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Schließung des Thyssen-Krupp-Federnwerks
333. Katharinenmesse - wie geht es weiter?

Unser Bild aus dem Jahr 2006 zeigt das Ende einer der regulären Katharinenmessen, an denen Mitarbeiter des Werks im „Blaumann“ teilnahmen.
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  • Unser Bild aus dem Jahr 2006 zeigt das Ende einer der regulären Katharinenmessen, an denen Mitarbeiter des Werks im „Blaumann“ teilnahmen.
  • Foto: win (Archiv)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

win Olpe/Lütringhausen. Nur zum Teil war es die Corona-Pandemie, die dafür sorgte, dass am Donnerstag die 333. Katharinenmesse ganz anders gefeiert wurde als bisher. Drängen sich normalerweise so viele Teilnehmer in die kleine Kapelle „Maria vom guten Rat“, einen Steinwurf vom Thyssen-Krupp-Federnwerk Lütringhausen entfernt, wie in das kleine Gotteshaus hineinpassen, verloren sich diesmal zwei Dutzend Mitfeiernde in den Bänken der Olper Marienkirche. Diese war als Ausweichort gewählt worden, weil hier andere Abstände möglich sind – die...

win Olpe/Lütringhausen. Nur zum Teil war es die Corona-Pandemie, die dafür sorgte, dass am Donnerstag die 333. Katharinenmesse ganz anders gefeiert wurde als bisher. Drängen sich normalerweise so viele Teilnehmer in die kleine Kapelle „Maria vom guten Rat“, einen Steinwurf vom Thyssen-Krupp-Federnwerk Lütringhausen entfernt, wie in das kleine Gotteshaus hineinpassen, verloren sich diesmal zwei Dutzend Mitfeiernde in den Bänken der Olper Marienkirche. Diese war als Ausweichort gewählt worden, weil hier andere Abstände möglich sind – die Teilnehmer jedoch waren so wenige, weil das Werk seiner Schließung entgegengeht und nur noch ein paar Handvoll Männer und Frauen dort arbeiten – eine traurige Arbeit, denn sie helfen den Monteuren anderer Firmen, die Maschinen und Anlagen gekauft haben und sie aus Lütringhausen abholen, damit sie anderswo in ganz Europa Federn und Stabilisatoren für Kraftfahrzeuge produzieren. Am Jahresende ist komplett Schluss, dann sollen die Hallen besenrein entweder einem Käufer oder der Thyssen-Krupp-Immobilienverwaltung übergeben werden.

Erste Katharinenmesse vor 333 Jahren

Nun war es in der Vergangenheit schon oft so, dass eine drohende Schließung oder mindestens Verkleinerung des Werks wie ein Damoklesschwert über der traditionsreichen Katharinenmesse schwebte. Die erste war vor 333 Jahren von der Breitschmiedezunft des Kirchspiels Rhode gefeiert worden. Ihre Tradition hatte nach dem Ende der Handwerkszünfte die aufkommende Industrie übernommen, die die Produkte der Breitschmiede fertigte. Nun ist die Ungewissheit über die Zukunft des ältesten Olper Industriestandorts trauriger Gewissheit gewichen.
Dennoch oder gerade deswegen nutzte Zelebrant Prof. Dr. Wolfgang Werner die Gelegenheit, um Mut und Hoffnung zu verbreiten.

Tradition der Katharinenmesse erhalten

Er rief in Erinnerung, dass alle Eigentümer des Werks die Tradition akzeptiert hätten. Das Rundfenster über der Orgelbühne der Kapelle sei von Hoesch gestiftet worden. „Jetzt stehen die Räder still.“ Dabei bezog er sich darauf, dass das Rad das Symbol der heiligen Katharina von Alexandrien ist, weshalb sie zur Schutzheiligen vieler technischer Berufe gewählt wurde. Die Katharinenmesse sei stets dagewesen, um Solidarität zu wecken und um im Gespräch zu bleiben. Viele Ruheständler waren vor der Corona-Krise alljährlich dabei und nutzten das Frühstück im Anschluss an die Messe zum Austausch mit der Belegschaft und einem Besuch ihrer alten Arbeitsstelle. KAB und IG Metall sind nun dabei, Wege zu finden, damit „dieser denkwürdige Tag nicht wegfällt. Allen ist klar, das darf nicht sang- und klanglos unter den Tisch fallen“. Prof. Werner: „333-mal haben Menschen gebetet und gehofft. Heute wird die Messe letztmals in der alten Konstellation gefeiert. Nun gilt es, andere Wege zu versuchen und dem Ganzen neuen Schub zu geben.“

Arbeit mehr als Geldverdienen

In seiner Predigt betonte er, dem Menschen sei die Gabe der Hoffnung geschenkt worden, „die ermöglicht, dass wir vieles schaffen“. Technik solle eigentlich dem Menschen das Leben erleichtern. Doch oft sorge Technik auch dafür, dass Arbeitsplätze verloren gingen. „Was nützt es, wenn wir die ganze Welt gewinnen, aber der Sinn des Lebens verlorengeht?“ So sei zwar äußerst erfreulich, dass Betriebsrat und IG Metall einen wirklich guten Sozialplan erkämpft hätten, aber Arbeit sei mehr als das Geldverdienen, und es sei wichtig, auch an die menschlichen Schicksale derer zu denken, die nun keine Arbeit mehr hätten oder sich nach anderer Arbeit umschauen müssten. „Ich wünsche allen, dass sie eine Zukunft mitten im Leben haben.“
Die Lesung aus dem Paulus-Brief übernahm der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Olpe, André Arenz, die Fürbitten las der ehemalige Vorsitzende des Betriebsrats, Bernd Döppeler. „Menschen würdig arbeiten“ stand als Titel über der Messe. Im Anschluss trafen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter freiem Himmel zu Kaffee und belegten Brötchen, um im Gespräch an alte Zeiten zu erinnern und Pläne für eine Zukunft der Katharinenmesse zu schmieden.
Betriebsratsvorsitzender Ali Atasoy und einige Mitstreiter machten sich im Anschluss auf ins Werk, um weiter die finale Arbeit von Thyssen-Krupp in Lütringhausen zu vollenden.

Unser Bild aus dem Jahr 2006 zeigt das Ende einer der regulären Katharinenmessen, an denen Mitarbeiter des Werks im „Blaumann“ teilnahmen.
Auf der Treppe der St.-Marien-Kirche in Olpe wärmten sich Teilnehmer der letzten Katharinenmesse unter Beteiligung der Thyssen-Krupp-Belegschaft mit Kaffee, darunter Betriebsratsvorsitzender Ali Atasoy (6. v. r.) und seine beiden Vorgänger, Bernd Döppeler (5. v. r.) und Mike Warnecke (5. v. l.), sowie Zelebrant Prof. Dr. Wolfgang Werner (r.). Auch IG-Metall-Chef André Arenz (2. v. l.) feierte die Messe mit.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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