19 Kosovaren in einem Fiat »Tipo«

Auto sprühte Funken/Vier Monate für geständigen Täter

win Olpe. Jochen Schneider ist seit fast 30 Jahren Richter. Aber so etwas wie gestern hatte auch er noch nicht erlebt. Auf der Anklagebank: ein junger Mann aus dem Kosovo, albanische Staatsangehörigkeit, zur Volksgruppe der Roma gehörig, samt Dolmetscherin und Pflichtverteidiger. Angeklagt war Fahren ohne Fahrerlaubnis, beileibe keine besonders seltene Angelegenheit. Anders die näheren Begleitumstände: Der Mann soll die besagte Fahrt in einem Auto unternommen haben, das mit sage und schreibe 19 Personen besetzt war. Und dabei hat es sich nicht um einen Bus, sondern um einen Fiat »Tipo«–gehandelt, einen Kompaktwagen der »Golf«-Klasse.

Am 2. Oktober vergangenen Jahres hatten Beamte der Polizeiautobahnstation Herborn ihre Kollegen in Freudenberg informiert, ein vollkommen überladener Pkw sei auf der Sauerlandlinie unterwegs und müsse gestoppt werden. Die Freudenberger schickten eine Streifenwagenbesatzung los, die auf einem Parkplatz abwartete. Was dann kam, beschrieb einer der Beamten als »das Highlight in meiner bisherigen Laufbahn«. Der Fiat, mit italienischen Kennzeichen versehen, kam funkensprühend heran. Das Auto hing so tief in den Federn, dass der Wagen ständig aufsetzte.

An der Autobahnanschlussstelle Olpe stoppten die Beamten das Auto und lotsten es von der Autobahn herunter. Als sie die Türen öffneten, blieb ihnen die Luft weg. Der Wagen sei innen vollkommen beschlagen gewesen, der Fahrer habe sich nur ein kleines Guckloch freigewischt. Die Hutablage habe gefehlt, Menschen hätten überall gesessen, gelegen oder gehockt. »Bei ,Wetten dass’ habe ich so was schon mal gesehen, aber auf der Straße noch nie«, so der andere Beamte.

Der Mann auf der Anklagebank war geständig. Über die Dolmetscherin erklärte er, was damals vorgefallen sei. Sie seien mit einem Bus vom Kosovo aus über Italien nach Deutschland gefahren. In Italien sei ihnen der Fiat geschenkt worden. Bei Frankfurt hätten die beiden Fahrer ihn und seine Familie aus dem Bus aussteigen und mitsamt dem Fiat stehenlassen. In seiner Not habe er die ganze Familie – der Mann ist Vater von sieben Kindern – samt Vettern und Brüdern in den Wagen steigen lassen und sei selbst gefahren.

Es war nicht zum erstenmal, dass der Mann sich ohne Führerschein ans Steuer gesetzt hatte. Richter Schneider hatte sechs Eintragungen verlesen, darunter fünf Fälle des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Zurzeit sitzt der Mann im offenen Vollzug in der JVA Attendorn ein, weil er Landsleute in die Bundesrepublik eingeschleust hat.

Der Mann wurde vom Gericht zu vier Monaten Haft verurteilt, die er im geschlossenen Vollzug verbringen muss.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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