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Furioses Feuerwerk mit Pianist Severin von Eckardstein
Musikalische Momente - meisterlich

Furios, fulminant, mit poetischen Zwischentönen, technisch brillant: Severin von Eckardstein begeisterte in Olpe bei Piano Solo.
  • Furios, fulminant, mit poetischen Zwischentönen, technisch brillant: Severin von Eckardstein begeisterte in Olpe bei Piano Solo.
  • Foto: Philipp Weber
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

pjw Olpe. Ein furioses pianistisches Feuerwerk zündete der Pianist Severin von Eckardstein bei Piano Solo in der Olper Stadthalle mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Fanny Hensel, Franz Schubert und Franz Liszt.Das erste Stück, die sechs Variationen über „Salve tu Domine“ F-Dur KV 398 von Mozart, begann leise, das Thema: eher unscheinbar; doch dann entfalteten die einzelnen Variationen ihre Schönheit und wurden freier in ihrem Spiel. So frei, dass man am Ende meinen konnte, es handele sich um eine (freie) Fantasie. Die Interpretation war bestechend, Eckardstein, der in Siegen aufgewachsen ist, von Beginn an in seinem Element.

Zwei Raritäten von Fanny HenslUm echte Raritäten handelte es sich bei den beiden Stücken „Lied“ Des-Dur op. 8 Nr.

pjw Olpe. Ein furioses pianistisches Feuerwerk zündete der Pianist Severin von Eckardstein bei Piano Solo in der Olper Stadthalle mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Fanny Hensel, Franz Schubert und Franz Liszt.Das erste Stück, die sechs Variationen über „Salve tu Domine“ F-Dur KV 398 von Mozart, begann leise, das Thema: eher unscheinbar; doch dann entfalteten die einzelnen Variationen ihre Schönheit und wurden freier in ihrem Spiel. So frei, dass man am Ende meinen konnte, es handele sich um eine (freie) Fantasie. Die Interpretation war bestechend, Eckardstein, der in Siegen aufgewachsen ist, von Beginn an in seinem Element.

Zwei Raritäten von Fanny Hensl

Um echte Raritäten handelte es sich bei den beiden Stücken „Lied“ Des-Dur op. 8 Nr. 3 aus den „Vier Liedern“ für das Pianoforte und „Oktober“ aus „Das Jahr“ von Fanny Hensel. Die Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy war im Berliner Kulturleben eine feste Größe, galt als ausgezeichnete Pianistin und Komponistin. Die Vielfalt ihres Schaffens kam in den beiden Stücken zum Tragen, zeichneten sie sich doch durch Kontraste und romantische Leidenschaft aus, was Severin von Eckardstein auf dem Bösendorfer gefühlvoll herausarbeitete und darstellte.

Schuberts poetische Klangwelt

Vor der Pause tauchte Eckardstein das Publikum in Schubertsche Klänge, mit der Klaviersonate a-Moll op. posth. D784. Das erlesene Stück bestach mit seinem suchenden Beginn und dem außergewöhnlich epischen zweiten Satz sowie dem ebenfalls unkonventionellen dritten Satz. Insgesamt eine fantastische Melange einer durch und durch poetischen Klangwelt, die dem Pianisten Eckardstein an vielen Stellen sehr nahe kommt, in der er sich zu Hause fühlt, mit der er sich in den musikalischen Momenten identifizieren kann. Die Unergründlichkeit der Musik Schuberts regt stets aufs Neue an: Man ist innerlich ergriffen und emotional berührt, ohne zu wissen warum. Vielleicht, weil sie ein so großes Versprechen abgibt, dem wir nicht entsprechen können, das wir aber als Ideal immer wieder bestaunen?

Wie ein Feuerwerk: die Liszt-Etüden

Wie ein furioses Feuerwerk wirkten die nach der Pause dargebotenen „Douze Études d’exécution transcendante“ (etwa: Etüden zur übernatürlichen Ausführung) S 139 von Franz Liszt. Mal abgesehen davon, dass alle zwölf Etüden nur sehr selten im Konzertsaal zu hören sind, sucht das Monumentalwerk auch in seiner Vielschichtigkeit und mit seiner sehr schwierigen klassischen Notenpyromanie – die Etüden gelten für Spieler (und auch für Zuhörer) als eines der schwierigsten Klavierliteratur-Angebote überhaupt – seinesgleichen.Schon der imposante Beginn des Preludio, der ersten Etüde, lässt ahnen, was noch folgt. Eckardstein spannte einen großen Bogen über alle zwölf Etüden, filterte feinste Feinheiten aus dem Noten-Kosmos und meißelte Klangskulpturen vom groben Expressionismus bis zum Feingewebe heraus.

Atemberaubend virtuos - 60 Minuten lang!

Das Publikum versank für mehr als 60 Minuten in den lisztschen Klangwolken und lauschte der teilweise atemberaubenden Virtuosität und Versatilität des Pianisten Eckardstein. Die leuchtete beispielsweise auf in der Mazeppa (Etüde Nr. 4) oder den nachfolgenden „Irrlichtern“ (Nr. 5, „Feux follets“) und auch in der „Wilden Jagd“ (Nr. 8). In ihnen muss der Exzentriker Liszt mit seinen Allegro- bis Presto-furioso-Passagen selbst über sich hinausgewachsen sein, glaubt man den Schilderungen seiner Zeitgenossen. Es folgte ein Paukenschlag im Fortissimo.Wie anders, wie sanft dagegen die Stücke und deren „moments musicaux“ in den „Harmonies du soir“ (Nr. 11), in der „Vision“ (Nr. 6) oder dem Schneetreiben („Chasse neige“, Nr. 12): Von luziden und offenen Stellen bis hin zum romantischen Überschwang war alles dabei.

Glanzleistung vor der Kultur-Zwangspause

Langanhaltend war der Applaus für diese pianistische Glanzleistung inklusive stehender Ovationen, bevor der Vorhang nun erst einmal wieder gefallen ist und die Kulturszene nun – wie von einem Paukenschlag getroffen – erneut in eine Zwangspause gehen muss.

Autor:

Redaktion Kultur

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