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Prozess um mehrfachen Diebstahl im Krankenhaus
1000 Einweghandschuhe geklaut

Mit einer großen Tüte voller gestohlener Hygieneartikel flüchtete Ende Oktober vergangenen Jahres eine Frau mit ihrem Kind aus dem Olper Krankenhaus. Jetzt musste sich die 37-Jährige vor dem Olper Schöffengericht verantworten.
  • Mit einer großen Tüte voller gestohlener Hygieneartikel flüchtete Ende Oktober vergangenen Jahres eine Frau mit ihrem Kind aus dem Olper Krankenhaus. Jetzt musste sich die 37-Jährige vor dem Olper Schöffengericht verantworten.
  • Foto: yve
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

yve Olpe. Der Diebstahl von Hygieneartikeln aus Krankenhäusern sorgte in der Hochphase des ersten Lockdowns bundesweit immer wieder für Schlagzeilen. Kurzzeitige Fehlbestände fielen auch im Olper St.-Martinus-Hospital auf – allerdings deutlich vor der Corona-Pandemie. Hunderte Einweghandschuhe, Feuchttücher sowie Waschgel und Toilettenpapier verschwanden.
Am 21. September 2019 fiel dem Personal der Station 1 a eine verdächtige Frau in Begleitung eines Kindes auf, später wurde der Diebstahl von vier Paketen mit Einweghandschuhen bemerkt. „Sie ist wieder da“: 38 Tage später sichtete ein Auszubildender die Frau – dieses Mal auf der Station 5 b. Er informierte unverzüglich eine Krankenschwester, die jetzt im Zeugenstand des Olper Amtsgerichts angehört wurde.

yve Olpe. Der Diebstahl von Hygieneartikeln aus Krankenhäusern sorgte in der Hochphase des ersten Lockdowns bundesweit immer wieder für Schlagzeilen. Kurzzeitige Fehlbestände fielen auch im Olper St.-Martinus-Hospital auf – allerdings deutlich vor der Corona-Pandemie. Hunderte Einweghandschuhe, Feuchttücher sowie Waschgel und Toilettenpapier verschwanden.
Am 21. September 2019 fiel dem Personal der Station 1 a eine verdächtige Frau in Begleitung eines Kindes auf, später wurde der Diebstahl von vier Paketen mit Einweghandschuhen bemerkt. „Sie ist wieder da“: 38 Tage später sichtete ein Auszubildender die Frau – dieses Mal auf der Station 5 b. Er informierte unverzüglich eine Krankenschwester, die jetzt im Zeugenstand des Olper Amtsgerichts angehört wurde. Mit Verspätung, denn die Angeklagte, die sich für die Delikte im Olper Krankenhaus zu verantworten hatte, war der Verhandlung zunächst ferngeblieben.

Angeklagte gibt Taten zu

Als sie 15 Minuten nach Verhandlungsbeginn noch nicht erschienen war, entschied das Schöffengericht unter Vorsitz von Richard Sondermann auf Anregung von Staatsanwalt Phillip Scharfenbaum, die Frau vorführen zu lassen. Mit Erfolg. Polizeibeamte trafen die 37-Jährige an, die in einem Zimmer einer Flüchtlingsunterkunft in Olpe lebt. Sie habe nichts von dem Termin gewusst und sei erst vor drei Tagen von Berlin nach Olpe zurückgekehrt, übersetzte der für diesen Morgen bestellte Dolmetscher ihre Rechtfertigung. Die syrische Staatsbürgerin ließ über ihren Verteidiger erklären, dass sie die Taten einräume. Nicht nur Diebstahl geringwertiger Sachen wurde ihr zur Last gelegt, sondern auch räuberischer Diebstahl. Die 54-jährige Krankenschwester aus der Gemeinde Wenden berichtete dem Gericht sodann, was im Hospital bei der zweiten Tat geschehen war. Die Angeklagte habe sich auf ihrer Station aufgehalten. Mit einer großen Tüte eines hiesigen Lebensmittelgeschäfts sei sie von der Station 5 b auf die Station 5 a gegangen. „Ich bin ihr gefolgt.“

Kind tritt Krankenschwester auf die Füße

Dann habe die 37-Jährige so getan, als komme sie gerade aus einem Patientenzimmer. Die Krankenschwester schilderte, dass sie die Beschuldigte am Ausgang der Station gestoppt habe. „Ich habe sie am Oberarm festgehalten, sie sollte die Tüte aufmachen.“ Stattdessen aber habe das Kind der Frau ihr mehrfach fest auf die Füße getreten. Die Diebin selbst kniff der Krankenschwester in den Oberarm und stieß ihr die Tüte vor die Brust. „Danach flüchtete die Frau mit ihrem Kind“, so die 54-Jährige.

