Leichtathletik-Stützpunkt Kreuztal

So will die Siegerländer Leichtathletik ihre Krise überwinden

Mit 7,11 Metern im Weitsprung schafft es Sascha Menn (LG Kindelsberg Kreuztal) als einer von nur wenigen Männern aus dem Siegerland in die Top 50 der Deutschen Bestenliste des Jahres 2022.

Mit 7,11 Metern im Weitsprung schafft es Sascha Menn (LG Kindelsberg Kreuztal) als einer von nur wenigen Männern aus dem Siegerland in die Top 50 der Deutschen Bestenliste des Jahres 2022.

Kreuztal. Die Leichtathletik in Siegen-Wittgenstein ist auf einem Tiefpunkt angekommen, zumindest was die Resultate in Bestenlisten und die Nominierungen in Bundes- und Landeskader anbelangt. Von den 621 Athleten in den Bundeskadern der Erwachsenen sowie der Jugendlichen kommen nur zwei aus Siegen-Wittgenstein: Die Stabhochspringer Torben Blech (Bayer Leverkusen) und Till Marburger (LG Olympia Dortmund) – zwei Athleten, die ihre Grundausbildung bei der LG Kindelsberg Kreuztal und der LG Wittgenstein erhalten haben, seit einigen Jahren aber an großen Bundesstützpunkten trainieren.

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Auch unter den 100 Namen im Landeskader sind nur drei aus Siegen-Wittgenstein: Annika Seifert (TV Jahn Siegen/Speerwurf), Lukas Kasusch (LG Kindelsberg Kreuztal/Sprint) und Elias Dickel (LG Wittgenstein/Hochsprung). Vor allem aber stellte sich auch die Zahl der Teilnahmen an Deutschen Meisterschaften schon erfreulicher dar. Athleten, die kurzfristig den Sprung in die nationale Spitze schaffen könnten, sind kaum in Sicht.

Die gute Nachricht: Der heimische Leichtathletik-Landesleistungsstützpunkt mit dem Zentrum in Kreuztal steht derzeit nicht zur Disposition. „Es ist immer ein Auf- und Ab“, sieht Peter Westermann eine Dürrephase, was hochveranlagte Sportler an einem Standpunkt angeht, als nichts ungewöhnliches. Der Boss der Leichtathleten im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) betont: „Wir halten an dem Stützpunkt fest. Wir haben auch den Eindruck, dass die Arbeit dort gut läuft.“ Klar ist aber auch: Die Förderung, die Kreuztal in Form der Finanzierung einer halben Trainerstelle vom Land erhält, ist kein Selbstzweck, sondern soll zur systematischen Vorbereitung von Athleten auf den Hochleistungssport dienen.

Tristes Bild bei Kreismeisterschaften

So wird fortlaufend geprüft, was besser laufen könnte. Ein Problem, das immer wieder genannt wird, ist die gesunkene Zahl von Athleten, die sich im Kreisgebiet Wettkämpfen stellen – sichtbar vor allem bei den Kreismeisterschaften. 2022 brauchte es über 100 Meter der Männer braucht es keine Vorläufe mehr, die Titel in mehreren Disziplinen bleiben mangels Interessenten sogar vakant.

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Es ist eine einfache Logik: Wo weniger Athleten unterwegs sind, ist die Wahrscheinlichkeit, einen Top-Athleten hervorzubringen, geringer. Ein anderes gravierendes Problem, das daraus folgt: Spätestens ab der Jugendklasse finden sich ambitionierte Athleten in sehr kleinen Gruppen wieder oder sind gänzlich auf sich alleine gestellt. „Wenn du nur einzeln trainierst, ist es auf Dauer zum Scheitern verurteilt“, sagt Armin Kring, Trainer beim CLV Siegerland.

