ab vor den Turnern, die eingesprungen sind, obwohl sie teilweise seit Jahren nicht mehr an diesen Geräten in der Liga geturnt haben. Große Klasse auch die Reaktion von Philipp Herder, der mit 81,35 Punkten das beste Mehrkampfergebnis seit langem geturnt hat, ein erstes Ausrufezeichen auf dem Weg nach Tokio 2021“.

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Weitere Stimmen und Fakten zum Halbfinal-Wettkampf finden Sie in unserer Printausgabe vom Montag, 23. November 2020.

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