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Ungewöhnliches Programm
Nicolas Namoradze bei Piano Solo

Nicolas Namoradze überzeugte bei seinem Piano Solo-Debüt  mit einem ungewöhnlichem Programm.
  • Nicolas Namoradze überzeugte bei seinem Piano Solo-Debüt mit einem ungewöhnlichem Programm.
  • Foto: Philipp Weber
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pjw Olpe. Besondere Klänge kamen beim zweiten Konzert in der Reihe Piano Solo in der Olper Stadthalle zu Gehör: Organisator Klaus Droste konnte erstmals Nicolas Namoradze auf dem Podium willkommen heißen. Namoradze brachte bei seinem Debüt bei Piano Solo am Freitag ein ungewöhnliches Programm mit, unter den Werken war auch eine europäische Erstaufführung aus Namoradzes eigener Feder.
Von barocker Strenge zu formalem SpielMit Bachs „Französischer Suite Nr. 1 d-Moll“ begann das Konzert mit einer Abfolge von stilisierten Tänzen, wie sie in der Barockmusik typisch sind.

pjw Olpe. Besondere Klänge kamen beim zweiten Konzert in der Reihe Piano Solo in der Olper Stadthalle zu Gehör: Organisator Klaus Droste konnte erstmals Nicolas Namoradze auf dem Podium willkommen heißen. Namoradze brachte bei seinem Debüt bei Piano Solo am Freitag ein ungewöhnliches Programm mit, unter den Werken war auch eine europäische Erstaufführung aus Namoradzes eigener Feder.

Von barocker Strenge zu formalem Spiel

Mit Bachs „Französischer Suite Nr. 1 d-Moll“ begann das Konzert mit einer Abfolge von stilisierten Tänzen, wie sie in der Barockmusik typisch sind. Die feingliedrigen Suitensätze (Allemande, Courante, Sarabande, die Menuette und die abschließende Gigue) luden zur cembalistisch-streng interpretierten Einstimmung ein, bevor Nicolas Namoradze mit seinen eigenen Kompositionen fortfuhr.
Von seinen sechs Klavieretüden, die der 29-Jährige zwischen 2015 und 2019 komponiert hat und von denen jede von einer bestimmten pianistisch-technischen Herausforderung inspiriert ist, spielte Namoradze seine „Etude V –  Entwined Threads“ (verschlungene Fäden), „Etude VI – Double Notes“ und die „Etude I -  Major Scales“. Neben „akrobatischen Sprüngen“ und „launischen und kapriziösen“ ‚Charakteren führt dann in Etude I „eine zunehmend chaotische Interaktion zwischen den beiden Händen zum Zerfall der Komposition“, wie Namoradze über seine Stücke schreibt.

Eine Sinfonie für Klavier

Das darauffolgende Adagio aus der „Sinfonie Nr. 2 e-Moll“ von Sergei Rachmaninoff war ein weiterer Höhepunkt des Konzerts, handelte es sich doch bei diesem Vortrag um die europäische Erstaufführung: eine Transkription für Klavier von Nicolas Namoradze. Hier beeindruckte der Solist durch die Beherrschung der gesamten Klaviatur, die Üppigkeit des Klangs, die reiche und ausgedehnte Harmonik, zauberhafte Elemente. Romantik pur. Dabei, so schreibt Namoradze selbst über seine Bearbeitung, hält sich „mein Arrangement zwar strikt an das thematische und harmonische Material des Originals, ist aber weniger eine strenge Transkription als vielmehr eine Neuinterpretation des Satzes für Klavier, um ein pianistisch orientiertes Stück zu schaffen.“ Eine große Freude, dem Pianisten bei seiner Interpretation zuzuhören.

Musikdidaktik mit Klang

War schon der erste Teil des Konzerts musikdidaktisch konzipiert – von der streng-formalen Barockmusik über „Verschlungenheit“ und schließlich „Zerfall“ hinein in die romantische Musik –, so ging es auch nach Pause in dieser Art weiter. Zunächst standen zwei Fugen (Nr.6 und 7) aus Bachs „Kunst der Fuge“ auf dem Programm. Mit diesem Werk wollte Bach am Ende seines Lebens noch einmal seine ganze Kunstfertigkeit im Bereich der polyphonen Musik demonstrieren. Die Fugen beziehen ihre jeweiligen Themen aus dem Thema der 1. Fuge und münden in die düstere (Todes-)Tonart d-Moll. Namoradze nahm diesen Faden auf und ging unmittelbar – attacca – über zum letzten Höhepunkt des Konzerts: Rachmaninoffs Sonate Nr. 1 in d-Moll.

Bei Piano Solo noch nie gehört

Zum ersten Mal in der inzwischen 28-jährigen Geschichte von Piano Solo erklang diese großangelegte, wuchtige Klaviersonate. Die Sonate in d-Moll, düster und schwermütig im Klang, durchzogen von einem Weltschmerz-Ton, schrieb Rachmaninoff 1907/08 in Dresden. Sie soll sich auf den Faust-Stoff beziehen; es ist das Faustische, das Suchende, was sich hierin wiederfindet. Kraftvoll nahm Namoradze den Duktus der Sonate auf: In dem Wirrwarr von Rhythmen und Verflechtungen blitzten aber doch immer wieder luzide Momente in den drei Sätzen auf.  Ein besonderes Piano Solo-Konzert, das sich etwas jenseits der gewohnte Hörgewohnheiten bewegte, aber doch seinen eigenen Reiz hatte.
Philipp Weber

Autor:

Redaktion Kultur

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