Der Verein bewegt derzeit zwar immerhin rund 50 Schüler, doch es fehlt ein leistungsmäßiges Aushängeschild. Vor allem während der Pandemie seien viele Athleten abgesprungen, dazu fiel Kring selbst als Kopf des CLV-Trainerteams zuletzt für mehrere Monate aus. „Im Moment müssen wir sehen, dass wir die bestehende Gruppe beisammen halten und darunter neu aufbauen.“

Regina Freund leitet neue U14-Leistungsgruppe

Fehlende Breite an der Basis und kleine Trainingsgruppen in dem Leistungsbereich, in dem es interessant wird – genau an diesen beiden Punkten will die heimische Leichtathletik nun ansetzen. Ersteres ist auch landesweit ein Problem, weshalb der FLVW einerseits mit den neuen Landesmeisterschaften schon für die U14 (siehe Extra-Text) schon für Kinder attraktive Wettkämpfe ausschreibt, „um zu motivieren“, wie Westermann sagt. Zudem schafft der Verband neue 450-Euro-Jobs für Trainer, die sich speziell um die Altersklasse U14 kümmern sollen.

Eine dieser Stellen ist auch im Siegerland angesiedelt und wird von Regina Freund besetzt, die beim TV Langenholdinghausen bzw. der LAG Siegen viel Erfahrung in dieser Altersgruppe gesammelt hat. „Sie wird ein Training anbieten, das auf den Mehrkampf ausgerichtet ist und Athleten verschiedener Vereine zusammenführt“, verrät Stützpunkttrainer André Kahrweg, dem Freund zuarbeiten soll.

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Auch sonst ist die Zusammenführung ambitionierter Athleten in gemeinsamen Trainingsgruppen ein Thema, das ihn umtreibt. Kahrweg selbst bietet im zweiten Jahr ein vereinsübergreifendes Stützpunkttraining für Sprint und Hürdenlauf in Kreuztal an. Für die Bereich Sprung und Wurf sucht er noch Trainer, die eine „Südwestfalen-Gruppe“ leiten könnten.

Wichtiger Ansporn

Mit den Fortschritten „seiner“ Gruppe ist er nicht unzufrieden. „Das klappt ziemlich gut“, verweist er etwa auf U18-Läufer (und -Fußballer) Lukas Kasusch, der sich 2022 von 11,74 auf 11,19 Sekunden über 
100 Meter verbesserte. „Dieser Ansporn einer starken Trainingsgruppe ist unheimlich wichtig. Man geht schon ganz anders an das Training heran als wenn man weiß, dass man den anderen weh wegläuft. Der soziale Aspekt kommt ja dann auch noch hinzu“, sagt Ayodele Buraimoh, 2. Vorsitzende und Trainerin bei der LGK.

Die Lehrerin hofft, dass mit der aktuell startenden (Rück-)Umstellung von G8- auf G9-Abitur wieder mehr Athleten auch abseits der Sportinternate mit dem Einstieg in den Leistungssport bei der Stange bleiben. Buraimoh: „Die jetzige Mittelstufe geht wieder ein Jahr länger in die Schule. Das ist positiv, weil am Nachmittag mehr Zeit für Vereinssport sein wird.“

Talentsichtungen geplant

Auch in Richtung „Masse“, die in den vergangenen Jahren fehlte, gibt es klare Pläne. Sowohl Kahrweg als auch Kring haben Talentsichtungen in Schulen in Planung oder haben damit bereits gestartet. „Das läuft gut an“, sagt Kahrweg. „Unsere Aufgabe ist, es denn Kindern schmackhaft zu machen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie gewollt sind.“

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Schon jetzt haben die Trainingsgruppen ab dem Jahrgang 2010 und jünger einen enormen Zulauf, stärker gar als vor der Pandemie. Allein bei der LG Kindelsberg Kreuztal tummeln sich 100 Kinder und Jugendliche. Der nächste Schritt soll sein, das Wettkampfangebot auszubauen – so ist am 12. Februar in der Kreissporthalle erstmals seit Jahren wieder ein Hallen-Vergleich im Kreis geplant. Die LG Wittgenstein hat ihr Erfolgsmodell des vergangenen Jahrzehnts, den Sommer-Schülercup mit fünf Stationen, wieder aufgenommen. Auch im Siegerland soll es wieder mehr Angebote geben. Der LGK-Vorsitzende Thomas Klein: „Wir wollen in eine Routine hineinkommen, im Sommer mehr Qualifikationswettkämpfe und Abendsportfeste anbieten. Wir wollen wieder angreifen.“

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