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Olper Reihe „Piano Solo“ startet mit Herbert Schuch
Hommage an Beethoven

Herbert Schuch holte die Musikkultur in Olpe aus der Corona-Starre.

pjw Olpe. Mit seinem „Piano-Solo“-Konzert in der Olper Stadthalle begeisterte der renommierte Pianist Herbert Schuch am Freitagabend ein kultur- und musikhungriges Publikum. Auch Organisator Klaus Droste freute sich in seiner kurzen Ansprache: „Kurzfristig mussten wir im März in Windeseile das erste Konzert von ,Piano Solo‘ leider absagen, dann die beiden weiteren geplanten. Jetzt steht das erste ,Piano Solo‘ endlich an, endlich wieder Live-Musik!“
Das Ambiente war etwas anders als gewohnt: Die Klavierreihe gastierte nach 25 Jahren im Kreishaus zum ersten Mal in der Stadthalle, die im Hinblick auf die Corona-Schutzmaßnahmen deutlich mehr Platz bietet. Es wurde ein reiner Beethoven-(Geburtstags-)Abend mit der Sonate Nr. 1 in f-Moll op.

pjw Olpe. Mit seinem „Piano-Solo“-Konzert in der Olper Stadthalle begeisterte der renommierte Pianist Herbert Schuch am Freitagabend ein kultur- und musikhungriges Publikum. Auch Organisator Klaus Droste freute sich in seiner kurzen Ansprache: „Kurzfristig mussten wir im März in Windeseile das erste Konzert von ,Piano Solo‘ leider absagen, dann die beiden weiteren geplanten. Jetzt steht das erste ,Piano Solo‘ endlich an, endlich wieder Live-Musik!“
Das Ambiente war etwas anders als gewohnt: Die Klavierreihe gastierte nach 25 Jahren im Kreishaus zum ersten Mal in der Stadthalle, die im Hinblick auf die Corona-Schutzmaßnahmen deutlich mehr Platz bietet. Es wurde ein reiner Beethoven-(Geburtstags-)Abend mit der Sonate Nr. 1 in f-Moll op.2/1, der berühmten „Pathétique“ und den Diabelli-Variationen.

Revolutionärer Geist: die Sonate Nr. 1

Die Sonate Nr.1 in f-Moll, die Beethoven 1795 in Wien schrieb, atmet durchaus revolutionären Geist, der in jenen Jahren auch an dem noch jungen Komponisten nicht spurlos vorüberging: neue Ideen und Inspirationen allerorten – so auch in der Sonate. Sie bricht mit der konventionellen Dreisätzigkeit und deutet in allen (vier) Sätzen bereits auf die späteren Sonaten des Meisters hin.
Dem von Herbert Schuch stürmisch genommenen ersten Satz – man denke allein nur an die auffahrenden Akkorde zu Beginn –, folgt ein in Teilen elegisches, innehaltendes Adagio, bis ein Menuett und das Prestissimo-Finale der Sonate erneut ein vorwärtsdrängendes, revolutionäres „Idiom“ auf den Plan rufen. Kurzum: eine Sonate, mit der Beethoven seine Gesinnungen schon früh unterstreicht – revolutionär, freiheitsliebend, zukunftsoptimistisch.

Keineswegs abgegriffen: die „Pathétique“

Das zweite Stück des Abends hört man des Öfteren im Konzertsaal: Beethovens Sonate Nr. 8 in c-Moll op. 13, bekannter unter dem Titel „Pathétique“. Der Vorwurf, sie gelte durch ihre häufigen Aufführungen als zum Teil abgegriffen, ist nicht haltbar. Im Gegenteil. Suchend – planlos – beginnt die Einleitung, zielgerichtet dagegen das folgende Allegro.
Der zweite Satz trägt bereits Anklänge an Beethovens Spätwerk, die Melodie ist wunderschön; es ist, als wolle Beethoven einen Vorgeschmack geben auf das, was noch kommt, eine Antizipation dessen, wofür die Zeit noch nicht reif ist. Schuch kostete die Pausen, Fermaten, Verzierungen aus, spielte mit den Harmonien, die sich ganz in den Dienst des pathetischen Ausdrucks stellen.

„Abbild der Tonwelt“: Diabelli-Variationen

Es gibt ja Werke zwischen Himmel und Erde, die die Jahrhunderte rein und makellos überdauern – die Diabelli-Variationen von Beethoven, im Original „33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli“, gehören mit Sicherheit dazu. Als „Abbild der ganzen Tonwelt“ sah Hans von Bülow sie an. Hier vereint und konzentriert Beethoven sein gesamtes künstlerisches Handwerk und gießt es in ein geniales Werk. Schuch spielte kongenial dieses Mammutwerk, das ein Kompendium der Klaviermusik darstellt, und zeigte sich selbst begeistert: „Hier sieht man, wie gut sich Beethoven auskannte in der Musik seiner Zeit, aber auch in den vorangegangen Epochen und Musikstilen, die Stilvielfalt ist fantastisch.“ –
Und tatsächlich sind die 33 Variationen über den eher unscheinbar daherkommenden Walzer ein Werk, das voller ingeniöser Ideen steckt, ausdrucksvolle Variationen enthält, mit barocker Zier prunkt, komische Momente nicht ausspart und schließlich metaphysische Sphären berührt. Beethoven integriert einen Marsch, ein barockes Charakterstück, frei schwebende impressionistische Klänge, abrupte Wendungen.
Am Ende mündet das Ganze in eine Doppelfuge und endet mit einem anmutenden Menuett. Schuch verlor sich in den 1126 Takten und spielte die Variationen mal mit voller Intensität, mal mit innerer Ruhe, präzise, konturiert, expressiv – eine Hommage an Beethoven.

Autor:

Redaktion Kultur

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