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Schwere Brandstiftung
18-Jähriger legt eigenes Zuhause in Schutt und Asche - so lautet das Urteil

Das Einfamilienhaus in Neu-Listernohl wurde bei dem Brand im November vergangenen Jahres völlig zerstört und ist  nicht mehr bewohnbar. Gelegt hatte das Feuer der eigene Sohn, der sich am Dienstag vor Gericht zu verantworten hatte.
  • Das Einfamilienhaus in Neu-Listernohl wurde bei dem Brand im November vergangenen Jahres völlig zerstört und ist nicht mehr bewohnbar. Gelegt hatte das Feuer der eigene Sohn, der sich am Dienstag vor Gericht zu verantworten hatte.
  • Foto: kaio (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Die Flammen wüteten regelrecht in einem Einfamilienhaus in Neu-Listernohl. Einsatzkräfte waren am 25. November vergangenen Jahres mit einem Großaufgebot vor Ort, um den verheerenden Brand zu bekämpfen. Jetzt musste sich ein heute 19-Jähriger wegen schwerer Brandstiftung vor dem Jugendschöffengericht in Olpe verantworten. Das ist das Urteil.

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Die Flammen wüteten regelrecht in einem Einfamilienhaus in Neu-Listernohl. Einsatzkräfte waren am 25. November vergangenen Jahres mit einem Großaufgebot vor Ort, um den verheerenden Brand zu bekämpfen. Jetzt musste sich ein heute 19-Jähriger wegen schwerer Brandstiftung vor dem Jugendschöffengericht in Olpe verantworten. Das ist das Urteil.

yve Olpe/Attendorn. Die Flammen wüteten regelrecht in einem Einfamilienhaus in Neu-Listernohl. Einsatzkräfte waren am 25. November vergangenen Jahres mit einem Großaufgebot vor Ort, um den verheerenden Brand zu bekämpfen. Nach mehrstündigen Löscharbeiten zeigte sich ein gewaltiges Ausmaß der Zerstörung. Das Gebäude ist nicht mehr bewohnbar, der Schaden liegt im sechsstelligen Bereich. Zu den Bewohnern gehörte auch der junge Mann, der sich am Dienstag im Olper Jugendschöffengericht wegen schwerer Brandstiftung zu verantworten hatte. Er ist das jüngste Kind der Familie, war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. Im Saal 37 galt es am Dienstag zu eruieren, warum der Beschuldigte ausgerechnet sein eigenes Zuhause in Schutt und Asche legte und ob das Jugend- oder das Erwachsenenstrafrecht Anwendung findet. Von erheblich verminderter Schuldunfähigkeit war schon in der Anklageschrift ausgegangen worden.

Brandstiftung: Vor Gericht schweigt der junge Mann zunächst

Der heute 19-Jährige,  aus der Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf  vorgeführt, schwieg zunächst beim Prozessauftakt. Es falle ihm schwer, über den Vorfall in der Öffentlichkeit zu reden, übermittelte Verteidiger Georg Goebel. Dann ließ sich der Beschuldigte doch zur Sache ein, sprach sehr leise, verfolgte das weitere Geschehen aber fast wort- und regungslos. Er räumte jedenfalls ein, im Zimmer seiner Schwester im Souterrain die Matratze und im Wohnzimmer im Erdgeschoss das Sofa angezündet zu haben. Auch ein Brandgutachter schloss im Gericht alle Ursachen bis auf Vorsätzlichkeit aus.

Wohnhaus brennt in Neu-Listernohl

Beamte der Kreispolizeibehörde Olpe berichteten im Zeugenstand, dass der Angeklagte schnell ins Visier der Ermittler geraten sei. "Er schrie und schaute mit weit aufgerissenen Augen zum Zimmer seiner Schwester", erinnerte sich ein 23-jähriger Polizist an den 25. November. "Wir dachten alle, dass noch jemand im Haus ist." Kameraden der Wehr hätten die Rollladen hochziehen und die Fenster einschlagen müssen. "Der Angeklagte ist vor dem Haus zusammengesackt und hat immer wieder auf den Boden geschlagen. Ich habe auch gesehen, dass er Rußanhaftungen an den Händen und im Gesicht hatte." Noch am Tag des Brandes nahmen Beamte den jungen Mann fest, seither befindet er sich in Untersuchungshaft.

Vater wird dem jungen Mann gegenüber körperlich übergriffig

Dort hat ihn der psychiatrische Sachverständige, Dr. Michael Mattes aus Dortmund, dreimal exploriert. Aus den Gesprächen gebe er die subjektiven Darstellungen des Angeklagten wieder, die in der Färbung in der gesamten Familie unterschiedlich wahrgenommen werden könnten. "Ich appelliere an ihre Tapferkeit", so Dr. Mattes im Gericht an die Mutter und die Geschwister des 19-Jährigen gerichtet. Der Beschuldigte habe sein Abitur machen und sich an der Uni für Physik einschreiben wollen, eine Schwester studiere, auch die anderen Familienmitglieder hätten sichere Jobs. Doch ein Blick hinter die Kulissen offeriere erschreckende Umstände. Die Eltern seien selbst in psychiatrischer Behandlung gewesen. Der Vater, im Jahr 2016 verstorben, sei dem Angeklagten gegenüber körperlich übergriffig gewesen, was ja auch von der Mutter im Zeugenstand bestätigt worden sei. Dr. Mattes beschrieb den 19-Jährigen als Symptomträger, als jemanden, "der die ganze Dramatik in der Familie nach außen bringt".  Er sei erheblich psychisch belastet, mehrfach vorbehandelt, habe suizidale Episoden durchlebt und bereits einen längeren Aufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie hinter sich. Vor der Brandstiftung sei er nicht mehr zur Schule gegangen, habe sich komplett von der Familie abgeschottet, in seinem Zimmer am Computer gespielt, es nur nachts verlassen – "ein gefährlicher Nährboden".

Jugendschöffengericht fällt nach Brandstiftung das Urteil

Er habe keinen Zweifel daran, dass der Angeklagte  auch vor und bei der Tat psychisch krank gewesen sei. So habe der 19-Jährige schon beim Aufwachen sehr starke und aggressive Fantasien gehabt. Und etwas in Brand stecken sei eine ganz starke Aggression nach außen. Der Sachverständige und auch später Markus Schirmeyer von der Jugendgerichtshilfe empfahlen dem Gericht, den Beschuldigten nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen und ihn bis zum Beginn einer stationärern Therapie in einer betreuten Wohngemeinschaft unterzubringen.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte, den Angeklagten zu einer zweijährigen Jugendstrafe zu verurteilen, die im Falle einer Unterbringung in einer Wohneinrichtung und anschließender Therapie zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Verteidiger Goebel schloss sich insbesondere den Ausführungen des Sachverständigen und der Jugendgerichtshilfe an. Das Schöffengericht verurteilte den 19-Jährigen letztlich zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten. "Die Vollstreckung der Jugendstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt", so Vorsitzender Richter Richard Sondermann. Zu den Bewährungsauflagen gehören die sofortige Unterbringung in einer betreuten Wohngemeinschaft in Wuppertal sowie eine stationäre Therapie. Den Haftbefehl hob das Gericht auf.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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