Hygieneartikel für den Eigenbedarf?

Umgehend sei die Polizei informiert worden, die eine Fahndung einleitete. Beamte trafen die Frau und ihren Sohn nach kurzer Zeit an der Brabeckstraße an – bepackt mit dem Diebesgut, das eindeutig dem Olper Krankenhaus zuzuordnen war. „Was haben Sie sich dabei gedacht?“, fragte Sondermann. Die Beschuldigte erklärte, dass sie die Hygieneartikel für sich gebraucht habe, ihr Geld reiche nicht für einen Kauf. Das machte Scharfenbaum doch etwas stutzig. Schließlich habe sie binnen zwei Monaten Pakete mit etwa 1000 Einweghandschuhen entwendet – und das vor Corona. „Dann haben Sie aber häufig geputzt.“ Er sei nicht gewillt, sich einen vom Pferd erzählen zu lassen. „Ihnen wird ein Verbrechen vorgeworfen.“

Einschlägig vorbestraft

Die 37-Jährige beharrte aber darauf, nur zweimal im Olper Krankenhaus gewesen zu sein und die Artikel ausschließlich für sich selbst verwendet zu haben. Zwei weitere als Zeuginnen geladene Krankenschwestern konnten im weiteren Verlauf des Prozesses auch nicht bestätigen, die Angeklagte mehrmals im Hospital gesehen zu haben. Doch nachdem die Frau auf frischer Tat ertappt worden sei, habe niemand mehr Fehlbestände festgestellt, hielt die 54-jährige Angestellte fest.
Die Beschuldigte ist einschlägig vorbestraft, die Liste im Auszug des Bundeszentralregisters lang. Verurteilungen überwiegend aufgrund Diebstahl von geringwertigen Sachen sind dort festgehalten. Drei Monate verbüßte die Syrerin eine Ersatzfreiheitsstrafe, allerdings erst nach den jüngsten Taten im Olper Krankenhaus. Wäre das vorher passiert, so Sondermann, sei eine Strafaussetzung zur Bewährung nicht möglich gewesen.

Kein Gefängnis

Das Schöffengericht verurteilte die 37-Jährige für Diebstahl geringwertiger Sachen und räuberische Erpressung in einem minderschweren Fall zu einer einjährigen Freiheitsstrafe. Unter dem oben genannten Gesichtspunkt ausgesetzt zur Bewährung. Das Strafmaß hatte auch Staatsanwalt Scharfenbaum in seinem Plädoyer gefordert, allerdings sah er keine Umstände für eine positive Sozialprognose. „Ihre soziale Situation ist prekär.“ Zudem habe die Beschuldigte eine beeindruckende strafrechtliche Vita.

Drei Jahre Bewährung

Der Verteidiger der Beschuldigten schloss sich der Forderung von Scharfenbaum hinsichtlich der Höhe der Freiheitsstrafe an, plädierte jedoch dafür, seiner Mandantin noch einmal Bewährung einzuräumen. Diese Ansicht vertrat auch die Bewährungshelferin. Sie berichtete, dass sie nun guten Kontakt zu der 37-Jährigen habe, die seit sieben Jahren in Deutschland lebe, hier aber nur geduldet sei.
Richter Sondermann machte der Angeklagten unmissverständlich klar, dass das Urteil kein Freispruch bedeute. Im Falle eines erneuten Diebstahls müsse sie die einjährige Freiheitsstrafe absitzen. Das Schöffengericht legte die Bewährungszeit auf drei Jahre fest, zudem muss die Frau
80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.
Der Richter führte der 37-Jährigen nicht zuletzt die emotionale Wirkung vor Augen, „dort zu klauen, wo anderen Menschen geholfen wird“.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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