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Opus-Klassik-Preisträger Robert Neumann bei "Piano Solo" in Olpe
Zu neuen Ufern greifend

Der 20-jährige Robert Neumann demonstrierte seine ganze Kunst am Freitag bei „Piano Solo“ in Olpe.
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  • Foto: Philipp Weber
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

pjw Olpe. Mit Robert Neumann betrat am Freitagabend bei „Piano Solo“ ein noch junger Künstler das Podium: Der 20-Jährige, der erst kürzlich mit dem Opus-Klassik-Preis in der Kategorie „Nachwuchskünstler des Jahres am Klavier“ ausgezeichnet wurde, spielte Werke von Sergej Rachmaninoff, Carl Philipp Emanuel Bach und Frédéric Chopin.
Rachmaninoff: meisterhafte Interpretation Bereits bei Rachmaninoffs Variationen über ein Thema von Corellli („La Folia“) in d-Moll op. 42 wurde deutlich, was in Robert Neumann steckt: Das eher schlichte Tanzthema, das schon Corelli für Variationen nutzte, breitet Rachmaninoff in seinem Variationszyklus in zwanzig Veränderungen, man könnte sagen: Charakterstücken, aus und demonstriert so dem Hörer einen ganzen Kosmos an kompositorischen Raffinessen.

pjw Olpe. Mit Robert Neumann betrat am Freitagabend bei „Piano Solo“ ein noch junger Künstler das Podium: Der 20-Jährige, der erst kürzlich mit dem Opus-Klassik-Preis in der Kategorie „Nachwuchskünstler des Jahres am Klavier“ ausgezeichnet wurde, spielte Werke von Sergej Rachmaninoff, Carl Philipp Emanuel Bach und Frédéric Chopin.

Rachmaninoff: meisterhafte Interpretation 

Bereits bei Rachmaninoffs Variationen über ein Thema von Corellli („La Folia“) in d-Moll op. 42 wurde deutlich, was in Robert Neumann steckt: Das eher schlichte Tanzthema, das schon Corelli für Variationen nutzte, breitet Rachmaninoff in seinem Variationszyklus in zwanzig Veränderungen, man könnte sagen: Charakterstücken, aus und demonstriert so dem Hörer einen ganzen Kosmos an kompositorischen Raffinessen. Die Interpretation durch den jungen Pianisten war meisterhaft: Selten hat man solche Differenzierungen vor allem in Dynamik und Ausgewogenheit des Spiels gehört. Der große Bogen, den Neumann spannte, vereinte die durch klare Schnitte gegliederte Komposition, bis zum zentralen Adagio-Teil, der von dem teilweise düster gehaltenen d-Moll eine Aufhellung nach Des-Dur erfährt.

"Wie aus der Zeit gefallen"

Grandios, und für den Connaisseur ein wahrer Genuss, auch das zweite Werk des Abends: Mit Carl Philipp Emanuel Bachs Fantasia fis-Moll Wq 80 erklang eine echte Rarität im Konzertsaal. „Ein skurriles Stück“, gab Neumann nach dem Konzert zu. „Wie aus der Zeit gefallen; schaut man sich die harmonischen Wendungen an, die einzelnen Teile innerhalb des Werks, so muss man erst einmal einen Konnex innerhalb des Werks ausfindig machen – Bachs Fantasie scheint 100 Jahre zu früh geschrieben, sie mutet wahrhaft modern an.“

Ganz und gar persönlicher Stil

Carl Philipp Emanuel, der berühmte Sohn des Thomaskantors Johann Sebastian Bach, der am preußischen Hof unter Friedrich II., dem Alten Fritz, Karriere machte, war für seine ausladenden Improvisationskünste bekannt. Letztere spiegeln sich in der fis-Moll-Fantasie wider: Es ist ein Spiel mit Empfindungen und Emotionen, ein ganz und gar persönlicher Stil. Und den legte auch Robert Neumann an den Tag: Er lotete die einzelnen musikalischen Parameter in seinen Extremen aus. Die Dynamik vom leisesten piano bis ins forte, langsame Adagio-Partien wechselten mit virtuosen Figuren und Läufen, hochexpressive Aufladungen folgten – in all dem zeigte sich Robert Neumann ambitioniert und zu neuen Ufern greifend.

Voller Intensität

Nach der Pause standen vier Kompositionen von Frédéric Chopin auf dem Programm, allesamt in den 1840er-Jahren geschrieben, wenige Jahre vor seinem Tod. Die reife Fantasie op. 49 steht als monumentales Einzelwerk da, Neumanns Kraft in Gestaltung und Ausdruck war bestechend. Voller Energie, voller Intensität und höchster Anschlagskultur spielte Neumann dieses sehnsuchtsvolle Stück. Etwas anders mutete die folgende Tarantella op. 43 an – ein hörenswerter virtuoser Schnappschuss.
Bezaubernd kam die Berceuse Des-Dur op. 57 daher, ein Musterbeispiel höchster Klangsprache, keine Langeweile erzeugend. Über ein gleichbleibendes Bassmotiv erstrecken sich wunderbare Melodien; das sanfte Spiel von Neumann war auch hier wieder à la Chopin. Ebenso leuchtend die Barcarolle in Fis-Dur op. 60, die zwischen Melancholie und Leidenschaft changiert und die Neumann in einer großartigen Interpretation präsentierte.

Kunstverein Südsauerland wird 30

Als Zugabe hatte Robert Neumann noch ein exquisites Schmankerl dabei: Zum 30. Geburtstag des Kunstvereins Südsauerland, der – passend zum Konzerttermin vom Freitag – am 7. Oktober 1991 gegründet wurde und der es sich unter seinem Geschäftsführer Klaus Droste immer wieder zur Aufgabe gemacht hat, ausdrücklich auch junge Künstlerinnen und Künstler in die Kreisstadt zu holen, spielte Neumann ein „Happy Birthday“ der besonderen Art. Für die Standing Ovations bedankte sich Neumann beim Publikum mit zwei weiteren Zugaben, darunter auch seine selbstkomponierte – avancierte – Burlesca (2019), ein Stück überaus reifer Kompositionskunst. Herzlichen Glückwunsch!

Autor:

Redaktion Kultur

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