Hoffnung auf Wertung schwindet

Fußball-Saison droht der K.o.

Die Hoffnung ist noch nicht vollständig begraben, doch dass es in den größeren Fußball-Staffeln wie der Siegen-Wittgensteiner A-Liga (Foto: Siegener SC gegen SV Netphen) zu einer Wertung kommen wird, erscheint zunehmend unwahrscheinlich.

Die Hoffnung ist noch nicht vollständig begraben, doch dass es in den größeren Fußball-Staffeln wie der Siegen-Wittgensteiner A-Liga (Foto: Siegener SC gegen SV Netphen) zu einer Wertung kommen wird, erscheint zunehmend unwahrscheinlich.

pm Siegen. Der Amateurfußball schwankt unter den Schlägen der Corona-Pandemie wie ein in der Nierengegend getroffener Boxer, der Deutschen liebstes Hobby hängt quasi in den Seilen. Der finale „Uppercut“ zum K.o. steht aber noch aus! Nach der erneuten Verlängerung des Lockdowns bis zum 18. April ist allerdings klar: die Zeit wird immer knapper, um das Blatt zu wenden, die unterbrochene Saison 2020/21 rechtzeitig fortsetzen und die für eine Wertung nötigen 50 Prozent der Spiele erreichen zu können.

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Der Optimismus schwindet zugleich – bei den Sportlern, die seit Monaten nicht mehr gemeinsam trainieren konnten, aber auch bei den Verantwortlichen, die auf immer neue Verordnungen reagieren, Pläne entwerfen, verwerfen und wieder neu erfinden müssen. „Wir müssen es nehmen wie es kommt und werden uns wieder an der neuen Verordnung orientieren“, wiederholt gestern deshalb Manfred Schnieders, Vizepräsident Amateurfußball im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen, fast gebetsmühlenartig.

"Oberliga am schwierigsten"

Doch im Gespräch mit der Siegener Zeitung ist zwischen den Zeilen erkennbar, dass von seiner vor knapp zwei Wochen propagierten Zuversicht nicht mehr viel übrig ist. Er sei „vorsichtig optimistisch, dass wir die geforderte Spielzahl erreichen“, hatte Schnieders am 11. März gesagt. Am gestrigen Dienstag lautet sein Statement stattdessen so: „Wir haben kleinere Staffeln, in denen noch alles denkbar ist. Gerade die Oberliga ist aber die, in der es am schwierigsten wird.“

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Der Grund: Das von Schnieders und seinen Kollegen im FLVW-Präsidium vorsichtig angedachte Szenario eines Trainingseinstiegs am 5. April und ersten Pflichtspielen vier Wochen später (2. Mai) ist spätestens seit den politischen Beschlüssen aus der Nacht auf Dienstag hinfällig. „Wer rechnen kann, der wird feststellen, dass es so nicht laufen wird“, weiß auch Schnieders.

16. Mai neuer Wunschtermin für Fortsetzung

Gesetzt des nach derzeitigem Stand zweifellos schon sehr unwahrscheinlich anmutenden Falles, dass ab dem 19. April die sofortige Rückkehr in den Trainingsbetrieb möglich wäre, würde ein erster Spieltag aufgrund der zugesicherten vierwöchigen Vorbereitungszeit für alle überkreislich aktiven Teams erst am 16. Mai angesetzt. Bis zum feststehenden Saisonende am 30. Juni blieben somit noch sechs Sonntage sowie zwei Feiertage (Pfingstmontag, Fronleichnam) als „reguläre“ Spieltage übrig. Alles Weitere müsste dann in Englischen Wochen organisiert werden.

Gerade in der Oberliga Westfalen, deren Modus mit 21 Mannschaften schon vor der Saison für große Diskussionen sorgte und spätestens jetzt als Fehler angesehen werden muss, würde der Weg zu den erforderlichen 50 Prozent der Spiele binnen eineinhalb Monaten zu einer Herkulesaufgabe. Gerade einmal 87 Partien wurden in der höchsten FLVW-Klasse absolviert, benötigt werden am 30. Juni aber mindestens 210.

Englische Wochen unvermeidlich

Ein Rechenbeispiel: Fänden an den acht „regulären“ Spieltagen jeweils zehn Partien statt, kämen zu den 87 ausgefochtenen Duellen weitere 80 hinzu. Zur Wertung fehlten also noch 43 Spiele. Oder anders gesagt: Selbst vier komplette Mittwoch/Donnerstag-Spieltage in sechs Wochen würden am Ende nicht ausreichen. Weitere, unvermeidlich anmutende und coronabedingte Absagen einzelner Partien sind hier noch gar nicht berücksichtigt.

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Ähnlich schwierig bis aussichtslos wird es in der A-Kreisliga Siegen-Wittgenstein, dem Sorgenkind des Kreisvorsitzenden Marco Michel. Bei 19 Mannschaften wurden hier lediglich 79 Partien ausgetragen, fehlen noch 92, um die ansonsten unvermeidliche Annullierung zu verhindern. Bekämen auch die Kreisligisten vier Wochen Vorbereitungszeit, müssten 20 Spiele – also mehr als zwei komplette Spieltage – unter der Woche angesetzt werden. Hoffnung gäbe es in erster Linie in den untersten Klassen wie der D-Kreisliga Staffel 1, wo für die benötigten 55 Partien nur noch 26 ausgetragen werden müssten.

Doch genug solcher Zahlenspielereien, denn die sind ohnehin Makulatur, wenn sich die Pandemiesituation in den nächsten vier Wochen nicht grundlegend entspannt. Es heißt mal wieder abwarten für die Kicker, während den FLVW-Verantwortlichen um Manfred Schnieders die Köpfe rauchen.

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